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Absinthium. Wermut. Compositae.

Botanical name:

Photo 003: Wermut. Photo 004: Wermut. Blühender Zweig. Karte 003. Artemisia absinthium. Name: Artemísia absínthium L. (Artemisia vulgare Lam., = Abs. officinale Richt.). Wermut, Absinth, Alsem, Wiegenkraut. Französisch: Absinthe, grande Absinthe; englisch: Absinth, wormwood, warmot, mugwort; italienisch: Assenzio, assenzio romano; dänisch: Halurt - halort; litauisch: Pelynas; polnisch: Piolun; russisch: Polyn; tschechisch: Pelynek pravý; ungarisch: Fehér üröm, absint üröm.

Namensursprung: Die Ableitung des im Altertum und Mittelalter meist allein gebräuchlichen, von einigen Autoren auch entsprechend der griechischen Schreibweise άψνθιον, Apsinthium geschriebenen Namens ist unklar. Nach Dioskurides soll er entweder von ψινθος (apsinthos) = unerfreulich, oder von πινθος (apinthos) = untrinkbar herkommen. Auch die Herkunft des deutschen Namens Wermut ist unsicher. Eine Deutung will ihn mit "Wurm" wegen wurmwidriger Eigenschaften der Art, eine andere mit "Warm" als erwärmendes Mittel zusammenbringen. Weinmann schreibt 1737: "Wermut = wehre dem Muth, weil er schläffrig und verdrossen machet" (gemeint ist das Phlegma, das schläfrig und verdrossen macht).

Volkstümliche Bezeichnungen: Wörmke, Warmke (Göttingen), Wörm, Wormken, Wörkenblom, Wahmöh (Untere Weser), Wirmäu, Währmüggen (Westfalen: Ölde), Würm(k) (Ostfriesland), Würmken, Wurmken (Oldenburg), Wermöten (Elberfeld), Wärm(e)den (Gotha), Wermt, Wermert (Nordböhmen), Birmet, Wermed (Oberhessen), Wermte (Cölleda), Wurmet (Schweiz), Würmlekraut (Kärnten). Wrömp (Schleswig) und Främde (Braunschweig) gehören wohl auch hierher. Hauptsächlich rheinfränkisch sind die Bezeichnungen Els(em) (Nahegebiet), Alsem, bitterer Aelz, Bitterals (Eifel), ätsch, Itsch (Nassau), Batteralsem (Lothringen). Sie leiten sich von den mittellateinischen Bezeichnungen des Wermuts aloxinum, alosanus u. ä. ab.

Botanisches: Der salpeterreiche (2,7%) Halbstrauch mit meist nur 3-10 Jahre alt werdendem Wurzelstock besitzt holzige überwinternde Rosetten und treibt zahlreiche 1/2 bis 1 m hohe ästige Stengel. Die stark aromatischen, bitter schmeckenden Sprosse sind von zahlreichen eingesenkten Öldrüsen punktiert. Seidig-filzige Behaarung kennzeichnet die reich vorhandenen Laubblätter. Die zahlreichen nickenden Blütenköpfe mit gelben Blüten stehen in aufrechten, reichästigen Rispen.

Der in seiner Jugend gegen Frost und Dürre wenig widerstandsfähige Wermut ist in den Trockengebieten fast des gesamten gemäßigten Eurasiens verbreitet, wo er kalk- und nährstoffreiche Böden bevorzugt. Besonders häufig ist er auf nitratreichen Böden verlassener Hofstätten, Ruinen und Ruderalstellen anzutreffen. Auf kalkarmen Böden geht er zugrunde. Blütezeit: Juli bis September.

