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Bovista. Riesenbovist. Lycoperdaceae.

Botanical name:

Photo 084. Riesenbovist. Karte 061. Lycoperdon bovista. Name: Lycopérdon bovísta L. (= L. giganteum Bartsch., = L. maximum Schff., = Bovista gigantea Nees., = Globaria bovista Quelet, = Gl. gigantea Quel., = Lagermannia gigantea Rostk.). Riesenbovist. Französisch: Vesse de loup; englisch: Warted puff-ball; dänisch: Bovist; tschechisch: Pýchavka obrovská; ungarisch: Pöfeteg gomba.

Namensursprung: Bovista ist der latinisierte Bofist oder Bubenfist (= Ochsenfurz), der in den alten Kräuterbüchern für den Pilz gebräuchliche Name.

Botanisches: Der Riesenbovist erreicht einen Durchmesser von 20-40 cm, ja sogar bis 1/2 m und wird bis 9 kg schwer. Der meist kugelige Fruchtkörper ist stiellos. Die anfangs weißliche, fast glatte oder feinfilzige äußere Hülle wird später graugelb oder ockerfarbig, furchig und gefeldert und löst sich von oben her stückweise ab. Die nun sichtbar werdende dünne und gelbliche Hülle platzt bei der Reife am Scheitel auf, verfärbt sich grau und zerfällt unregelmäßig. Es bleibt dann der untere becherartige Teil stehen. Das innere Fasergeflecht, das zuerst weiß und fest ist, lockert sich später, wird feucht und breiartig und schließlich mit den reifen Sporen olivbraun und trocken. Die Auflockerung der Sporenmasse geschieht durch braune, dickwandige, für die Boviste eigentümliche Capillitiumfasern. Das innere Mark riecht unangenehm, die Hülle aber widerlich. Bei der Reife riecht der Pilz nach Mäusen oder Harn. (Nach Bamberger und Landsiedl wurde im Trockengewicht des Pilzes 3% Harnstoff nachgewiesen.) Vor der Zubereitung schält man die Oberhaut ab. Vom Mai bis zum Oktober findet man den Riesenbovist, allerdings nicht häufig, auf Wiesen, Brachäckern, in Gärten und Gebüschen. Er entwickelt sich in 1-3 Tagen.

Geschichtliches und Allgemeines:

Schon im 16. Jahrhundert war die Anwendung des "Bubenfist" als blutstillendes und wundheilendes Mittel bekannt. Der Pilz wurde unter den Namen Bovist, Bovista s. crepitus Lupi, s. Fungus chirurgorum in den Offizinen geführt. Solange der Pilz im Innern weiß ist, ist er genießbar, aber wegen des Geschmackes und Geruchs nicht jedermann zusagend und bekömmlich. Die Sporen von Bovista plumbea Pers. dienen in Perm als Volksheilmittel.

Wirkung

Schon bei Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 387 C.) findet sich der "Bubenfist" als blutstillendes, wundheilendes Mittel (äußerlich gebraucht).

v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 230.) gibt die gleiche Indikation an.

Buchheim (Buchheim, Lehrb. d. Arzneimittell., 1853, S. 555.) erwähnt - außer der blutstillenden Wirkung -, daß man den Rauch des Bovistes als Anästhetikum empfohlen habe, doch fehlten noch genauere Untersuchungen über dessen Brauchbarkeit.

In der Volksmedizin findet der Boviststaub Verwendung gegen Harnbeschwerden, Fluor albus mit wundmachendem Sekret, Asthmaanfälle und Herzklopfen (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 29.).

In der Homöopathie (Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 246; ders., Hom. Taschenbuch, S. 200; Schmidt, Lehrb. d. hom. Arzneimittell., S. 66.) wird er hauptsächlich gegen Metrorrhagie, Epistaxis und Exantheme gebraucht.

