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Millefolium. Schafgarbe. Compositae.

Botanical name:

Name: Achilléa millefólium L. Gemeine Schafgarbe. Französisch: Millefeuille, saignenez, sourcils de Vénus, herbe à charpentier, herbe à la coupure, herbe de Saint Joseph; englisch: Milfoil, common yarrow, thousand leaf, noosebleed, old man's pepper; italienisch: Millefoglio, erba da tagi, tagiola, erba militare, erba dai millefiori, erba per i cento tagli; dänisch: Röllike; litauisch: Kraujažole baltažiede; polnisch: Krwawnik; russisch: Tysiaczelistnik; schwedisch: Rölleka; tschechisch: Rebřiček obecný; ungarisch: Cickafark.

Weiteres Vorkommen: Sibirien, westl. Himalaja. Eingeschleppt in Nordamerika, Neu-Seeland. Südaustralien.

Namensursprung: Achillea nach Achilles, dem Heros aus dem trojanischen Kriege, der die Pflanze entdeckt und gegen Wunden angewendet haben soll. Millefolium von mille = tausend und folium = Blatt, also "Tausendblatt" nach den fein zerteilten Laubblättern. Der zweite Teil des deutschen Namens Schafgarbe ist aus althochdeutsch garwe, soviel wie Gesundmacher, Heiler, althochdeutsch garwa = die Heilende entstanden. Nach Hertwig ist es nicht ausgeschlossen, daß der Name Schafgarbe daher rührt, daß die Schafe die Pflanze in Krankheitsfällen fraßen oder damit gefüttert wurden.

Volkstümliche Bezeichnungen: Garbe (Gotha), Garbakraut (Schwäbische Alb), Garbe-Chrut (Schweiz), Gerreworzel (Nahegebiet). Den niederdeutschen Mundarten gehören an: Rölk, Relek, Rählk (plattdeutsch), Rolegg'n, Rulk (Münsterland), Rêlitz (Altmark), Rêls, Rils Rüls, Rêdlse (Braunschweig), Dusendblad (Oldenburg, Ostfriesland), Dusendtacken (Westfalen), Tausendblättche (Eifel), Schåbsribbe, Schoaprippken (Westfalen), Schafrippe (rheinisch), Schoprebben (Elberfeld), Hunderibbe (Anhalt), Leiterlichrut (Schweiz), Mausleiterl (bayrisch-österreichisch), Katzenzohl (Eifel), Grüttblôm (Mecklenburg), Grützblume (Danzig), Grillenkrautgras (Salzburg, Niederösterreich), Thee, Theekrout (nördliches Braunschweig), Bauchwehkraut (Steiermark, Niederösterreich), Blut-, Blutstellkraut (Steiermark).

Botanisches: Die ausdauernde Pflanze wird 20-80 cm hoch. Sie duftet aromatisch und hat einen kriechenden Wurzelstock, der Blattsprosse und blühende Stengel treibt. Der aufrechte Stengel ist meist einfach, reich beblättert und mehr oder weniger zerstreut langwollig behaart. Die Laubblätter sind in der Jugend etwas wollig, später meist zerstreut behaart ohne eingestochene Punkte, doppelt- bis dreifach-fiederspaltig mit kurz lanzettlichen 0,5-1 mm breiten, zugespitzten Abschnitten. Die Blütenköpfe sind 0,4-0,6 mm breit, sie bilden einen ziemlich flachen, meist reichköpfigen, endständigen Ebenstrauß. Die Hülle ist eiförmig; die Hüllblätter sind gelbgrün, hellbraun bis schwarz häutig berandet. Scheibenblüten schmutzigweiß. Zungenblüten in der Regel halb so lang wie die Hülle, ungefähr so lang wie breit, vorn meist kurz dreizähnig, weiß, selten lilabis dunkelkarminrot. Früchtchen länglich, silbergrau. Blütezeit: Juni bis November. Die Schafgarbe ist in ganz Europa weit verbreitet, geht aber nördlich des Polarkreises nur als Begleiter des Menschen. Auch in Asien kommt sie weitverbreitet vor. Sie ist häufig auf Wiesen, Weiden, an Bahndämmen, Wegrändern, Rainen, auf lichtem Waldboden, Alluvionen, Geröll- und Felsfluren, zuweilen auch ruderal auf Äckern, Feldern, Schutthalden, Kohlenmeilern und in Gärten. Von der Ebene geht sie bis in die alpine Stufe.