Geschichtliches und Allgemeines: Nach Dioskurides sollen die alten Ägypter den Wermut als Somi gekannt haben, welcher Name in der Form Saam schon im Papyrus Ebers (um 1600 v. Chr.) vorkommt. Nach Plinius trugen die Isispriester bei Festlichkeiten Zweige von "absinthium marinum" umher, dessen Geheimname bei ihnen "Herz des Geiers" war. In der klassischen Antike überhaupt ist der Wermut wohl bekannt gewesen, jedoch läßt sich infolge der flüchtigen botanischen Beschreibungen in der Literatur der Griechen und Römer nicht immer entscheiden, ob der gewöhnliche Wermut oder eine andere Art, z. B. A. pontica, A. arborescens, A. maritima usw., gemeint ist. Theophrast berichtet eine Sage, nach der die Schafe am Pontus das "apkinthion" fräßen und dadurch die Galle verlören. Nach Dioskurides, der verschiedene Absinthiumarten kennt, ist die gewöhnliche Art ein bekanntes Kraut, die beste Sorte davon wachse am Pontus und in Kappadokien. Dioskurides schildert ihn als erwärmend, adstringierend und verdauungsbefördernd. In der Propontis und in Thrakien wird daraus ein Wein bereitet, der als sehr gesund gilt. Mit Essig getrunken lobt er ihn als ein gutes Mittel gegen Vergiftung durch Pilze, mit Wein gegen Ischias und Vergiftung durch den Schierling.

Ein Zeichen der allgemeinen Wertschätzung des Wermuts war, daß bei den latinischen Festen der Sieger im Wettrennen mit Stiergespannen auf dem Kapitol einen Wermuttrank zu sich nahm. Lukretius erzählt, daß man den Kindern, die Wermut gegen Würmer erhielten, Honig um den Rand des Bechers schmierte. Galenus nennt ihn als antifebriles Mittel. Auch sonst wird er bei den römischen und griechischen Ärzten viel erwähnt.

Im Mittelalter begegnen wir dem Wermut zum ersten Male im "Hortulus", dem Lehrgedichte des Abtes Walafridus Strabus (9. Jahrhundert), dann bei der Hl. Hildegard, die ihn "wermuda" nennt. Für das hohe Ansehen, das die Pflanze genoß, spricht, daß ihr Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuche nicht weniger als 13 Folioseiten widmet. Die wichtigsten Anwendungen waren die als Wundmittel, gegen Cholera und Pest, Rheumatismus, Lähmungen, Gelbsucht, Wassersucht, Skorbut, Bleichsucht, Magenleiden, Frauenleiden, Epilepsie usw. Boerhaave empfahl ihn gegen Malaria.

Jedoch nicht nur in der Heilkunde, sondern auch sonst hatte man viel Verwendung für die Pflanze. So soll sie zur Verhinderung des Rausches gedient haben und ein beliebtes Mittel gegen Katzenjammer gewesen sein. Als einfaches und gutes Floh- und Lausmittel wird in R. Minderers "Kriegsarzneibüchlein für den Dreißigjährigen Krieg" folgende Vorschrift gegeben: "Willst du von Ungeziefer gesichert sein, so tauche dein Hemd in einen Absud von Wermut und Hufabschnitzeln von Pferden in halbverdünnter Lauge und laß es trocknen: so kommt dir keine Laus hinein, während sonst eine im Hemd stürbe und viele Tausende mit ihrer Leiche gehen." Der Brauch, den Matthiolus berichtete, daß man die jungen Blätter in Eierkuchen buk, scheint heute in Vergessenheit geraten zu sein. Die appetitanregende Eigenschaft der Pflanze hielt man für so groß, daß es genügte, die Blätter nur in die Schuhe zu legen, und darauf zu gehen, daß "die lust zur Speiß komme". Auch in der sympathetischen Medizin und als dämonenabwehrendes Mittel hat der Wermut, der als Bestandteil von Hexensalben und -tränken galt, im Volke eine gewisse Rolle gespielt.

