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Chenopodium anthelminticum. Amerikanisches Wurmkraut. Chenopodiaceae.

Botanical name:

Related entry: Chenopodium ambrosioides

Name: Chenopódium anthelmínticum L. (= Chenopodium ambrosioides var. anthelminticum Gray). Amerikanisches Wurmkraut, Wurmtreibender Gänsefuß. Französisch: Chénopode anthelmintique; englisch: Worm-seed, Jerusalem oak, Stinking weed, Worm goose-foot.

Namensursprung: Erklärung zu Chenopodium s. Chenopodium ambrosioides; anthelminticum in bezug auf die Verwendung als wurmtreibendes Mittel.

Botanisches: Chenopodium anthelminticum wird als Varietät von Chenopodium ambrosioides L. aufgefaßt und unterscheidet sich von diesem durch die dichtblütigen, blattlosen Blütenschweife, durch die mehr jährige Wurzel und den mehr baldrianähnlichen Geruch. Form und Größe der Blattzähne sind ziemlich veränderlich. Aus seinen Samen wird das Chenopodiumöl gewonnen. Kulturversuche haben bis jetzt nur in Nordamerika Erfolg gehabt.

Geschichtliches und Allgemeines:

In Amerika zählt Chenopodium zu den verbreitetsten und bekanntesten Wurmmitteln. Schon zu Columbus' Zeiten wurden Blätter und Samen von den Indianern gegen Würmer angewandt. Baumler und Fribourg führten die Droge im Jahre 1881 als Mittel gegen Hakenwürmer in Europa ein, doch waren ihre Erfolge damit nicht sehr ermutigend. Das Öl wurde ursprünglich gegen Askariden benutzt, doch wurde es infolge der toxischen Nebenwirkungen lange Zeit nicht populär. Erst als Schüffner und Vervoot (1913) es mit sehr guten Resultaten auf Sumatra gegen Hakenwürmer erprobten, erlangte es größere Bedeutung.

Wirkung

Nach Chopra und Chandler (Chopra and Chandler, Anthelmintics and their uses, S. 135, London 1928.) ist Oleum Chenopodii besonders seit dem Weltkriege ein viel gebrauchtes Wurmmittel geworden. In den Jahren 1916-1921 wurden allein in Brasilien von dem "International Health Board" über 1 Million Behandlungen durchgeführt. Nach ihnen scheint das Öl eine ausgesprochene Wirkung auf alle Arten von intestinalen Nematoden zu besitzen, dagegen fast gar keine auf die großen Bandwürmer. Besonders wirksam ist es gegen Askariden und kann hier auf gleicher Stufe mit dem Santonin genannt werden. Auch gegen Hakenwurm wird es erfolgreich gegeben. So fand Heiser (Heiser, V. G., Milit. Surg., Bd. 41, Nr. 2, S. 253, 1917.), daß es den anderen Hakenwurmmedizinen weit überlegen ist. Darling (Darling, S. T., Barber, M. A., u. Hecker, H. P., Journ. Amer. med. Assoc., Bd. 70, Teil I, S. 499, Febr. 1918.) u. a. sind der Ansicht, daß es das Thymol an Wirksamkeit gegen Ancylostoma übertrifft. Auch gegen Clonorchis, Askariden, Oxyuren und Trichinen konnten sie Erfolge erzielen. Nach Chopra (Vgl. 1.) stimmen alle maßgebenden medizinischen Autoren darin überein, daß, obwohl Oleum Chenopodii ein nützliches Anthelmintikum ist, es infolge seiner großen Giftigkeit nur unter großer Vorsicht verordnet werden darf. Bei bestehenden Nieren- und Herzleiden sollten nur sehr kleine Dosen gegeben werden. Bei vorgeschrittenen Fällen von chronischer Nephritis und Herzleiden sei es direkt kontraindiziert. Auch bei Patienten, die an Leber- und gastrointestinalen Störungen leiden, sowie bei schwachen und unterernährten Personen sei die größte Vorsicht bei der Verordnung am Platze. Da das Öl die Parasiten lähmt, aber nicht tötet, müssen diese durch ein Purgans aus dem Darm entfernt werden. Letzteres dient aber auch gleichzeitig als Schutzmittel gegen die Chenopodium-Vergiftung, da es den Übergang des Öles in den Blutkreislauf verzögert und die Entfernung aus dem Darmkanal beschleunigt.

Außer der anthelmintischen Wirkung werden dem Öl auch Heilkräfte bei Chorea, Hysterie, flatulenter Dyspepsie und chronischer Malaria zugeschrieben (Potter, Mat. med., 1898, S. 219.).

Nach Suzuki (Suzuki, Schweiz. med. Wschr. 1931, Nr. 2.) hat Ol. Chenopodii eine ausgesprochene Heilwirkung bei Erysipel. In 103 Fällen fand er die günstige Wirkung von Umschlägen folgender Wasseremulsion bestätigt: 5 Eidotter werden nach und nach mit 1 Liter Wasser vermischt; aus der Emulsion werden 5 ccm filtriert und dazu 3 ccm Oleum Chenopodii gegeben, gut durchgeschüttelt und mit der ganzen Eidotter-Suspension gut vermischt.