Gegen Dürre, Hitze und Kälte ist A. millefolium sehr widerstandsfähig, dagegen kommt sie auf einem ausgesprochen nassen Boden nicht fort. Auch Düngung verträgt sie sehr gut, ebenso das beständige Abnagen durch die Weidetiere, so daß sie sofort wieder nachwächst. "Sie schießt unter dem Zahn der Tiere nach."

Geschichtliches und Allgemeines:

Während bei den Hippokratikern und Theophrast die Schafgarbe noch keine Erwähnung findet, rühmt Dioskurides sie unter der Bezeichnung στρατι_της χιλι_φνλλος als ausgezeichnetes Mittel gegen Blutflüsse, Geschwüre und Fisteln. Auch in den mittelalterlichen Kräuterbüchern steht die Anwendung als Styptikum im Vordergrund. In vielen Gegenden wird das junge Kraut der Gründonnerstags-Suppe (Kräutlsuppe) beigemengt, oder es dient als Salat; auch gebraucht man die Blätter mit Zwiebelschalen zum "Einbinden" der Ostereier. Fein geschnitten werden sie aufs Brot gegessen. In Schweden diente das Kraut gelegentlich als Tabak- und Hopfenersatz. Als erster nahm Carl Spengel die Pflanze in Kultur.

Wirkung

Bereits im Arzneischatze der hl. Hildegard (Der Äbtissin Hildegard Causae et Curae, S. 172, 177, 185.) enthalten, wird Millefolium von Bock (Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 177.) und Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 401.) als "ein köstlich Wundkraut bei allen inneren und äußerlichen Wunden, gegen geronnenes Blut und übermäßige Menstruationsblutung" gerühmt. Bock berichtet, daß das rotblühende Kraut, in die Nase getan, Bluten hervorrufe.

Wahrscheinlich kannte Hahnemann (Hahnemann, i. Hufelands Journal, Bd. 2, S. 471.) diese Mitteilung nicht, sonst hätte er nicht zu schreiben brauchen: "Man sehe zu, ob die Schafgarbe (Achillea millefolium) in großen Gaben nicht selbst Blutflüsse zu erregen imstande ist, da sie in gemäßigten Gaben gegen chronische Blutflüsse so hülfreich ist."

Auch Weinmann (Weinmann, J., Phytanthoza iconographia, Regensburg 1742, Bd. III, S. 385.) rühmt sie als Wundmittel und Styptikum bei Uterushämorrhagien, Nasenbluten, Hämoptoe, Fluor albus, Gonorrhöe, Blutharnen usw.

Nach Osiander (Osiander, Volksarzneymittel, S. 167.) wird Millefolium-Extrakt gegen Stickhusten und Milchstockung verwandt.

Hufeland (Hufeland, Enchir. med., S. 87, 160, 163, 182, 274, 277, 280, 291, 292; Journal, Bd. 75, III., S. 11.) machte häufig Gebrauch von Schafgarbe als auflösendem Mittel, gegen Hämorrhoiden, Melaena (Schwarzruhr), Hämaturie; sein Mitarbeiter Pits ch aft schätzte es "vorzüglich bei Lungenprofluvien von Unterdrückung der Schleim- und blutigen Hämorrhoiden".