Wie beliebt der Wermut noch heute ist, zeigt der bergische Spruch "Wärmot ist för alles got". Das, was man als Absinthschnaps bezeichnet, ist kein Wermutwein, sondern ein Wermut destillat. In der Basler Gegend benutzt man den Absinthschnaps als Abortivum, auch im Kaukasus wird er als wehentreibendes Mittel verwendet.

Die Verwendung des Absinthlikörs scheint erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich aus Algerien eingeführt worden zu sein. Der Absinthgenuß hatte sich besonders in den schweizerischen und französischen Großstädten rasch verbreitet. Infolge der sehr schädlichen Wirkung (Schwindel, Muskelzuckungen, Krämpfe, Erbrechen, Bewußtlosigkeit, epilepsieähnliche Anfälle) setzte um 1900 eine lebhafte Bewegung zur Bekämpfung des Absinthismus ein, die zu einem völligen Verbot der Herstellung und Einfuhr in Deutschland, in der Schweiz, in Italien und Holland und zu einer Einschränkung von Anbau, Fabrikation und Konsum in Frankreich führte.

Zur Geschichte des Wermuts vgl. auch die Dissertation von R. Müller "Beiträge zur Geschichte der offizinellen Drogen" (Colmar 1931).

Wirkung

Von Hippokrates (Fuchs, Hippokrates Sämtl. Werke, Bd. 2, S. 469, 544, Bd. 3, S. 332, 354, 390, 460, 493, 585, 610.) wurde der Wermut gegen Gelbsucht, Tetanus und als uterusreinigendes Mittel angewandt (Fuchs, Hippokrates Sämtl. Werke, Bd. 2, S. 469, 544, Bd. 3, S. 332, 354, 390, 460, 493, 585, 610.).

Die hl. Hildegard (Der Äbt. Hildegard Causae et Curae, S. 163, 169, 180.) gebrauchte ihn gegen Magenschwäche und Zahnschmerz.

Als magenstärkend (jedoch nur bei vollem Magen), wurmvertreibend, stuhlerweichend, grimmenstillend, emmenagog, als hilfreich bei Milzstechen, Vergiftungen, Wunden, Schwellungen, Pruritus und als Prophylaktikum gegen Seekrankheit führt Paracelsus (Paracelsus Sämtl. Werke, Bd. 1, S. 680, 864, Bd. 3, S. 458, 469, 534) den Wermut an. Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 229 D.) rühmt recht viele Tugenden des Wermuts, so seine magenstärkende und -wärmende, verdauungsfördernde, appetitanregende, leber- und milzreinigende Kraft und die günstige Wirkung bei Gelb- und Wassersucht, Schlaflosigkeit, Trunkenheit, Fieber. Das Öl soll, in die Ohren geträufelt, das verlorene Gehör wiederbringen, das Kraut mit Honig aufgelegt die gequetschten Glieder heilen. Er wiederholt die Behauptung von Theophrast, daß dem Vieh, das mit Wermut gefüttert wird, die Galle verschwinden soll.

Wie Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 233.) schreibt, läßt Absinthium "das Blut nicht faulen" und treibt die Galle durch Stuhl und Harn aus. Beim Mundspülen mache es einen wohlriechenden Atem. Im übrigen wiederholt er die Angaben der anderen Kräuterbücher.

Weinmann (Weinmann, Phytanthoza iconographia. Bd. 1, S. 6, Regensburg 1737.) berichtet, daß der Wermutwein mit Anis und Kümmel gemischt gern "von den Weibs-Personen, so die übrige Dicke hassen" genommen würde. Auch kennt er die äußerliche Anwendung in Form von Kräuterkissen gegen Magenbeschwerden.

