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Hieracium pilosella. Langhaariges Habichtskraut. Compositae

Botanical name:

Name: Hierácium pilosélla L. Langhaariges Habichtskraut, Kleines Habichtskraut, Dukatenröschen, Mausohr, Mausöhrlein. Französisch: Oreille de souris, Véluette, piloselle; englisch: Mouse-ear-hawkweed, mouse-ear; italienisch: Pelosella, pelosetta.

Verbreitungsgebiet: Weiterhin bis Nordwestsibirien.

Namensursprung: Hieracium von __ραξ (hiérax) = Habicht, Falke. Nach der Sage sollen sich die Habichte mit dem Milchsafte die Augen schärfen, pilosus = behaart, pilosella ist die Verkleinerungsform.

Volkstümliche Bezeichnungen: In mundartlicher Abwandlung durch das ganze Gebiet: Mausohr nach den behaarten Blättern, ferner: Hasenohren (Oberharz), Nodernkraut (Böhmerwald) wegen der Ausläufer, Kaiserblume (östliches Erzgebirge), Augenwurz (als Sympathiemittel bei Augenkrankheiten) (Niederbayern), Milchblüemli (Schweiz) usw.

Botanisches: Die zahlreichen länglich oder verkehrt-eiförmigen bis lanzettlichen Blätter bilden eine grundständige Rosette. Sie sind grün oder blaßgrün, borstig behaart, unterseits grau- oder weißfilzig. Der Stengel ist gewöhnlich blattlos oder hat nur wenig Blätter. Er trägt meist nur ein Blütenköpfchen. Die Hüllblätter sind spitz, filzig und langhaarig, oft drüsenhaarig. Die Kronen aller Blüten sind zungenförmig, gelb, die der randständigen unterseits meist rötlich gestreift. Die zylindrischen Früchte tragen einen Pappus aus einfachen, steifen, zerbrechlichen Haaren. Der Schaft wird 5-30 cm hoch. Die Pflanze bildet kriechende Ausläufer. Sie blüht vom Mai bis in den Oktober. - Hieracium pilosella ist heimisch in Europa, erreicht in Nordwestsibirien seine Ostgrenze und geht bis nach Skandinavien. Auf trockenen Hügeln, Triften, Rainen und Wegrändern, aber auch auf Waldlichtungen, besonders auf Sandboden ist es anzutreffen. Hieracium pilosella ist ein ausgesprochener Trockenheits- und Magerkeitsanzeiger.

Geschichtliches und Allgemeines:

Über die Benutzung der Pflanze zu Heilzwecken im Altertum liegen keine Angaben vor. Dagegen kannte man sie im Mittelalter als Heilpflanze, und bereits die heilige Hildegard von Bingen erwähnt die Pflanze. Von den Ärzten des 16. Jahrhunderts wurde dann Hieracium pilosella gegen Quartanfieber benutzt und namentlich der ausgepreßte Saft gegeben.

Auch die volkstümliche Anwendung gegen den Schwarzen Star scheint sehr alt zu sein. Zu diesem Zwecke wird in der Mallersdorfer Gegend in Niederbayern die Pflanze mit noch andern in einem Säckchen dem Kranken umgehängt. Gegen Muskelatrophie bindet man im Allgäu das Kraut in einem Säckchen auf das kranke Glied, wobei darauf geachtet werden muß, daß eine ungerade Anzahl von Blättern vorhanden ist.

Wirkung

Matthiolus (Matthiolus, Kräuterbuch, S. 331.) und Bock (Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 102.) wandten die Pflanze gegen Leberverstopfung, Gelbsucht und Wassersucht an. Ersterer nennt sie außerdem als Adstringens bei Roter Ruhr, Diarrhöe, Menstruatio nimia, Wunden und Brüchen, äußerlich gegen die "tuncklen Augen", Mastdarmvorfall, Ulcus cruris und Zahngeschwüre.

Weinmann (Weinmann, Phytanthoza iconographia, Regensburg 1737, Bd. III, S. 123.) weiß nicht viel von den Habichtskräutern zu berichten, außer daß "die Milch aus den Hieraciis fast alle Augen Kranckheiten heilet, wenn sie mit Frauen-Milch vermischet wird".

In der heutigen Volksheilkunde zählt sie zu den seltener verwendeten Mitteln bei Diarrhöen, Lungenkrankheiten (Thoms, Handbuch der prakt. und wissenschaftl. Pharmazie, V. S. 1700.), Bronchialkatarrh und zu starker Menstruation (Schulz, Vorlesungen über Wirkung und Anwendung der deutschen Arzneipfl., S. 259.).

Sehr viel Gutes weiß der Kräuterpfarrer Künzle (Künzle in Salvia, 1923/45, 1927/32, 1928/20, 1930/50, 1931/68.) von dem Habichtskraut zu berichten. Das sehr kalkhaltige Pflänzchen stärke asthenische Patienten und sei mit Erfolg bei Epilepsie, Blutspeien, Darmbluten, im Puerperium, bei Ohrensausen nach starkem Blutverlust usw. angewendet worden. Das Pulver der getrockneten Pflanze als Niespulver helfe gegen Stockschnupfen, das zerquetschte Kraut als Auflage bei stark blutenden Wunden, und als Gurgelwasser der Tee bei Entzündungen der Mandeln und des Kehlkopfes.

Außer den schon erwähnten Indikationen führt Kroeber (Kroeber, Neuzeitliches Kräuterbuch, II, S. 63.) noch Nierenund Blasensteine, Wechselfieber, Würmer, unfreiwilligen Samenverlust und innerliche Geschwüre an.

Sehr warm setzt sich Leclerc (Leclerc, Précis de Phytothérapie, S. 64.) für das Mittel ein, der ihm eine ausgezeichnete diuretische Wirkung zuschreibt, die sich ihm besonders bei Grippefällen (die Diurese steigerte sich um das Dreifache) bewährte. Der von ihm zit. Ch. Schultz wandte es auch bei kardialem Hydrops mit gutem Erfolge an.

Untersuchungen der Droge durch Kroeber ergaben als Inhaltsstoffe: Eisengrünende Gerbstoffe, Bitterstoff, Zucker, Eiweiß, Harz und Schleim ((Vgl. 6), S. 65.). In den Blütenkronen von Hieracium pilosella hat man Flavone noch unbekannter Art gefunden (Klein, Handbuch der Pflanzenanalyse).

Anwendung:

Das Mittel ist heute nur wenig gebräuchlich, Angaben aus der gegenwärtigen Praxis fehlen.

Angewandter Pflanzenteil:

Matthiolus rät: "Mäuseohr Wurzel und Kraut grabe im Mai, dörre sie." Auch Geiger nennt Wurzel und Kraut und sagt, daß man die Pflanze in Substanz, in Pulverform oder im Aufguß gäbe.

Wurzel, Blätter und Blüten geben auch Dragendorff und Dinand an, während F. Müller und Schulz nur Blüten und Kraut nennen.

Kroeber gibt als Sammelgut die frische, blühende Pflanze an. Leclerc betont ausdrücklich, daß das Trocknen die Pflanze fast unwirksam mache.

Das HAB. läßt die frische Pflanze ohne Wurzel zur Herstellung der Urtinktur verwenden (§ 1). Zur Bereitung des "Teep" wird die frische, ganze blühende Pflanze mit Wurzel benutzt.

Sammelzeit: Mai bis Juli.


Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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