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Allium ursinum. Bärenlauch. Liliaceae.

Botanical name:

Photo 028. Bärenlauch. Karte 020. Allium ursinum.Name: Allium ursínum L. (= A. latifolium Gilib., = A. nemorale Salisb., = Ophioscorodon ursínum Wallr.). Bärenlauch, Waldknoblauch, Zigeunerlauch. Französisch: Ail de bois; englisch: Ramsos, Broád-Leaved Garlic; italienisch: Aglio orsino; dänisch: Ramslög; tschechisch: česnek medvědi; ungarisch: Medve hagyma.

Verbreitungsgebiet: Weiteres Vorkommen: In Sibirien bis nach Kamtschatka.

Namensursprung: Über Allium siehe bei Allium sativum. Ursinus = für Bären geeignet, von ursus = Bär.

Volkstümliche Bezeichnungen: Die Bezeichnung Ramsen findet sich für Laucharten (besonders wildwachsende) in vielen europäischen Sprachen (griechisch χρ_μνον [krómyon], serbisch čremoš, russisch čremša, dänisch, schwedisch, norwegisch rams, angelsächsisch hromsan, englisch rams, ramsons): Remsen (Göttingen, Ramisch (Schlesien), Ronzna (Niederösterreich), Ramser, Rämsch (Oberbayern), Ramsele (Schwäbische Alb), Ramsen (Allgäu), Rämschelä, Ramserä, Ramsä (Schweiz). Im Gegensatz zum Knoblauch, dem unsere Art im Geruch ähnlich ist, nennt man sie wülda Knofl (Niederösterreich), wilder Knoblich (Schwäbische Alb), wilda Knoblächt (St. Gallen), Waldknofel (Oberösterreich), Waldknoblich (Schwäbische Alb), Tüfelsschnoblauch (Schweiz: Zug), Huntischnowl = Hunds- (Krain, Gottschee), außerdem Zigeunerlauch (Oberösterreich), Jud'nzwifl (Niederösterreich), Chrotte(n)chrut, nach dem Vorkommen an schattigen, feuchten Waldstellen (Schweiz: Waldstätten), Waldherre, wohl nach dem massenhaften Vorkommen an manchen Stellen (Schwäbische Alb).

Botanisches: Die in fast ganz Europa und Nordasien wachsende ausdauernde, 20 bis 50 cm hohe Pflanze besitzt eine längliche, von durchsichtigen, weißlichen Häuten umgebene Zwiebel und meist zwei grundständige Laubblätter, die flache, elliptisch-lanzettliche Form haben und sich ziemlich plötzlich in den aufrechten, dreikantigen Stiel verschmälern. Sie wenden ihre morphologische (dunkler grüne) Unterseite dem Himmel, die blassere Oberseite dem Boden zu. Die reichblütigen Scheindolden mit weißen, sechszipfligen, sternförmigen Blumenkronen tragen nie Brutzwiebelchen, und die Vermehrung geschieht nur durch die in dreifächrigen Kapselfrüchten enthaltenen schwarzen Samen, die durch Ameisen verbreitet werden. Sie keimen erst nach 14 Monaten. - Der Bärenlauch bevorzugt als Standort humusreiche, tiefgründige Stellen feuchter, schattiger Laubwälder, wo er in großen Mengen auftritt und schon von weitem durch seinen starken, knoblauchähnlichen Geruch auffällt. Blütezeit: Mai bis Juni.

Geschichtliches und Allgemeines:

Schon die alten Römer schätzten den Bärlauch als magen- und blutreinigendes Mittel. Dioskurides (zit. bei H. Bock) nennt ihn Anguinum und schreibt über seine Wirkung: "Der Waldt oder Schlange Knoblauch stinket vbeler dann der zam / mag villeicht inn der Artzney Gifft zuvertreiben krefftiger sein / dann der zam." H. Bock bildet ihn in seinem "Kreutterbuch" 1577 ab. Nach ihm soll sich die Pflanze mit dem Schlangenknoblauch, Allium colubrinum, decken. In Irland wurde der Saft der Pflanze gegen Steinleiden gebraucht.

In der neueren Zeit rühmt der Kräuterpfarrer Künzle den Bärenlauch als eine "der stärksten und gewaltigsten Medizinen" und führt folgenden Vers an:

"Sieht eini us grad wie ne Lich
und ist an alle Schmerze rich
und volle Gift und Grind und Mose
de Bärlauch macht sie zonere Rose."

Nach dem Fressen von Bärenlauchblättern liefern die Kühe eine ungenießbare Milch.

Wirkung

Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 273.) schreibt dem Bärenlauch die gleichen Eigenschaften, aber noch stärkere Wirkung als dem Garten-Knoblauch zu, während nach Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 173 C.) die Bergbauern und Hirten diese Pflanze gegen "böse giftige Nebel" und "schädliche Lüfte und Brodem" hochschätzen.

In der Folgezeit wurde die Pflanze nur von der Volksmedizin, und zwar als kräftiges Blutreinigungsmittel bei chronischen Hautausschlägen, angewandt (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 71.).