Hecker (Hecker, pract. Arzneimittell., 1814, Bd. 1, S. 279.) schätzt den Wermut bei "Krankheiten, die aus Atonie der ersten Wege und Eingeweide des Unterleibes entspringen, Magenschwäche, Verschleimung, Würmern, Säure, Gicht, Steinbeschwerden, Hypochondrie, Verstopfung der Milz und Leber usw.", ferner bei Kachexien wie Hydrops, Ikterus, Skorbut. Gegen Krämpfe läßt er das ätherische Öl anwenden. Äußerlichen Gebrauch macht er vom Absinthkraut zur Zerteilung lymphatischer Geschwülste, schmerzhafter Rheumatismen, erysipelatöser Entzündungen usw.

Hufeland (Hufeland, Enchir. med., S. 146, 163, 198, 220, 258, 403, 404; Journal, Bd. 1, S. 148, 149.) wandte den Wermut sehr häufig an und veröffentlicht auch die Berichte Kortums (Kortum, i. Hufelands Journ., Bd. 15, III., S. 15.) und Hellers (Heller, i. Hufelands Journ., Bd. 27, IV., S. 36.) über seine erfolgreiche Medikation bei Febris intermittens.

Daß der Wermut auch als Volksmittel sehr beliebt war, bezeugt die häufige Anführung bei Osiander (Osiander, Volksarzneymittel, S. 47, 113, 185, 189, 192, 226, 355.).

Als aromatisch bitteres Stomachikum, das allerdings zuweilen Kopfschmerzen und Schwindel verursache, wird Absinthium von Clarus (Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., 1860, S. 1086.) angeführt.

Die deutsche Volksmedizin unserer Zeit wendet den Wermut getreu den alten Überlieferungen bei atonischer Verdauungsschwäche, Magenkatarrh, Wechselfieber, als Emmenagogum, zur Austreibung der Plazenta und zur Förderung des Schlafes an (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 247.), die Schweizer Kräuterkunde bei Abmagerung, Trunksucht und Seekrankheit (Künzle, Salvia 1922, S. 31, 50.), die amerikanische Medizin als tonisches Stomachikum bei Dyspepsie (Potter, Materia medica 1898, S. 66.).

In der russischen Volksmedizin wird der Wermut, wie W. Demitsch (W. Demitsch, in Histor. Studien aus d. Pharm. Instit. d. Univers. Dorpat, S. 179, Halle 1889 herausgegeben von R. Kobert.) auf Grund zahlreicher Literaturstellen nachweist, als ganz vorzügliches, heilsames Hausmittel bezeichnet. Im Vordergrund steht die Wirkung bei Fieber und als Magenmittel sowie als Anthelmintikum. Man gab den Kindern die pulverisierten Blätter mit Honig, als spirituöse Auszüge und wäßrige Infuse. Die Tinkturen wurden auch äußerlich zu Einreibungen benutzt. Weiter galt der Wermut als nützlich bei Gelbsucht, Hautparasiten und gegen Motten. Der Absinthschnaps wurde den Priestern, Mönchen und Nonnen dringend empfohlen, damit sie von schlechten Bedürfnissen des menschlichen Leibes befreit würden. Man sieht, daß also das Mittel selbst als sexuelles Sedativum galt. Nach J. Schablowski (vgl. Demitsch) gibt man es Gebärenden als wehentreibendes Mittel in Form einer Abkochung von einer Handvoll Kraut auf 2 Glas Wein jede halbe Stunde. Abortus soll dadurch nicht entstehen.

Gegen Hautleiden aller Art empfiehlt Wizenmann (Wizenmann, Heilung und Heiligung, Bd. 4, S. 1414, 1930.) das gepulverte frische Wermutkraut, mit einigen Tropfen Zitronensaft angefeuchtet, aufzulegen.

Auch in der Veterinärheilkunde gilt der Wermut als gutes Mittel, das bei Freßunlust infolge von Verdauungsstörungen oder nach Krankheiten, bei Gelbsucht, Leberwürmern, Harthäutigkeit, besonders infolge chronischer Leberkrankheit, und bei Überfütterungskoliken angewandt wird. Äußerlich wird er in Absudform gegen Krätze gebraucht (Lorenz, Der Hausthierarzt, S. 609.).