Schulz (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 255.) verzeichnet folgende Indikationen der Volksmedizin: Hämorrhoidalblutungen, Menorhagie, Amenorrhöe chlorotischer Mädchen, Fluor albus, chronische Bronchitis, Asthma humidum, Intermittens, Enuresis nocturna, Nephro- und Cystopathien, insbesondere Nephrolithiasis, atonische Magendarmkatarrhe, Hämoptise der Tuberkulösen; infolge ihres Bitterstoffgehaltes sei sie auch als wirksam bei chronischer Milzschwellung nach Malaria und bei chronischer Leberschwellung anzusprechen; äußerlich werden Dekokte des Krautes zur Wundbehandlung, insbesondere maligner Ulzera, bei Rhagaden und Impetigo gebraucht.

In der russischen Volksmedizin gilt die Schafgarbe schon seit langem als gutes Mittel bei Fluor albus, Bleichsucht, Menstruationsanomalien, Fieber, Magenleiden, Kopf- und Rückenschmerzen und Hämorrhoiden, wie aus der nachstehenden, umfassenden Zusammenstellung von W. Demitsch (W. Demitsch, in Histor. Studien des pharm. Inst. d. Univ. Dorpat, herausgegeben v. R. Kobert, 1889, Bd. I, S. 142.) hervorgeht:

"Die Schafgarbe wird vom Volke verschiedenartig gebraucht. Schon im alten Kräuterbuch aus dem XVII sec. wird derselben Erwähnung getan, und zwar ist sie ein integrierender Bestandteil eines Pflasters zum Zweck der Auflegung auf die Schlagader der Hände und Füße beim Fieber. Lepechin (Tagebuchaufzeichnungen [1768-1769] St. Petersburg 1771, Teil I, S. 76) erwähnt sie als ein in Arsamass gegen Atembeschwerden angewandtes Mittel. - Ein kalter Aufguß der Schafgarbe wird von Richter (Geschichte der Medizin in Rußland, Moskau 1813-1817, Teil I, S. 109) als ein Hausmittel bei Brustkrankheiten mit Bluthusten angeführt. - Hauptsächlich scheint aber das Mittel vom Volke als Hämostatikum gebraucht zu werden, daher der Name der Pflanze "Schnittkraut". So sind z. B. die Esten schon lange mit der "rasch und sicher heilenden" Kraft der Schafgarbe bekannt (sie nennen dieselbe "Beilhiebkraut"). Nach Luce (Heilmittel der Esten auf der Insel Oesel, Pernau 1829, S. 67-71), der seine Behauptung durch einige Beispiele illustriert, heilt ein bloßes Auflegen des zerquetschten Krautes jede Schnitt- und Hiebwunde schnell und gut; auch bei vernachlässigten Wunden verfehlt es seine Wirkung nicht. S. Parpura (De remediorum domesticorum usu atque praestantia, Diss. Mosquae 1830, S. 23) zählt dieselbe in seiner Dissertation über Hausmittel zu den astringierenden Roborantien. Krebel (Volksmedizin und Volksmittel verschiedener Völkerstämme Rußlands. Skizzen. Leipzig und Heidelberg 1858) führt ein kaltes Infus von Achill. millef. als ein Volksmittel gegen Hämoptoe an. Nach Dahl (über Volksheilmittel, 1843, Teil III) ist die Pflanze fast überall in Rußland ein Wundmittel. - In Kleinrußland wird ein wäßriges oder spirituöses Infus von Achill. millef. bei Hämorrhoiden getrunken (M. Bulgakow, Medizinisch-topographische Beschreibung der Kreise Tschernigow, Gorodnja und Soßnitza. Militär-Mediz. Journal 1827, T.IX, Nr, 2, S. 275 und ff.). Auch im Kaukasus wendet man die Blätter bei verschiedenen Wunden an, und zwar sollen die pulverisierten Blätter und Stengel derselben die Entstehung des wilden Fleisches verhindern (P. Popow, Behandlung der Wunden bei kaukasischen Bergvölkern. Militär-Mediz. Journal 1855, T.LXV, Nr. 2, S. 41). In Nertschinsk ist es ein Fiebermittel (N. Kaschnin, Mediz.-topogr. Beschreibung der Knjase-Konstantinowschen "Distanz" des Kreises Nertschinsk. Moskauer Mediz. Zeitung 1860, Nr. 5, S. 37, Nr. 7, S. 53). Im Gouvernement Twer hält man nach Puparew (Twersche Gouvernements-Zeitung 1869) die frisch gequetschten Blätter der Pflanze für ein hämostatisches und wundenheilendes Mittel. Ein Tee von Achill. millef. wird daselbst bei Hämorrhoiden und Frauenkrankheiten getrunken. - Im Gouvernement Perm wird das Mittel ebenfalls außer bei Wunden noch als Tee bei Kopfund Rückenschmerzen, bei Uterinblutungen und Fluor albus gebraucht (P. Krilow, Arbeiten der Naturforscher-Gesellschaft bei der Universität Kasan. Bd. V, Heft II. Kasan 1876). Auch im Mohilewschen Gouvernement trinkt man eine Blütentinktur der Pflanze bei Bleichsucht, Fluor albus und Menstruationsverhaltung. Äußerlich benutzt man hier den frischen Saft der Achill. millef. bei Nasenbluten und zur Wundbehandlung (Tscholowski, Entwurf der Flora des Gouvernements Mohilew, in Dembowetzkis 'Versuch einer Beschreibung des Gouvernements Mohilew' Mohilew 1882, S. 396-414). Romanowski (Anti-Cholera-Volksmittel. Wratsh 1885, Nr. 23) zählt die Schafgarbe zu den Volksmitteln, welche gegen Durchfall angewandt werden. Nach Gornitzki (Bemerkungen über einige wildwachsende und angebaute Pflanzen der Ukraine-Flora, die als Volksheilmittel im Gebrauche sind. Charkow 1887, S. 2) wird ein Tee von der Pflanze in der Ukraine bei Menstruationsanomalien und ein Spiritusaufguß davon als Stomachikum getrunken. Auch im Gouvernement Witebsk wird Achillea millefolium unter dem Namen Blutkraut (Krowawnik) sehr oft vom Volke gebraucht, und zwar wird ein Blüteninfus bei Blutarmut, Fluor albus und Sistierung der Menstruation, ein kalter Aufguß vom ganzen Kraut bei Nasenbluten, endlich der frisch ausgepreßte Saft des Krautes, sowohl äußerlich wie innerlich, als wundenheilendes Hausmittel angewandt (A. Antonow, über die wildwachsenden Pflanzen des Gouvernements Witebsk, welche von der Landbevölkerung als Heilmittel gebraucht werden. Witebsk 1888, S. 1). Bei Schwindel und Blutandrang zum Kopfe wird das Kraut statt der Blutegel benutzt, indem man dasselbe in die Nase einreibt, was zu Nasenbluten führt (Rußkoje Sadowodstwo 1888, Nr. 40)."

Nach Bentley und Trimen (Bentley and Trimen, Medicinal Plants, Bd. IV, S. 153, London 1880.) wird Achillea millefolium in England hauptsächlich als Emmenagogum, gegen Hämorrhoidalbeschwerden und Enuresis der Kinder gebraucht.

Auch in Indien zählt die Schafgarbe zu den geschätzten Heilmitteln. Bevorzugt wird der Gebrauch der frischen Blätter, die gegen Hämorrhoiden, als Magentonikum, bei Magenkrämpfen, zur Regelung der Menstruation, bei Dysmenorrhöe (auch besonders bei Diarrhöen, die gleichzeitig mit der Menstruation einsetzen) und Schlaflosigkeit (bei nervösen Personen sollen auch Waschungen mit dem kalten Tee von guter Wirkung sein) gebraucht werden. Äußerlich werden die Blätter bei Beinfraß undfäule angewandt (J. Kloppenburg-Versteegh, Wenken en raadgevingen betreffende het gebruik van indische planten, vruchten enz., 1934, S. 38, 153, 160, 190, 264, 277, 278, 299, 312, 333.).

