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Angustura. Rutaceae.

Botanical name:

Photo 041. Angusturabaum. Karte 030. Galipea officinalis. Name: Gallipéa officinális Hancock. (= Galipea cusparia St. Hilaire in DC., = Galipea febrifuga Baill., = Cusparia febrifuga Humb., = Cusparia trifoliata Engler, = Angostura cusparia Roem. und Sch. = Bonplandia trifoliata Willd., = B. Angostura Rich.) Angustura. Französisch: Angusture de Columbie; englisch: Angostura; tschechisch: tedy Kuspara lékařská.

Namensursprung: Angustura, weil die Spanier die Pflanze aus Angostura (jetzt Ciudad Bolivar) in Venezuela eingeführt haben sollen. Galipea (nach Bentley und Trimen, Medicinal Plants) wahrscheinlich nach dem Namen der Gegend, aus der die ursprüngliche Species stammt.

Botanisches: Der Angusturabaum erreicht eine Höhe von 12 m. Die unregelmäßig ausgebreiteten Äste sind mit einer glatten, grauen Rinde bedeckt, die aromatisch-bitter ist. Die meist dreizähligen Blätter stehen auf sehr langen Stielen. Die Blättchen sind elliptisch, kurz gestielt, kahl und glänzend grün. Die weißen, nicht angenehm duftenden Blüten bilden große zusammengesetzte Rispen. Der Kelch ist behaart und glockig. Die behaarten Kronenblätter bilden unten eine kurze Röhre, während die Zipfel zurückgeschlagen sind. Die Frucht besteht aus fünf zottigen Kapseln mit je ein bis zwei kugeligen, schwarzen Samen.

Heimat: Venezuela.

Geschichtliches und Allgemeines:

Mutis soll die Angusturarinde schon im Jahre 1759 in Madrid als Heilmittel angewandt haben, jedoch war sie um diese Zeit dem übrigen Europa noch ganz unbekannt. In England lenkte zuerst Brande, der Apotheker der Königin Charlotte, die Aufmerksamkeit auf die Angusturarinde, von der einige Pakete im Jahre 1780 eingeführt worden waren. Zu derselben Zeit teilten auch die englischen Ärzte Ewer und Williams, die sich auf der Insel Trinidad aufhielten, wohin nach ihrer Angabe die Spanier die Angusturarinde aus Angostura gebracht hatten, ihre Erfahrungen über das neue Heilmittel mit. In Deutschland wurde sie erst 1790 im Hannöverschen Magazin erwähnt, noch in demselben Jahre folgte eine Dissertation von Meyer in Göttingen und 1791 eine zweite von Filter, Jena. Damals wurden Brucea antidysenterica und Magnolia glauca für die Mutterpflanze gehalten. Die Galipea officinalis wurde erst 1828 von Hancock entdeckt. Die wahre Angusturarinde, die in Pulverform, als Aufguß oder als Abkochung gegeben wurde, diente als Heilmittel gegen Dysenterie und chronische Diarrhöe und als Zusatz zu Bitterlikören. Die falsche Angusturarinde, welche nach Bernhardi aus Südamerika kommen soll, ist die Rinde von Strychnos nux vomica.

Wirkung

Von Hecker (Hecker, Pract. Arzneimittell., 1814, Bd. 1, S. 256.) wurde die Angusturarinde vorwiegend bei Wechselfieber angewandt, aber auch gegen Faul- und Nervenfieber mit Diarrhöen infolge Atonie, bei gastrischen Fiebern und Dysenterie, Phthisis pituitosa, periodischen oder durch Verdauungsstörungen entstehenden Nervenkrankheiten, asthenischen Hämorrhagien, kachektischen Krankheiten, Verdauungsschwäche mit Pyrosis, Flatulenz, Koliken usw., innerlich und äußerlich bei Ulzera und Gangrän.

Nach Hufeland (Hufeland, Journal Bd. 9, III., S. 115, 116.) übertrifft sie als Roborans und auch bei Wechselfieber die Chinarinde.

Ähnliche Indikationen wie Hecker gibt auch Clarus (Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., 1860, S. 1064.) an.

Heute gilt die Rinde hauptsächlich als bitteres Magenmittel (Kobert, Lehrb. d. Pharmakother., 1908, S. 508.).

Auch die Volksheilkunde verwendet sie gegen Magenschwäche, Diarrhöe, schleimiges Erbrechen, allgemeine Schwäche und bei Kinnbackenkrampf (Friedrich, Sammlung von Volksarzneimitteln, 1845, S. 6.).

Stauffer (Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 134.) empfiehlt sie bei rheumatischen Affektionen mit dyspeptischen Erscheinungen, insbesondere der Alkoholiker.

Als wesentlich wirksame Bestandteile enthält die Rinde den Bitterstoff Angosturin, die Alkaloide Cusparin und Galipin (Wehmer, Pflanzenstoffe, 1929, S. 617.), ferner Chinolin, Chinaldin und Amylchinolin (Schöpf u. Lehmann, Liebigs Ann. 1932, Bd. 497, S. 7.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Angustura wird als Amarum bei Verdauungsschwäche, Diarrhöe, gastrischen Fiebern und Dysenterie verordnet. Auch als Antispasmodikum findet es Verwendung, insbesondere bei Tetanus, Beinkrampf, Steifheit des Kreuzes und der übrigen Muskeln und bei Kieferbeschwerden. Weiter wird es bei rheumatischen Affektionen gebraucht. Bastian empfiehlt das Mittel gegen Weitsichtigkeit. Eine gute Indikation ist Karies (besonders der langen Knochen). Schließlich wird es noch gegen Ulzera (innerlich und äußerlich) angewandt.

Als Wechselmittel kommen u. a. Cuprum, Nux vomica und Phytolacca in Frage.

Angewandter Pflanzenteil:

Die getrocknete Rinde wird aus Südamerika eingeführt und zu den Arzneien verwendet. Hahnemann gibt eine genaue Beschreibung der Rinde und Vorschriften für die Bereitung der Tinktur. Zur Bereitung der Urtinktur nach dem HAB. wird dementsprechend die getrocknete Zweigrinde benutzt (§ 4). Das "Teep" hat den gleichen Ausgangsstoff.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,3-0,6 g des Extraktes (Hecker);
0,5-1,0 g der Rinde mehrmals täglich (Hager).
1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Cort. Angusturae.)

In der Homöopathie:

dil. D 1-3, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt, doch können große Gaben Übelkeit und Erbrechen hervorrufen (Hager).

Rezepte:

Bei Karies der Zähne zu Mundspülungen (nach Albrecht):

Rp.:
Cort. Angusturae conc. . . . 25 (= Angusturarinde)
D.s.: Zur Abkochung 5 Minuten lang mit 1/2 l Wasser, zu Mundspülungen.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.65 RM.

Bei Kinnbackenkrampf (nach Friedrich):

Rp.:
Angusturae Ø . . . 20
D.s.: Alle 5-10 Minuten 10 Tropfen.
Rezepturpreis c. v. etwa 2.14 RM.

Als stärkendes Mittel bei Magenerkrankungen (Hecker):

Rp.:
Cort. Angusturae . . . 15
digere cum Vino albo . . . 240
per tres dies. Colaturae adde Sirup.
Aurantiorum . . . 15
M.s.d.: Alle 3 Stunden 1 Weinglas voll zu trinken.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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