C. B. Inverni (C. B. Inverni, Piante medicinale, Bologna 1933.) bezeichnet den Wermut in starken Dosen als emmenagog wirksam und besonders geeignet bei Amenorrhöe junger Mädchen. Inverni betont ebenso wie Leclerc (H. Leclerc, Précis de Phytothérapie, S. 33, Paris 1927.), daß der Wermut als Wurmmittel sowohl bei Askariden wie auch bei Oxyuren wirksam sei.

Nach Bohn (Bohn, Heilwerte heim. Pfl., 1920, S. 76.) umfaßt der Wirkungskreis des Wermuts die Nerven des Magens und Zwölffingerdarms, die er zu vermehrter Tätigkeit anregt. Pfortaderstauungen mit Neigung zu Nieren-, Blasen- und Darmblutungen sind nach ihm Kontraindikationen für die Anwendung.

Wird Herba Absinthii in größeren Dosen verabreicht, so erzeugt es Vermehrung der Harn- und Schweißabsonderung, Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen; nach Mißbrauch wurden Kongestionen, Kopfschmerzen, Schwindel, Ideenverwirrung und Betäubung beobachtet. Ein Mann bekam nach Genuß eines konzentrierten Infuses Schwindel, Schwäche, Zittern in den Beinen, Harndrang und Brennen in der Glans penis (Lewin, Gifte u. Vergiftungen, S. 758, Stuttgart 1929.). Eine tödliche Vergiftung durch eine konzentrierte Wermutabkochung beschreibt Michelson (Michelson, i. Fühners Samlg. v. Vergiftungsfällen, 1934, Nr. 5, S. A 17.). Hier bestanden die Symptome in starken Leibschmerzen, Erbrechen, Zittern, Krämpfen und Tod durch Versagen des Herzens. Ich nahm zur Nachprüfung, verteilt auf etwa 6 Wochen, 40 g in "Teep", also 20 g des frischen Krautes, ohne ernstere Nebenwirkungen außer Benommenheit des Kopfes zu spüren (Verf.). Größere Gaben von Wermut sollen auch leicht zum Abort führen (Flamm, Hippokrates 1935, Nr. 23, S. 867.). Bei Stillenden kann die schädliche Wirkung durch die Milch auch auf den Säugling übergreifen (Lewin, Nebenwirkungen d. Arzneimittel, S. 621.).

Das frische Kraut enthält bis 0,5% ätherisches Öl (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 1245.), dessen wichtigster Bestandteil das Absinthol = Thujon = Tanaceton = Salviol ist (Geßner, Die Gift- u. Arzneipflanzen Mitteleuropas, S. 204.); daneben Thujylalkohol, Terpene und Sesquiterpene. Außerdem finden sich im Wermut ein bitteres Glykosid Absinthiin (auch in den Blüten), bitteres Anabsinthin, Bernsteinsäure (nicht in den Blüten) und Gerbsäure.

Das ätherische Öl ruft bei chronischem Gebrauch (in Form des Absinthschnapses) eine Disposition zu Epilepsie u. a. Nervenkrankheiten hervor (Kobert, Lehrb. d. Intoxik., S. 391; Bohm, Dissert. Halle 1879.). Auch in Versuchen wurde festgestellt, daß Absinth krampfauslösend wirkt (Coombs, Mortis u. Pike, Bull. neur. Inst. New York 1931, Bd. 1, S. 145.).

Das Absinthiin soll Schwindel und Betäubung verursachen können (Vgl. 22).), doch ist es, wie Roux (Roux, Bull. gén. de Thérap. 1884, Nov. 30., S. 438.) im Tierversuch beobachten konnte, kaum giftig zu nennen. Größere Dosen erzeugen reichlichere Darmentleerungen ohne diarrhöischen Charakter (Vgl. 22).). Diese Beobachtung habe ich auch selbst öfters mit Absinthium "Teep" gemacht. Verordnet man gleichzeitig fettfreie Diät, so tritt beschleunigte Gewichtsabnahme ein (Verf.).