Preuschoff (Preuschoff, Z. exp. Path. u. Ther. 1920, Bd. 21, S. 425.) hat aus den Jahren 1906 (Einführung des Mittels in den deutschen Arzneischatz durch Brüning (Brüning, H., Ztschr. f. exp. Path., Bd. 3, S. 504, 1906; derselbe, Dtsch. med. Wschr., Nr. 50, S. 2368, 1912; derselbe, Monatsschr. f. Kinderh., Bd. 27,, S. 113, 1923; derselbe, Monatsschr. f. Kinderh., Bd. 24, S. 331, 1922; derselbe, Med. Klinik, Bd. 21, S. 115, 1925.) bis 1920 24 schwere, z. T. tödliche Vergiftungen zusammengestellt. Inzwischen haben sich die Berichte über schwere und tödliche Vergiftungen erheblich vermehrt. Als Beispiele seien die Berichte von Evers, Ucke, Maring, Biesin, Schrader, Buhtz und Hillenbrand (Evers, Dtsch. med. Wschr. 1921, S. 857; Ucke, Münchn. med. Wschr. 1932, S. 453; Maring, Münchn. med. Wschr. 1932, S. 453; Biesin, Sammlg. v. Vergiftungsfällen, 1, S. A187; Schrader, ebenda, 3, S. A79; Buhtz, ebenda, 4, A 113; Hillenbrand, ebenda, 6, S. A115.) genannt. Vor allem sei auf die neueren Sammelberichte von Esser (Esser, Sammlg. v. Vergiftungsfällen, 4, S. C 11.) und D. Michovius (D. Michovius, Diss. med. Würzburg 1935.) verwiesen, in denen u. a. die wichtigsten Fehler bei der Therapie aufgezählt werden.

Das Chenopodiumöl verursacht Störungen des Zentralnervensystems (v. Liebenstein, Med. Klin. 1924, H. 19.), Bewußtlosigkeit, Krämpfe, Lähmungserscheinungen (Braun, Münchn. med. Wschr. 1925, S. 810.), Blutdrucksenkung (Paschkis, Ztschr. d. österr. Ap.-Ver. 1880, S. 425.), ausgesprochene Blutungsbereitschaft mit Pachymeningitis haemorrhagica, Blutungen und Entzündungen am Darm, hämorrhagisch-geschwollene Gekröselymphknoten, so daß dadurch schwere Anämie entstand (Vgl. 6).). Besonders beachtenswert ist die Schädigung des Nervus cochlearis durch Chenopodiumöl, wodurch in einigen Fällen Ohrensausen und Schwerhörigkeit verursacht wurde. Das Öl ist das einzige bisher bekannte Gift, das nur den Nervus cochlearis schädigt, auf den Nervus vestibularis dagegen nicht einwirkt (Leschke, Die wichtigsten Vergiftungen, 1933, S. 247.). Ein Beispiel für die elektive Wirkung von Arzneimitteln!

Bergmann (Bergmann, Münchn. med. Wschr. 1933, S. 734.) beobachtete einen Fall von Chenopodiumvergiftung, in dem das Ohrensausen noch nach einem Jahre anhielt. In einem von v. Liebenstein (Vgl. 10.) mitgeteilten Fall blieben die Gehörstörungen noch 1 1/2 Jahr bestehen. Leber, Niere und Milz reagieren mit Verfettung. Außerdem beobachtete man Schwund der Muskelzellen und elastischen Fasern (Esser, Klin. Wschr. 1926, S. 511.). Bei chronischer Vergiftung traten Stauungserscheinungen auf: ödem, Hyperämie, Lungenemphysem (Lüdtke, Med. Klin. 1933, I, S. 611.). Interessant ist auch folgende von Kröber (F. Kröber, Dtsch. med. Wschr. 1936, Nr. 43, S. 1759.) aus dem Missionshospital Kamachumu, Tanganyika Territory, berichtete schwere Chenopodiumvergiftung, die geheilt werden konnte. Ein Neger hatte 10-12 ccm Chenopodiumöl eingenommen und wurde etwa 3-4 Stunden später in das Hospital eingeliefert. Er machte den Eindruck eines stark Betrunkenen und machte häufig Brechbewegungen. Am nächsten Tage zeigten sich vermehrte Gleichgewichtsstörung, ataktische Bewegungen, leichter Spasmus der Arm- und Beinmuskeln, keine volle Lähmung, erhöhte Temperatur. In den folgenden Tagen verstärkten sich die Gesichts- und Gehörstörungen, die Pupillen waren maximal erweitert, der Puls verlangsamt, die Sehnenreflexe erhöht, Anzeichen von Lungenödem. Am vierten Tage nach der Einlieferung lag der Patient in tiefster Bewußtlosigkeit und wie völlig gelähmt. Stuhl und Harn gingen ständig ab. Hochgestellter Urin, Lungenödem in voll ausgeprägtem Bild. Vom zehnten Tage an trat langsame Besserung ein. Nach 6 Monaten war der Patient wieder arbeitsfähig, doch wiesen der linke Arm und das linke Bein spastische Parese auf, der Gang war der eines Apoplektikers und im Vergleich zu früher war die Geistestätigkeit wesentlich langsamer geworden.

