Jump to Navigation

We've moved! The new address is http://www.henriettes-herb.com - update your links and bookmarks!

Fraxinus excelsior. Esche, Wundholz. Oleaceae.

Botanical name:

Name: Fráxinus excélsior L. Esche, Steinesche, Asch. Französisch: Fraisne, fresne, fraine; englisch: Ash; italienisch: Frassino; im Tessin: Frasan; dänisch: Ask; litauisch: Uosis; norwegisch: Ask; polnisch: Jesion; russisch: Jasień; schwedisch: Ask; tschechisch: Jasan ztepilý; ungarisch: Magas köris.

Namensursprung: Erklärung zu Fraxinus und Esche s. Fraxinus americana. Excelsior = hervorragend, hoch, nimmt auf den hohen Wuchs des Baumes Bezug.

Volkstümliche Bezeichnungen: Das Wort Esche (althochdeutsch asc) ist gemeingermanisch. Mundartliche Formen sind Eske(n)boom (niederdeutsch), Asch (Schwaben), Ische (Lothringen), Zusammensetzungen taag (zähe) Esch (Mecklenburg), Krüzesch (Schleswig), Langeschel (Böhmerwald), Schäubeschä (von schäube = beschneiteln) (St. Gallen). Manchmal finden auch Vermengungen mit dem Namen der Espe statt. Aschp'n (Niederösterreich), Aspalter, Agspelter (Kärnten). Wundbaum (Schwäbische Alb) heißt die Esche deswegen, weil man das Holz als "Sympathiemittel" zur Heilung von Wunden benutzte. In der Mark heißt der Baum Tågesch (zähe Esche) in Gegensatz zu Fulesch (Zitterpappel).

Botanisches: Die Esche ist ein Baum, der bis zu 30 m Höhe erreicht mit kugeliger bis kugeleiförmiger Krone. Die Borke ist längs- und feiner querrissig. Die einjährigen Zweige sind im Querschnitt rundlich bis oval und glänzend grau oder grünlich. Die im Alter sehr zahlreichen Kurztriebe sind knotig verdickt. Knospen kurz pyramidenförmig, schwarz und dicht filzig, außen von zwei breiten Schuppen umhüllt. Die kreuzweise gegenständigen Laubblätter sind neun- bis zehnzählig gefiedert, die Blättchen fast sitzend, eilanzettlich, am Grunde keilförmig, lang zugespitzt, klein und scharf gesägt, beiderseits kahl, aber unterseits am Mittelnerv flaumig, das Endblättchen gestielt. Die Blüten stehen in kleinen, gedrungenen, aus den Seitenknospen der jüngeren Zweige hervorbrechenden Rispen, die zuletzt überhängen. Die Blüten sind meist zwittrig, der Kelch fehlt, die eiförmigen Staubbeutel sind anfangs purpurrot. Die Früchte hängen an dünnen Stielen in dichten Rispen, sind länglich, 4-6 mm breit und 19-35 mm lang, glänzend braun und schwach gedreht. Blütezeit: April bis Mai, jedoch blüht derselbe Baum nicht alljährlich. Der Baum ist in den niederen Lagen, namentlich in Süd-, West- und Mitteldeutschland, häufig, nimmt gegen Nordosten an Menge ab. Er tritt selten in größeren Beständen auf, findet sich in Laubmischwäldern, in Tälern an Bach- und Flußufern. Die Blüten, die vor den Blättern erscheinen, sind windblütig. Bei der Esche kommen neben Zwitterblüten noch mehrere andere Arten der Geschlechtsverteilung vor, so daß sich in bezug auf diese in Mitteldeutschland mindestens zehn verschiedene Formen ergeben. Nicht selten tritt an demselben Baume oder an einzelnen seiner Äste in verschiedenen Jahren ein Geschlechtswechsel auf, so daß die Ausbildung des Geschlechts von äußeren Einflüssen mehr oder weniger beeinflußbar erscheint.

Geschichtliches und Allgemeines:

Verschiedene Eschenarten spielten schon in der Arzneikunde des griechischen und römischen Altertums eine bedeutende Rolle. Hippokrates und Theophrast empfahlen das Eschenlaub als Purgans und Diuretikum und wendeten es bei Gicht, Rheumatismus usw. an, ebenso wurden die Samen als Diuretikum gerühmt. Der Saft der frischen Blätter diente als Mittel gegen den Schlangenbiß, und mit dem Eschenholze wurde bei Frauenkrankheiten geräuchert.