Auf eine merkwürdige Eigenschaft des Wermuts wies kürzlich Pater (Pater, Heil- u. Gewürzpflanzen 1934, Bd. 16, Lfg. 1/2, S. 59.) hin: ölige, schmutzige Hände und schmutzige, mit Öl durchtränkte Wäsche und Lumpen werden auffallend rein, wenn man sie im Wasser mit Wermut reibt. Nach Pater hat es den Anschein, als ob Wermut die Seife ersetzen könne - ohne daß man bisher in der Pflanze Saponine gefunden hätte.

In Bezug auf die blühende Pflanze wurde festgestellt, daß sie in vitro nicht bakterizid bzw. fungizid wirkt, hingegen wirkt sie im Tierversuch resistenzerhöhend (Nach eigenen Untersuchungen.).

Nach Klumpen sollen größere Mengen von Wermuttee längere Zeit hindurch getrunken den inneren Irisrand dunkel färben.

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Dänemark: Innerlich gegen Würmer, Magen- und Unterleibsleiden, beginnende Wassersucht, Skorbut, Wechselfieber, Pilzvergiftung; äußerlich gegen Geschwüre, kalten Brand und Ungeziefer.

Italien: Als stärkendes Magenmittel.

Litauen: Gegen Verdauungsstörungen.

Polen: Gegen Appetitlosigkeit, Magenleiden und Malaria; mit Thuja, Tanacetum, Ruta als Abortivum.

Steiermark: Gegen Magenleiden und fieberhafte Erkrankungen, insbesondere der Kinder.

Tschechoslowakei: Nach Veleslavín (1) verwendet man Wermut bei Pilzvergiftung, Gelbsucht, Wassersucht, Schüttelfrost, Ohnmacht, Krätze. Er ist ferner blutreinigend, schützt vor Trunksucht. Wermutwein heilt verdorbenen Magen, die Blase, regelt die Menstruation und vertreibt die Würmer. Äußerlich verwendet man Wermut bei Kopfweh, Augenschmerzen, Podagra, Durchfall. Auch als Umschläge.

In der Volksmedizin wird Wermut hauptsächlich gegen Magenschmerzen (2, 4, 5) zur besseren Verdauung (1) und gegen Appetitlosigkeit (6), weiter gegen Magenkrämpfe angewandt. Hilft auch bei Sodbrennen, Blähungen. Mit der Faulbaumrinde zusammen vertreibt Wermut Wechselfieber. Der Blütenabguß wird als Gurgelmittel bei Lebererkrankungen, Gelbsucht, Wassersucht und als Schmarotzervertreiber verwendet (8). Umschläge mit Wermutdekoktum werden bei Verstauchungen, Quetschungen und offenen Wunden aufgelegt (8). Pulverisierter Wermut wird bei Lebererkrankungen in der Suppe (ein bis zweimal täglich 1 Messerspitze) eingenommen (8). Gegen Spulwürmer empfiehlt sich, Wermutsamen in Alkohol anzusetzen und das gesüßte Getränk vor dem Schlafengehen oder besser noch auf den nüchternen Magen einzunehmen (Walachei) (9). Auch die Madenwürmer werden in der mährischen Slowakei nach obigem Rezept vertrieben (10). Zu demselben Zweck verwendet man in der Slowakei Wermutblüten und in der Poděbrader Gegend dasselbe nur mit Beimengung von Zitronensaft (10). Mit Wermutaufguß, vermengt mit Honig, werden schmerzhafte Augen ausgewischt (8). Denselben verwendet man auch als Klistier bei Kolik (durch Bandwurm verursacht) (8). In Schlesien wird Wermut gegen Kolik innerlich genommen (5).