In den verschiedenen Gegenden Rußlands wurde sie besonders als Antiskorbutikum geschätzt (W. Demitsch, in Histor. Studien des pharm. Inst. d. Univ. Dorpat, herausgegeben v. R. Kobert 1889, Bd. I, S. 164.).

Künzle (Künzle, Salvia 1921, S. 62.) wandte diesen Lauch bei Exanthemen und Lichen skrofulösen Ursprungs an.

In neuerer Zeit haben sich mehrere Ärzte wieder des Bärenlauches bedient und gute Erfolge damit erzielt, wie z. B. Seitz (Seitz, Fortschr. d. Med. 1931, Nr. 15, S. 478.) bei Magen- und Darmkatarrhen und Arteriosklerose; bei Fluor albus empfiehlt er Spülungen mit diesem Mittel (in Form eines Dialysats). Der Bärenlauch übertrifft als wirksames Reinigungsmittel für Magen, Darm und Blut auch die ausländischen Allium-sativum-Arten. Getrocknet soll er unwirksam sein (Verf.).

Zaffron (Zaffron, Ars medici 1936, Nr. 5, S. 301.) berichtet, daß bei Störungen des Gastrointestinaltraktus der Tuberkulösen durch Verordnung von Allium ursinum ein wesentlicher Rückgang der objektiven und subjektiven Beschwerden beobachtet wurde. Die Durchfälle ließen nach, der Meteorismus wurde geringer, ebenso die Koliken, Nachlassen der Schmerzen und des Spannungsgefühls im Abdomen. Parallel dazu ging Hebung des Appetits und - soweit es der Lungenbefund zuließ - Hebung des Allgemeinbefindens.

Allium ursinum enthält als wichtigsten Bestandteil das Bärenlauchöl mit Vinylsulfid, Spuren von Mercaptan und ein bestimmtes Aldehyd (Semmler, Ann. Chem. 1887, Bd. 241, S. 90.). Trotz seiner nicht ganz gleichartigen Bestandteile (Knoblauchöl enthält Allyl-sulfid) stimmt das Bärenlauchöl bezüglich seiner Anwendung im wesentlichen mit dem Knoblauchöl überein. (Literatur vgl. daher bei Allium sativum).

Insbesondere ergaben von Hintzelmann (Hintzelmann, Naunyn-Schmiedebergs Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 1935, Bd. 178, H 4/5, S. 480.) angestellte Tierversuche, daß dem Bärenlauch die gleiche antisklerotische Wirkung wie dem Knoblauch zukommt. H. fand nämlich bei Mäusen, die sklerotisierende Vigantolgaben erhielten, nach Zusatz von Allium ursinum geringere Kalkablagerung und erhöhte Lebensdauer (bei 0,5 ccm Succ. Allii ursini betrug die durchschnittliche Lebensdauer der Tiere 462% gegenüber der der Kontrolltiere). Diese Versuche ergaben gleichzeitig, daß dem frischen Preßsaft die günstigste Wirkung zukommt, während pharmazeutische Zubereitungen etwas schwächer wirkten (bei 0,5 ccm 423 und 292%). Bei intravenöser Injektion zeigte der frische Preßsaft die geringste Toxizität; Hintzelmann weist in diesem Zusammenhang auf die Bürgischen (Bürgi, D. m. Wschr. 1921, Nr. 22, bes. S. 615.) Beobachtungen der gelegentlichen weniger giftigen Wirkung von Gesamtextrakten im Vergleich zu daraus hergestellten Reinstoffen hin.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Allium ursinum ähnelt in der Wirkung Allium sativum. Daher decken sich auch die Indikationen für die beiden Mittel. So verordnet man auch den Bärenlauch in erster Linie bei Arteriosklerose, Hypertonie, Madenwürmern und als Reinigungsmittel für Magen, Darm und Blut. Auch Leberleiden, Fluor albus, Furunkulose, Exantheme und Lungenverschleimung bei alten Leuten werden günstig beeinflußt.

Angewandter Pflanzenteil:

Lonicerus setzt den Bärenlauch an Wirkung dem Knoblauch gleich, nennt aber den verwendeten Pflanzenteil nicht.

Buchheim erwähnt die Zwiebel als verwendet, ebenso Clarus.

Nach Geßner enthalten alle Teile der Pflanze die wirksamen Stoffe.

Hegi berichtet, daß Zwiebel und Kraut verwendet worden wären.

Nach "Salvia" (Monatshefte für giftfreie Kräuterheilkunde) verliert der Bärenlauch - wie alle Laucharten - durch Dörren seine Kraft, man verwendet nur die Blätter.

Die beste Sammelzeit ist April bis Mai.

Das HAB. erwähnt Allium ursinum nicht. Das "Teep" wird aus der ganzen, frischen Pflanze gewonnen, die zu Beginn der Blüte gesammelt worden ist.

Dosierung:

Übliche Dosis:
1/2 Teelöffel voll der Frischpflanzenverreibung "Teep" einbis zweimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Hb. Allii ursini c. rad. eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Pflanzensubstanz.)
Zur Blutreinigungskur: Fein zerschnitten in die Suppe gestreut, 2-3 Monate lang (Künzle).

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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