Auch die mittelalterlichen Kräuterbücher erwähnen die Esche häufig. K. von Megenberg (14. Jahrhundert) rühmt u. a. die Asche der Rinde oder Blätter als Umschlag zur Verheilung von Wunden und Knochenbrüchen. H. Bock empfiehlt ein Destillat der Rinde gegen Steinleiden und Gelbsucht, die obersten Schößlinge gegen Schlangengift usw. Die Samen wurden als Heilmittel gegen Leber-, Nieren- und Blasensteinleiden, gegen Herzzittern, als Aphrodisiakum und Diuretikum benützt. Offizinell waren die Blätter als Folia-Herba Fraxini vel Linguae avis (Vogelzunge) und die Rinde als Cortex Fraxini vel C. Linguae avis. In der heutigen Volksmedizin finden Eschenholz, -rinde und -laub noch vielfach Verwendung. So sollen aus Eschenholz geschnitzte Becher gegen Milzleiden helfen. Das in der Johannisnacht geschnittene Holz dient als Heilmittel gegen blutende Wunden. Bei den Niederdeutschen muß der Bruchkranke in einer Nacht durch eine gespaltene Esche gezogen werden. Krebsgeschwüre glaubte man zu heilen, indem man die Schnittfläche eines Eschenzweiges auf das Geschwür legte, und zur Vertreibung der Gicht sollten neun am Karfreitag geschnittene Zweigstücke, in Leinwand eingefüllt, helfen.

In der nordischen Mythologie hat die Esche als alles umfassender Weltbaum Yggdrasil immer in hohem Ansehen gestanden. Eine altgermanische Sage erzählt, daß der Mann (Sohn des Eschenbaumes) aus der Esche, die Frau aus der Erle entstanden seien. Die Druiden sollen besonders die Bergesche sehr verehrt haben, und sie wird häufig in der Nähe der von ihnen erbauten Denkmäler und Tempel gefunden. Die Verwendung des Laubes als Futtermittel ist sehr alt (schon die Ziege Heidrun soll auf der Weltesche geweidet haben), ebenso die des Holzes zur Anfertigung von Kriegswaffen.

Wirkung

Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 113.) rühmt der Wurzel und der Rinde wundheilende, den Blättern giftwidrige Kraft nach; die Rinde lasse "das böse Phlegma im Menschen" verzehren und die Milz erweichen, auf den Magen gelegt aber das Erbrechen stillen. Die Samen hält er für heilsam bei Leberleiden, Nierenschmerzen und Hydrops.

Bei Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 36.) dient die Rinde als Heilmittel gegen Stein und Ikterus, der Same gegen Seitenweh, Herzzittern, als Diuretikum und Aphrodisiakum; äußerlich angewandt soll die Rinde hautreinigend wirken und blutige Dysenterie stillen.

Als "europäische China" wird Fraxinus excelsior von Helwig (Helwig, Diss. de Fraxino, Quinquina Europaea, Gryph. 1712.) bezeichnet, der ihre Kraft als Febrifugum rühmt.

Die mannahaltigen Blätter der Abart Fraxinus ornus und rotundifol. finden als Purgans an Stelle von Senna Anwendung (Tablet, Villemet u. Costes, 1711, zit b. Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., S. 472.), auch als Vermifugum (Bergèmes, zit. b. Clarus, vgl. 4).), Adstringens und Antiskrofulosum (Willich, Peletin u. Gilibert, zit. b. Clarus, vgl. 4).).

Nach v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 676.) wurde das Eschenholz von vielen Praktikern, die auch seine Aufnahme in die blutreinigenden Holzgetränke befürworteten, als Guajacum Germanorum bezeichnet.

Rademacher (Rademacher, Erfahrungsheill., Bd. 1, S. 845, Bd. 2, S. 174.) schätzte die Eschenblätter als "gutes direktes Muskelheilmittel", das "alle sogenannten Antirheumatika hinsichtlich der wirklichen Heilwirkung übertraf", jedoch unwirksam blieb bei konsensuellen Muskelschmerzen, die von Urleiden der Niere, Leber, Haut, des Gehirns usw. abhingen.

Besonders erfolgreich zeigte sich die Verordnung von Foliae fraxini bei Muskel- und Schädelhautrheumatismus (Pouget, Peyraud, Marbotin et Otterbourg, L'Union 1862, S. 144.).

Mouchon (Mouchon, Gaz. méd. de Lyon, 1853, Juli.) empfahl außer den Blättern auch Früchte und Rinde von Fraxin. excels. gegen Arthritis urica und Rheumatismus.

In der chinesischen Heilkunde gilt die aus den Rinden einiger Fraxinusarten bestehende Droge Ch'in-pi als Augenmittel (Tsutomu Ishidoya, Chinesische Drogen, Teil II, S. 114.).

Hufeland (Hufeland, Journal Bd. 75, III., S. 38.) veröffentlicht den Hinweis eines schwäbischen Arztes, Eckmann, auf die Heilkraft der Blätter und Rinde bei alten Wunden (aufgelegt); alte Beingeschwüre badete er in Decoct. Fraxini excels. "mit vorzüglichem Nutzen". Blätter und Rinde finden noch in der heutigen Volksmedizin Anwendung gegen chronischen Muskelrheumatismus, Gicht und Podagra (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 138, Künzle, Salvia 1921, S. 68.).

In der französischen Schweiz sollen die Blätter als Diuretikum, mildes Purgans und Antirheumatikum Verwendung finden (A. Tschirch, Handb. d. Pharmakognosie, Liefg. 19, S. 153. Leipzig 1936.).