Literatur: (1) Veleslavin 1596, 232 D; (2) Koštál 1901, 52; (4) Mor. Slov. II. III. 752; (5) Vlnka, Slez. apat. čL. IX. 340; (6) Krčmář, Ros. Chmelík 1904; (7) Vykoukal, Dom. lék. n. 1. 76; (8) Dlouhý, Léč. rostl. 117; (9) Václavek, Lid. léč. čL. VII. 125; (10) Novotný, Lid. léč. hlístů čL. XIV. 22.

Ungarn: Gegen Kolik, Magenschmerzen, Nausea, Pilzvergiftung, Würmer und Malaria.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Absinthium wird verordnet als Stomachikum bei dyspeptischen Zuständen und gestörter Azidität (Hyper- und Hypoazidität), sowie bei Gallen- und Leberleiden. Sehr eindrucksvoll ist die Wirkung bei üblem Mundgeruch und üblem Geruch der Fäkalien. Wie auch Kneipp betont, wirkt er in dieser Beziehung vortrefflich. Bei üblem Mundgeruch genügt auch schon Gurgeln mit Wermutabkochungen. Weiter werden gute Resultate beobachtet bei Appetitlosigkeit, Flatulenz, Pyrosis, Blutarmut, Enteritis und Ikterus. In vereinzelten Fällen wird Wermut auch bei Ulcus ventriculi et duodeni und Ca. ventriculi gegeben, doch ist bei diesen Indikationen Vorsicht am Platze. Sehr bekömmlich ist das Mittel für Patienten mit operativ entfernter Gallenblase (Verf.) In "Teep"-Form hebt es die Energie, schafft Lebensfreude und Arbeitslust. Recht häufig ist auch seine Verwendung gegen Madenwürmer (seltener gegen Spulwürmer). Schließlich wirkt es auch bei nervös bedingter Erschöpfung, bei Schlaflosigkeit, Delirien und intermittierendem Fieber.

Äußerlich wird Absinthium gelegentlich als Augenwasser und zu Umschlägen gegen Schlaflosigkeit angewendet.

Absinthium wird viel als Tee verordnet, und zwar oft im Gemisch u. a. mit Calamus, Centaurium, Chamomilla, Condurango, Foeniculum, Gentiana, Mentha pip., Menyanthes und Salvia.

Als Wechselmittel bei Wurmbeschwerden werden genannt: Cina und Spigelia.

Angewandter Pflanzenteil:

Seit dem Altertum sind in der Medizin immer die blühenden Spitzen und Blätter benutzt worden.

Herba Absinthii ist in Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Schweiz, Japan, Norwegen, Rußland, Schweden offizinell.

Zur Bereitung der wirksamen Präparate eignen sich die frischen, jungen, im Juli und August gesammelten Blätter und Blüten, aus denen auch das "Teep" hergestellt wird. Die homöopathische Essenz wird ebenso bereitet (§ 3).

Dosierung:

Übliche Dosis:
40-60 Tropfen der Tinktur (Rost-Klemperer);
30-40 Tropfen (Paulsen);
20-30 Tropfen (Loeben);
1 Teelöffel voll (= 1,5 g) täglich zum kalten Auszug oder heißen Infus.
(Bohn empfiehlt 10-20 g als tägliche Aufgußmenge, doch ist das entschieden zu hoch.)
2 Tabletten der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 10% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,025 g Hb. Absinthii.)