Lwow (Lwow, Medic. Westnik 1884, Nr. 1, zit. nach Demitsch, vgl. **), S. 1914.) hat die Pflanze in 34 Fällen als Tee tassenweise verabreicht und sah bei nicht auf Gonorrhöe beruhenden Fällen von Fluor albus schnelle und dauernde Wirkung.

Flamm und Eckstein (Eckstein u. Flamm, Die Kneippkräuter.) schreiben: "So haben wir auf Grund zahlreicher eigener Beobachtungen eine ausgesprochene krampflösende Wirkung des Schafgarbensaftes beobachten können, und zwar sowohl bei jenen Formen der ausstrahlenden Schmerzen, wie sie im Anschluß an die Muskelentartung des Herzens (Myodegeneratio cordis) oder auch bei der Herzbräune (Angina pectoris) auftreten. Die gleichen Beobachtungen haben wir auch machen können bei den funktionellen und auf echter Arteriosklerose beruhenden Formen des anfallsweise auftretenden Hinkens. Selbst bei beginnendem Raynaudschen Gangrän erwies sich die Schafgarbe als wirksam.

Bei der Berührung auf Wiesen lagernder Personen mit Schafgarbenkraut wie auch nach dem Genuß von Schafgarbentee wurden bläschenartige Exantheme beobachtet, die nach der Abheilung durch lange anhaltende Pigmentvermehrung charakterisiert waren (Gans, Dtsch. med. Wschr. 1929, S. 1213.).

Philadelphy (Philadelphy, Wien. kl. Wschr. 1928, Nr. 3, ref. i. Münchn. med. Wschr. 1928, Nr. 7, S. 327.) konnte mit Schafgarbe auch experimentelle Hauterkrankungen erzeugen.

Millefolium wird in die Reihe der Amara gerechnet, deren Glykoside den Verdauungstraktus beeinflussen. (Lit. darüber vgl. bei Gentiana.) Die durch eine subkutane Adrenalininjektion bewirkte Stoffwechselsteigerung wird durch kleine Dosen Schafgarbe noch erhöht, ebenso wird der Einfluß solcher Adrenalininjektionen auf den Blutzucker gesteigert (Weger, C. r. Soc. Biol. Paris 1930, Br. 104, S. 725, 729.). Millefolium wirkt auf Mikroben wachstumshemmend, aber schwächer als die Ranunculaceen. Der frische wäßrige Pflanzenauszug bleibt (ebenso wie bei Clematis recta, Pulsatilla und Ranunculus acer) auch bei langem Stehen klar (Nach eigenen Untersuchungen.).

Außer dem bitteren Glykosid Achillein enthält die Pflanze Aconitsäure, Gerbstoffe, Harz, Inulin, Asparagin, ätherisches Öl, Nitrate und Propionsäure (in den Blüten) (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 1232.).

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Dänemark: Innerlich bei spastischen Affektionen der Unterleibsorgane und gegen Spulwürmer; äußerlich als Wundmittel.

Litauen: Der Infus des Krautes und der Blüten gegen Verdauungsbeschwerden (besonders gegen dyspeptische Störungen infolge von sitzender Lebensweise) und Hämorrhoiden.

Norwegen: Innerlich als Universalmittel u. a. bei Magen- und Brustleiden, Skorbut, Nierenblutungen, Steinleiden und Blasenkatarrh; äußerlich auf Wunden und Geschwüre (I. R.-K.).

Polen: Der frische Saft bei Lungen- und Darmblutungen, das Infus bei Hämorrhoiden und Darmkatarrhen.

Ungarn: Gegen Darmruhr und Schnupfen, zur Behandlung von Wunden und Geschwüren.

