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Actaea spicata. Christophskraut. Ranunculaceae.

Botanical name:

Photo 009. Christophskraut. Karte 007. Actaea spicata. Name: Actaéa spicáta L. (= A. racemosa Gilib. nec. L. = A. corymbosa Stokes, = A. christophoriana Gouan, = A. nigra Gaertner, Meyer et Scherbius, Christophoriana spicata Moench, = Ch. vulgaris Rupr.). Christophskraut. Französisch: Herbe de Saint Christophe, Christopheriane, actée à épi; englisch: Bane berry, herb Christopher; italienisch: Barba die capra, erba di S. Cristoforo degli erborai; dänisch: Druemunke; litauisch: Meškauogé; norwegisch: Ormegräs, Svinebaer, Trollbaer; polnisch: Czerniec; russisch: Woroniec; tschechisch: Samorostlík klasnatý; ungarisch: Békabogyó.

Namensursprung: Actaea ist der Pflanzenname bei Plinius; spicata = ährig. Der Name Christophskraut scheint auf Beziehungen der Pflanze zum Aberglauben zu beruhen. Der hl. Christophorus, der das Kraut bei sich gehabt haben soll, als er das Christuskind über den Fluß trug, gilt nämlich beim Volk als Schutzpatron der Schatzgräber. Das Christophorusgebet soll Gewalt über die Schätze verleihen, die auf dem Boden der Gewässer liegen, und das Christophskraut dient zur Beschwörung der geldbewachenden Geister.

Volkstümliche Bezeichnungen: In der Schweiz heißt unsere Pflanze auch Hexe(n)chrut. Auf die Giftigkeit weisen die Benennungen Wolfsbeeren (Böhmerwald), Wuhlefswurzel (Siebenbürgen), Teufelsbeere (Schwäbische Alb), Hundebeere (Schlesien), Giftschwanz (Moselgebiet), Hühnertod (Franken), Judenkirsche (Nordböhmen), Wanzenchrut (Schweiz) hin; auf die Verwendung als Heilmittel Heil aller Wunden, Heilundwundbeere (Thüringen), Mutterbeeren (Eifel), Fläckachrut (gegen Hautflecken?) (St. Gallen), Kälberkraut (den Kühen nach dem "Kälbern" gereicht!) (Riesengebirge). Nach der Blütezeit um die Zeit der Sonnenwende heißt das Christophskraut in Niederösterreich Sunawend-, Johanneskraut. Schwarz-Anna-Kraut (Schwäbische Alb) bezieht sich wohl auf die schwarzen Beeren unserer Pflanze.

Botanisches: Die in fast ganz Europa, im gemäßigten und arktischen Asien verbreitete, jedoch nie in größerer Anzahl auftretende, ausdauernde Staude wird 40-65 cm hoch und riecht unangenehm. Aus dem schwarzbraunen, knotigen, schief absteigenden Wurzelstock treibt der aufrechte, kahle Stengel mit großen, langgestielten Laubblättern, die dreizählig gefiedert sind. Die Blüten mit vier bis sechs weißen Blütenhüllblättern, die an der Spitze oft violett gefärbt sind, stehen in reichblütigen, endoder blattachselständigen eiförmigen Trauben. Sie enthalten keinen Honig und sind als proterogyne Pollenblumen zu bezeichnen. Die Beerenfrucht ist zuerst grün, dann glänzend schwarz. - Actaea spicata erscheint meist als Buchenbegleiter in schattigen Gebirgswäldern, Holzschlägen, in Schluchten und an Bachufern. Blütezeit: Mai bis Juni.

Geschichtliches und Allgemeines:

Bei Plinius finden wir zuerst eine kurze Beschreibung der Pflanze Actaea, in der man allenfalls unser Christophskraut erkennen kann. Er erwähnt auch den Gebrauch der Actaea bei Frauenkrankheiten. Die Väter der Botanik des Mittelalters, die sie Actaea christophoriana (Gesner), Napellus racemosus (Dalechamp) und Aconitum racemosum (C. Bauhin) nannten, kannten sie als ein giftiges und schädliches Gewächs, vor dessen inneren Gebrauch sie ausdrücklich warnen. Nach Haller soll schon eine Beere genügen, um ein Huhn zu töten. - Der Wurzelstock, welcher demjenigen von Helleborus niger sehr ähnlich sieht, wurde als Radix Christophorianae oder Radix Aconiti racemosi äußerlich gegen Hautkrankheiten, innerlich gegen Asthma und Kropf verwandt. - Die Beeren geben, wie Linné versichert, mit Alaun gekocht eine schwarze Tinte.