In der Homöopathie:

wenig gebräuchlich, dil. D 2-4, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Magenschwäche:

Rp.:
Hb. Absinthii conc. . . . 50 (= Wermutkraut)
D.s.: 1/2 Teelöffel auf 1 Teeglas kalt ansetzen und 8 Stunden ziehen lassen, tagsüber trinken (Teezubereitung für den einfachen Tee:Der im Verhältnis 1:10 heiß bereitete Tee ergibt einen Extraktgehalt von 2,17% gegenüber 1,92% bei kalter Zubereitung. Die Glührückstände betragen entsprechend 0,51 und 0,48%. Nur in der kalten Zubereitung ist Peroxydase nachzuweisen. Geschmacklich ist zwischen beiden Zubereitungen kein Unterschied festzustellen.
1 Teelöffel voll wiegt 1,46 g. Für einen trinkbaren Tee kann man höchstens 1/2 Teelöffel voll auf ein Teeglas verwenden. Da auch dieser Tee noch stark genug ist, kann die Zubereitung sowohl kalt als heiß erfolgen.).
Rezepturpreis ad chart. et c. sign. etwa-.52 RM.

Bei Flatulenz, Ructus und Schlaflosigkeit als Kräutersäckchen (nach Wittich):

Rp.:
Hb. Absinthii (= Wermutkraut)
Flor. Chamomillae (= Kamillenblüten)
Hb. Rutae (= Rautenkraut)
Hb. Majoranae . . . aa 20 (= Majorankraut)
D.s.: Die getrockneten Kräuter in ein Säckchen binden, erwärmen und auf den Magen auflegen.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.07 RM.

Als Anthelmintikum (nach Meyer):

Rp.:
Flor. Chamomillae (= Kamillenblüten)
Fol. Sennae . . . aa 10 (= Sennesblätter)
Flor. Tanaceti . . . 20 (= Rainfarnblüten)
Hb. Absinthii . . . 60 (= Wermutkraut)
M.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel auf 1 Tasse Wasser abkochen. Früh und abends 1/2 Tasse warm trinken.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.17 RM.

Species cholagogae (F.M.B.):

Rp.:
Fol. Menth. piperit. (= Pfefferminzblätter)
Herb. Absinthii (= Wermutkraut)
Herb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Rad. Taraxaci (= Löwenzahnwurzel)
Rhiz. Zedoariae . . . aa ad 100 (= Zitwerwurzel)
M.d.s.: 1 Eßlöffel voll auf eine Tasse Tee.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 2 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser abends kalt ansetzen und tagsüber kalt trinken.

Als Wurmklistier (nach Friedrich):

Rp.:
Hb. Absinthii conc. . . . 25 (= Wermutkraut)
D.s.: Als Infus zu einem Klistier zu verwenden.
Rezepturpreis ad chart. et c. sign. etwa -.25 RM.

Als Stomachikum (nach Meyer):

Rp.:
Hb. Cardui benedicti (= Kardobenediktenkraut)
Hb. Absinthii (= Wermutkraut)
Hb. Centaurii (= Tausendgüldenkraut)
Hb. Vincae min. . . . aa 25 (= Immergrünkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 1/2 Teelöffel auf 1 Tasse aufgießen, schluckweise 1 Tasse vor dem Essen trinken.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 1/2 Teelöffel auf 1 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.03 RM.
Oder:

Species amarae (Austr.):

Rp.:
Hb. Absinthii (= Wermutkraut)
Hb. Centaurii (= Tausendgüldenkraut)
Flavedin. Cort. Aurant. . . . aa 20 (= äußere, gelbe Pomeranzenschalen)
Fol. Trifolii (= Fieberkleeblätter)
Rhiz. Calami . . . aa 10 (= Kalmuswurzelstock)
Rad. Gentianae (= Enzianwurzel)
Cort. Cass. cinnam. . . . aa 5 (= Cassiazimtrinde)
C.m.f. species.
D.s.: 1/2 Teelöffel auf 1 Glas Wasser. Vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.18 RM.
Oder:

Tinctura Absinthii composita (Austr.):

Rp.:
Hb. Absinthii . . . 10
Cort. Aurant. . . . 4
Rhiz. Calami Rad. Gentianae . . . aa 2
Cort. Cinnamomi . . . 1
Spiritus dilut. . . . 100
D.s.: 20 Tropfen mehrmals tägl.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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