Schematische Darstellung der Häufigkeit der Anwendung von:

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Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Millefolium ist ein altbekanntes Hämostyptikum bei hellroten Blutungen aus allen Organen, insbesondere aus Lunge, Mastdarm, Uterus, Blase und Nase, das sich häufig bei Hämorrhoidalblutungen (nach Unger zeigte sich bei einer schon seit Jahren bestehenden Blutung von stark entzündeten Hämorrhoiden auf Millefolium D 1 schon nach 2 Tagen Besserung), Kongestionen nach Brust und Kopf, venösen Stasen im Abdomen und Varizen in der Gravidität bewährt hat. Allerdings wird von verschiedener Seite darauf aufmerksam gemacht, daß zu große Gaben eine entgegengesetzte Wirkung hervorrufen können. Da Millefolium blutreinigend, den Stoffwechsel steigernd und beruhigend wirkt, wird es bei Krankheiten der verschiedensten Gebiete als Unterstützungsmittel gern gegeben. So verordnet man es oft bei Gastro- und Enteropathien, insbesondere spastischen Charakters (Dyspepsie, Obstipation, Kolik, Hyperazidität, Diarrhöe, Gastritis, Enteritis), bei Erkrankungen der Harnorgane wie Cystitis, Blasenschwäche, Enuresis (bei Nierenleiden, die jeder anderen Behandlung trotzen, gibt F. H. W. Schmidt 30-40 g Hb. Millefoli als Tee im Wechsel mit Koemis Koetjing-Tee), bei Hepato-Cholecystopathien und bei Erkrankungen der Respirationsorgane (Lungen katarrh, Husten und Bronchitis).

Außerdem wird die Schafgarbe noch als Frauenmittel, namentlich bei Dysmenorrhöe, gegen Gicht, Rheuma, Arteriosklerose, Fieber (Grippe, Malaria), Neurasthenie, Neuralgie, Diabetes und Asthma genannt. Sie kann auch zur Frühjahrskur als Saft und Gewürz gebraucht werden und wird in dieser Form besonders von Hornbacher gegen Würmer empfohlen.

Äußerlich angewandt, bringen Umschläge mit der Abkochung bei Wunden, aufgesprungenen Händen und nach Meyer, Berlin, bei wunden Brustwarzen Besserung. Schipper will mit den Umschlägen sogar ein Krebsgeschwür an der Stirn geheilt haben.

Millefolium wird u. a. häufig im Teegemisch mit Centaurium, Hypericum, Mentha piperita, Sanicula europaea, Hamamelis und Equisetum verordnet.

Angewandter Pflanzenteil:

Über die Verwendung des Krautes bzw. der Blätter (Schulz) bestehen keine Zweifel.

Dinand und Heinigke lassen es vor der Blüte sammeln.

Das blühende Kraut dagegen empfehlen: Dragendorff, Wasicky, Flamm-Kroeber, Stauffer, Thoms und Hager.

Auch das HAB. läßt das Kraut zu Beginn der Blüte sammeln (§ 3). Zur Herstellung des "Teep" werden dieselben Teile der Pflanze verwendet. Sammelzeit vom Mai bis in den September.

Herba Millefolii ist offizinell in Österreich, Schweiz, Rußland, Schweden, Rumänien, Portugal und Mexiko.

Dosierung:

Übliche Dosis:
2-3 Löffel des Saftes (Friedrich);
20-30 Tropfen der Tinktur dreimal täglich (Leclerc);
2-3 Teelöffel voll (= 3,8-5,7 g) zum heißen Infus täglich.
1 Teelöffel voll der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreibis viermal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt. Bei empfindlichen Personen können Dermatitiden auftreten.

Rezepte:

Zu Umschlägen bei wunden Brustwarzen (nach E. Meyer):

Rp.:
Hb. Millefolii conc. . . . 50 (= Schafgarbenkraut)
D.s.: 2 Eßlöffel voll auf 1/2 l Wasser zur Abkochung zu Umschlägen.
Preis nach Arzneitaxe 10 g -.05 RM!X! 100 g -.40 RM.