Die Rinde enthält u. a. das Glykosid Fraxin, die Blätter u. a. Inosit, Mannit, Quercitrin, Gerbsäure und ätherisches Öl (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 949.). Auch weisen die Eschenblätter einen sehr hohen Gehalt an Kalziummalat (16%) auf (Garot, Journ. Pharm. Chim. (3), 24, 308, 1853.). Das Glykosid Fraxin konnte in den Blättern nicht nachgewiesen werden (Gintl u. Reintzer, Monatsh. Chem., 3, 745, 1882.).

Verwendung in der Volksmedizin außerhalb des Deutschen Reiches (nach persönlichen Mitteilungen):

Litauen: Die gepulverte Rinde oder das Infus an Stelle von Chinin gegen Fieber.

Italien: Gegen Hydrops.

Polen: Die Rinde bei Darmkatarrhen und gichtischen Krankheiten.

Ungarn: Gegen Gelbsucht, Nierensteine, Leberleiden und Vergiftungen.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Fraxinus excelsior wird als Antirheumatikum verordnet, ferner bei Arthritis urica, Hepatopathien, Ikterus, Lithiasis, Nephralgien und Hydrops. Zu berücksichtigen ist das Mittel auch bei Gebärmutterleiden, bei fieberhaften Krankheiten, Maden- und Spulwürmern, ebenso bei Vergiftungserscheinungen und als Purgans bei Obstipation. Äußerlich werden die Auflagen der Blätter bei Wunden und Ulcus cruris geschätzt.

Angewandter Pflanzenteil:

Lonicerus kannte die Verwendung der Rinde, der Wurzel, des Laubes und der Samen.

Auch Matthiolus erwähnt Rinde, Laub und Samen.

Geiger nennt Rinde, Blätter und Samen, am häufigsten wurde der Same gebraucht.

Leclerc zieht die Samen den Blättern vor, da der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen in den ersteren größer sei.

Schulz berichtet von der Verwendung der Rinde und Blätter in der Volksheilkunde.

Nach Thoms werden in der Volksmedizin die Blätter gebraucht, die Rinde sei als Heilmittel ganz obsolet.

Zörnig führt die Blätter und die im Frühjahr gesammelte Rinde der jüngeren Zweige als Heilmittel an.

Im Hinblick auf die frühere Gebräuchlichkeit empfehle ich zur Herstellung der Arzneimittel die frischen Blätter und die frische Rinde zu verwenden, obgleich das Glykosid Fraxin nur in der Rinde vorkommt. Demgemäß wird auch das "Teep" hergestellt. Das HAB. nennt die frische Rinde als Ausgangsstoff (§ 3).

Folia Fraxini sind in der Schweiz offizinell.

Dosierung:

Übliche Dosis:
3-4 Teelöffel voll (= 3,6-4,8 g) zum heißen Infus täglich.
1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Als Fiebermittel:

Rp.:
Fol. Fraxini excels. conc. . . . 100 (= Eschenblätter)
D.s.: 3 Teelöffel zum heißen Auszug mit 2 Glas Wasser tagsüber trinken.
(Teezubereitung: Der Extraktgehalt des im Verhältnis 1 : 10 heiß bereiteten Tees beträgt 3,39 gegenüber 2,69% bei kalter Zubereitung. Die entsprechenden Aschengehalte der Extrakte betragen 0,49 und 0,34%. Die Peroxydase ist in beiden Zubereitungen nicht nachweisbar. Der heiß bereitete Tee schmeckt kräftiger, ist auch in der Farbe heller als der kalt bereitete Tee. Ein im Verhältnis 1 : 50 angesetzter Tee ist noch trinkbar.
1 Teelöffel voll wiegt 1,2 g. Der Tee wird zweckmäßig heiß unter Verwendung von 1-2 Teelöffeln voll auf 1 Teeglas verwendet.).
Rezepturpreis ad chart. et c. sign. etwa -.51 RM.

Als Purgans (nach Meyer):

Rp.:
Fol. Fraxini excel. . . . 50 (= Eschenblätter)
Hb. Veronicae offic. (= Ehrenpreiskraut)
Hb. Eupatorii cannab. . . . aa 25 (= Wasserdostkraut)
C.m.f. species.
D.s.: 1 Eßlöffel mit 1 Tasse aufgießen. Früh und abends 1 Tasse warm trinken.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.78 RM.

Als Antirheumatikum und Antiarthritikum (nach Kroeber):

Rp.:
Hb. Genistae (= Ginsterkraut)
Flor. Primulae . . . aa 20 (= Primelblüten)
Fol. Urticae ur. (= Blätter der Kleinen Brennessel)
Fol. Fraxini excel. . . . aa 30 (= Eschenblätter)
M.f. species.
D.s.: Zum Frühstück 1-2 Tassen als warmes Dekokt.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 4 Teelöffel auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa 1.69 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



Main menu 2