Wirkung

Johnson (Johnson, History of Plants, 1633, S. 979.) rät vom Gebrauch des Christophskrautes ab, weil es giftig und schädlich sei.

Aus diesem Grunde fehlen wohl auch bei späteren Autoren Hinweise auf den therapeutischen Gebrauch, während die Giftwirkung öfter erwähnt wird.

So fand Colden (Colden, Act. Upsal. 1743, S. 132.), daß Beeren- und Wurzeltinktur Nausea und kalten Schweiß verursachten,

Le Monnier (Le Monnier, zit. b. Orfila, Allgem. Toxicologie, 1818, Bd. III, S. 228.), daß Hühner durch ein Extrakt aus Actaea spic. getötet wurden.

Linné (Linné, zit. b. Orfila, vgl. 3).) behauptete sogar, daß die Beeren beim Menschen Delirium und Exitus hervorgerufen hätten.

Plenk (Plenk, zit. b. Orfila, vgl. 3).) zählt die Wurzel zu den narkotischen Mitteln, hält sie aber für weniger gefährlich als das Opium.

Im Gegensatz hierzu konnte Orfila (Orfila, vgl. 3).) in Versuchen an Hunden nach Verabreichung von 4-6 Unzen (120-180 g) Actaea-Dekokt keine auffallenden Symptome feststellen.

Nach Berge-Riecke (Berge-Riecke, Giftpflanzenbuch, 1855, S. 193.) vermögen die Blätter auf der Haut Blasen zu ziehen.

Kobert (Kobert, Lehrb. d. Intoxikat., 1893, S. 347.) rechnet die giftige Wirkung der Beeren und Samen einem darin enthaltenen mezereumartigen Stoff zu, der die Hautrötung und Blasenbildung, innerlich aber Gastroenteritis, Dyspnoe und Delirien hervorruft.

Boas (Lit. vgl. Kapitel Keimtötende und keimvermehrende Stoffe, Bd. I.) fand, daß Actaea spicata fördernd auf Fäulnisprozesse wirkt. Nach meinen Untersuchungen ist das Extrakt auf den Schimmelpilz, Aspergillus niger, wirkungslos. Colibazillen werden nach 15 Tagen abgetötet.

Therapeutische Verwendung findet das Kraut nur in der Volksmedizin als Abkochung bei Hautleiden, Asthma und Struma (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 112.).

Auch in Rußland wurde das Christophskraut in der Volksmedizin nach W. Demitsch (W. Demitsch, in Histor. Studien des pharm. Inst. d. Univ. Dorpat, herausgegeben v. R. Kobert, Bd. I, S. 151.) geschätzt. So sollen die Beeren in Kleinrußland als Emetikum gebraucht worden sein, in Estland das Kraut und die Beeren u. a. gegen Hysterie. Im Gouvernement Perm behandelte man mit einer Abkochung der Actaea spicata innerlich Uterusblutungen, Fluor albus und andere Krankheiten, im Gouvernement Kasan wendete man die Wurzel und Beeren innerlich bei Kopf- und Bauchschmerzen an. Im Gouvernement Wjatka galt es als das gebräuchlichste Heilmittel der Volksärzte gegen fast alle Krankheiten.

Die Homöopathie läßt es auch bei Rheumatismus der Hand- und Fußgelenke und bei Carcinoma ventriculi verwenden (Heinigkes Handb. d. hom. Arzneiwirk.-L., S. 29.).

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Dänemark: Zahnschmerzen (äußerlich).

Italien: Als abführendes, schweißtreibendes und emetisches Mittel bei Skrofulose.

Litauen: Als Emetikum und Drastikum. In kleinen Gaben wird das Wurzelpulver gegen Kopfschmerzen gegeben.

Norwegen: Zahnschmerzen (äußerlich).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Rundfrage:

Actaea spicata wird von der Homöopathie angewendet bei Rheumatismus der Hand- und Fußgelenke. In kleineren Dosen wird es auch als Schmerzstillungsmittel und als Schlafmittel bei nervöser Erregbarkeit empfohlen.

Im Wechsel mit Actaea wird bei Rheuma Ledum verordnet.

Angewandter Pflanzenteil:

Berge-Riecke, Buchheim, Heinigke, Flückiger und Hanbury, Dragendorff führen alle den Wurzelstock als den gebräuchlichen Pflanzenteil an.

Nur Schulz nennt das Kraut.

Demnach werden auch das "Teep" und die homöopathische Urtinktur nach dem HAB. (§ 2), aus der im Frühling (Mai) gesammelten frischen Wurzel hergestellt.

Dosierung:

Übliche Dosis:
1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 1% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,0025 g Actaeae spicatae.)

In der Homöopathie:

dil. D 2-4, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt, doch cave größere Dosen.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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