Bei Cholecystopathien (nachTürk):

Rp.:
Hb. Millefolii
Hb. Cardui benedicti
Hb. Nasturtii
Hb. Capsellae bursae pastoris
Fol. Trifolii . . . aa 20
M.f. species.
D.s.: 4 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.87 RM.

Zu Frühjahrskuren bei Rekonvaleszenten, nach Säfteverlusten bei Verdauungsschwäche (nach Friedrich):

Rp.:
Succ. rec. Millefolii . . . 250
D.s.: Täglich 2-3 Löffel voll in warmer Fleischbrühe.
O.P. Flasche mit etwa 250 g Inhalt 1.75 RM.

Bei Magenleiden (nach M.Müller):

Rp.:
Hb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Hb. Centaurii . . . aa 50 (= Tausendgüldenkraut)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.02 RM.

Bei Nieren- und Blasenschwäche:

Rp.:
Hb. Millefolii conc. . . . 50 (= Schafgarbenkraut)
D.s.: 2 Teelöffel voll zum heißen Aufguß mit 2 Glas Wasser. Tagsüber zu trinken.
(Teezubereitung: Der im Verhältnis 1 : 10 heiß hergestellte Tee gibt einen Extraktgehalt von 2,08% gegenüber 1,82% bei kalter Zubereitung. Die Glührückstände betragen 0,46% resp. 0,43%. Die Peroxydasereaktion ist nur im kalt bereiteten Tee positiv, und zwar recht kräftig. Geschmacklich ist der im Verhältnis 1 : 50 heiß bereitete Tee bitterer.
1 Teelöffel voll wiegt 1,9 g. Man verwendet zur Herstellung zweckmäßig 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas und stellt den Tee heiß her.).

Bei Enuresis nocturna (nach Meyer):

Rp.:
Hb. Millefolii conc. . . . 70 (= Schafgarbenkraut)
Flor. Arnica mont. . . . 30 (= Arnikablüten)
M.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel voll mit 1 Tasse Wasser aufgießen. Abends 6 Uhr warm trinken lassen.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.07 RM

Species menstruales (F.M.H.):

Rp.:
Rad. Taraxaci c. herba . . . 30 (= Löwenzahnwurzel mit -kraut)
Fol. Trifol. fibrini (= Fieberkleeblätter)
Fol. Millefolii . . . aa 15 (= Schafgarbenblätter)
Rhiz. Calami . . . 8 (= Kalmuswurzel)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.72 RM.

Succus Herbarum (Dresdner Vorschriften):

Rp.:
Fol. Millefolii rec. (= frische Schafgarbenblätter)
Fol. Taraxaci rec. (= frische Löwenzahnblätter)
Hb. Nasturtii aquat. rec. (= frisches Brunnenkressenkraut)
Hb. Anthrisci cerefolii rec. (= frisches Gartenkerbelkraut) aa partes aequal.
M.f. succ. herbarum.
D.s.: Morgens 1 Eßlöffel voll nehmen.

Zu Ausscheidungskuren (nach Tschirner):

Rp.:
Hb. Hyperici (= Johanniskraut)
Hb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Hb. Centaurii (= Tausendgüldenkraut)
Sem. Foenugraeci (= Bockshornkleesamen)
Cort. Frangulae . . . aa 20 (= Faulbaumrinde)
M.f. species.
D.s. 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.87 RM.

Bei Meno- und Metrorrhagien (nach Kroeber):

Rp.:
Cort. Quercus (= Eichenrinde)
Hb. Capsellae bursae past. (= Hirtentäschelkraut)
Hb. Millefolii (= Schafgarbenkraut)
Rad. Tormentillae . . . aa 25 (= Tormentillwurzel)
M.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel voll mit 1 Tasse Wasser abkochen. Tagsüber schluckweise 1-2 Tassen trinken.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 1 1/2 Teelöffel voll auf 1 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.80 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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