In einer Konzentration von 1 : 2000 lähmt das Chenopodiumöl Taenien, deren Tod bald eintritt (De Nito, Rass. Ter. e Pat. clin. 1933, Bd. 5, S. 111.). Trotzdem ist es bei der Anwendung gegen Taenien unwirksam.

Die stark erregende Wirkung des Chenopodiumöls auf den Darm beruht wohl größtenteils auf seinem Gehalt an Askaridol (Albert, Inaug.-Diss. Berlin 1934, S. 22.). Das Askaridol (über die quantitave Bestimmung von Askaridol vgl. (Knaffl-Lenz, E., u. Hofmann, A., Arch. d. Pharm. u. Ber. d. dtsch. pharm. Ges. 1929, S. 117-128.)) ist auch der Träger der anthelmintischen Wirkung. Es wird sehr langsam ausgeschieden, so daß bei Anwendung in kurzen Abständen Kumulation eintritt. Wiederholung der Kur frühestens nach 14 Tagen! Anscheinend wird die Wirkung des Askaridols durch die Begleitstoffe im Oleum Chenopodii anthelmintici unterstützt. Dahingehende Beobachtungen von Brüning (Vgl. 7.) wurden in einem Falle von Lüdtke (Vgl. 18.) bestätigt. Außerdem enthält es u. a. Paracymol, Terpinen und Methylsalicylat, das Kraut auch Saponin (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 283.).

Anwendung in der Praxis:

Statt des Öles, das, wie geschildert, zahlreiche Vergiftungen (mit einer Mortalität von 70%) hervorgerufen hat, verordnet man bei Askariden, Hakenwürmern, Oxyuren und Ankylostoma besser die Samen.

W. Straub (Straub, W., Klin. Wschr. 1924, S. 1993.) empfiehlt in Anlehnung an amerikanische Ärzte folgendes Vorgehen bei Verwendung des Chenopodiumöls. Am Vorabend der Kur Magnesiumsulfat zur Darmentleerung. Am nächsten Morgen nimmt der Erwachsene 24 Tropfen in frisch gefüllten Gelatinekapseln nüchtern. Nach zwei Stunden Magnesiumsulfat zur Entfernung des Öles aus dem Darm. Kinder erhalten 1-2 Tropfen weniger, als sie Jahre zählen.

Die homöopathischen Indikationen für Chenopodium anthelminticum sind: Menièresche Krankheit, Asthma, Apoplexie, Epilepsie, Hemikranie, Tinnitus und Tonsillitis.

Angewandter Pflanzenteil:

Das HAB. läßt die homöopathische Urtinktur aus dem frischen, blühenden Kraut bereiten (§ 3). Das "Teep" wird aus den reifen Samen (der Gehalt an Ascaridol ist in den Samen größer als in den Blättern) gewonnen. Oleum Chenopodii anthelmintici ist offizinell in Deutschland, England, in der Schweiz und anderen Staaten.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,3-0,6 g Oleum Chenopodii anthelmintici (Potter);
Im allgemeinen 16-24 Tropfen Ol. Chenopodii anthelmintici für den Erwachsenen; für Kinder vgl. Anwendung und Rezepte;
1-4 g gepulverte Samen (Brit. Pharm. Codex).
Der frische Samen enthält 0,6-1%, der trockene bis 2,3% Öl.
2-4 Kapseln der Frischpflanzenverreibung "Teep" in 1/2stündigem Abstand.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Kapsel enthält etwa 0,4 g Sem. Chenopodii anthelmintici = etwa 0,004 g Ol. Chenopodii.)

In der Homöopathie:

dil. D 2-3.

Maximaldosis:

0,5 g pro dosi, 1 g pro die Oleum Chenopodii anthelmintici (DAB. VI).

Rezeptpflichtig:

Oleum Chenopodii anthelmintici.

Rezepte:

Bei Askariden und Oxyuren (nach Klemperer-Rost):

Rp.:
Ol. Chenop. anthelm. gtts. V (bis XVI).
D. in caps. gelat.
DosII 1 Stunde nach Einnahme Rizinusöl oder Magnesiumsulfat als Abführmittel.

Als Anthelmintikum (nach Meyer):

Rp.:
Olei Chenopod. anth. gutt. VIII.
Mucil. gumm. arabici. q. s. f.
emuls. c. aqua dest. ad . . . 30
Sirupi Rubi idaei . . . 20
D.s.: Morgens auf einmal nehmen, nach 1 Std. 1 Eßlöffel Rizinus.
(Das Beispiel ist für ein achtjähriges Kind berechnet. Man gibt pro Lebensjahr des Kindes 1 Tropfen Oleum Chenopodii anth.
Rezepturpreis etwa 1.58 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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