Die von älteren Schriftstellern aufgestellte Behauptung, daß die Bovistsporen giftig seien und - in Augen oder Nase gebracht - diese und das Gehirn entzündeten, die Nase zu heftigem Niesen und Bluten reizte und auch innerlich genommen giftig seien, wird von

Brandt (Brandt, Phoebes, Ratzeburg, Giftgewächse, 1838, 2. Abt., S. 95.) als irrig bezeichnet, da die volkstümliche Anwendung bei Durchfällen des Rindviehs eher für eine reizmildernde als für eine reizende Wirkung spräche.

Dagegen ergaben neuere Versuche von

Steidle (Steidle, Naunyn-Schmiedebergs Arch. 1931, Bd. 159, S. 520.), daß Bovista Gefäß- und Kapillargifte enthält, die eine Gefäßerweiterung bedingen. Verschiedene Bovistarten riefen nach subkutaner Injektion Atemnot und Lähmungen, Blutungen in Haut und Muskulatur, an der Zunge, an der Magen- und Darmschleimhaut hervor, der Magen- und Darminhalt war mit Blut vermengt, die Leber erweicht, sie wies Blutungen auf, ebenso wurden die Nieren sehr blutreich gefunden. Die Sporen des birnenförmigen Bovists erzeugen bei Tieren Konjunktivalreizung.

Bei täglicher Verfütterung von Bovista in Mengen von 0,2-0,5 g auf Brot während der Dauer von drei Monaten zeigte sich eine eindeutige Zunahme der Dicke des Uterus der behandelten Ratten. Einen Einfluß auf das Längenwachstum des Uterus oder auf den Genitalzyklus konnte ich nicht feststellen. Bei Versuchen an 26 Fröschen konnte ich durch Injektionen des Extrakts in den Lymphsack keine Veränderung der äußeren Brunstmale (Pigmentierung und Größe der Daumenschwiele) und keine Steigerung der Paarungsneigung beobachten.

Untersuchungen über Inhaltsstoffe sind nicht bekannt.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Bovista ist ein ausgezeichnetes Hämostyptikum bei atonischen Blutungen, das insbesondere bei hartnäckigen Metrorrhagien (auch des Klimakteriums), anhaltenden intermenstruellen Blutungen, 10-14tägigen Menses von Mädchen im Entwicklungsalter, Epistaxis sowie diphtherischen Blutungen verordnet wird. Laber lobt besonders Bovista in Mischung als Bovista Oligoplex bei Dysmenorhöe und Tbc.-Blutungen. Auch venöse Stasen, Ödeme, Anämie, Fluor albus, klimakterische und menstruelle Beschwerden, Kopfschmerzen, die durch Unterleibsleiden bedingt sind (hier bewährt nach Krug, Lörrach), Neurasthenie (zuweilen mit Stottern verbunden), Schweiße, besonders Nachtschweiße, Durchfall bei Tuberkulose (hier im Wechsel mit Veratr. alb.), chronische Schleimhautkatarrhe, chronische Otitis media und Ozaena sprechen günstig auf Bovista an.

Bei Meteorismus konnte C. Wilhelm selbst in sehr schweren Fällen gute Resultate erzielen. Endlich empfiehlt Malz Bovista gegen Kribbeln und Einschlafen der Beine und Wenzel schreibt mir von guten Erfahrungen bei Kohlenoxydvergiftung.

Sehr gelobt wird auch die Anwendung von Bovista bei skrofulösen Dermatopathien, Bäckerekzem und anderen allergischen Ekzemen, besonders des Handrückens, die mit kleinsten erhabenen roten Knötchen beginnen und in nässenden Zustand übergehen, und bei Lichen.

Beliebte Wechselmittel sind bei Hämorrhagien Ustilago und Maticocin, bei Fluor albus Kreosotum, Hydrastis und Pulsatilla, bei Ekzemen Sulfur und Nux vomica.

Angewandter Pflanzenteil:

In der einschlägigen Literatur finden nur die Sporen Erwähnung, aus denen auch das "Teep" und die homöopathische Urtinktur (§ 4) hergestellt werden.

Dosierung:

Übliche Dosis:
1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)

In der Homöopathie:

dil. D 2, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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