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Balsamum peruvianum. Perubalsam. Leguminosae.

Photo 071. Perubalsam-Baum. Karte 051. Myroxylon balsamum var. Pereirae. Name: Myróxylon bálsamum Harms var. Pereirae Baill. Peruanischer Balsambaum. Französisch: Baume de Pérou; englisch: Balsam of Peru, quinquino; dänisch: Peru: balsam, Indisk Balsam; italienisch: Balsamo del Peru; polnisch: Balsam peruvianski; russisch: Pieruanskij balzam; tschechisch: Balsam peruánsky.

Namensursprung: Erklärung zu Balsamum vgl. Balsamum copaivae; peruvianum nach der Heimat des Baumes.

Botanisches: Den Perubalsam liefert der bis zu 16 m hohe, 2-3 m dicke Baum Myroxylon balsamum var. Pereirae Baillon, der aufstrebende Äste und bis 17 cm lange, lockere Blütentrauben trägt. Er ist im nördlichen Südamerika und in Zentralamerika bis Mexiko heimisch.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die verschiedenen peruanischen Balsamarten wurden bei der Entdeckung Amerikas von den Spaniern bei den Indianern als Wundmittel im Gebrauche vorgefunden. Monardes von Sevilla erwähnt in dem Kapitel "Del Balsamo" zwei Arten von Gewinnung: nämlich durch Einschnitte in die Bäume, wodurch ein weißer, ganz vorzüglicher Balsam erhalten werde, sodann durch das Auskochen der Zweige mit Wasser und Abnehmen des darauf schwimmenden Öles von schwarzroter Farbe und sehr angenehmem Geruche. Heute wird der Balsam meist auf die folgende Weise gewonnen: Die Rinde wird nach Beklopfen am unteren Ende des Stammes abgelöst. Der in kleinen Mengen austretende Balsam wird nach 5 Tagen mit Lappen aufgesaugt. Dann schwelt man die Wundstelle 5 Minuten lang mit Fackeln. Der nun reichlicher austretende Balsam wird ebenfalls durch angeheftete Lappen, die bis dreimal gewechselt werden, aufgesaugt. Durch Ausklopfen und Auspressen dieser Lappen erhält man die Handelsware. Welcher hohen Wertschätzung sich der peruanische Balsam erfreute, geht daraus hervor, daß der Papst Pius V. auf Vorstellungen der Priester in Zentralamerika den dortigen Bischöfen die Erlaubnis gab, den peruanischen Balsam als Ersatz für den ägyptischen zur Herstellung des in der katholischen Kirche gebrauchten Salböls zu benützen. In Deutschland war der Perubalsam schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts sehr bekannt. Er wurde äußerlich hauptsächlich als Wundmittel und innerlich gegen Husten und Asthma gebraucht.

Wirkung

Nach v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 178.) ist der Perubalsam "hizig, zertheilet, zeitiget die Geschwäre, heilet zusammen und stärkt; ein ganz vortrefflicher Wundbalsam, der ungemein zugleich reiniget, "auch für den innerlichen Gebrauch rühmt er ihm "die trefflichsten Arzneykräfte" nach: er wirke magenstärkend, gegen Magendarmerkältung und Grimmen, fäulniswidrig, ausgezeichnet schleimlösend und gegen Mund- und Halsleiden.

"Als äußerst wirksames, erhitzendes Reizmittel" beschreibt ihn Hecker (Hecker, Pract. Arzneimittell., 1815, H. 2, S. 140.), der als Indikationen asthmatische Beschwerden, beginnende Tuberkulose, Lungengeschwüre, Vomitus, chronische Rheumatismen, Gicht, Lähmungen, Nachtripper u. a. chronische Schleimflüsse aus den Harnwegen und dem After angibt; charakteristisch soll stets große Torpidität sein. Äußerlich gebraucht ihn Hecker zur Unterstützung der Regeneration bei Verletzungen, gegen durch Wunden entstandenen Tetanus und Trismus, bei unreinen Geschwüren und Karies der Zähne. Er soll frische Wunden ohne Eiterung und ohne Narbe heilen. Nach Heckers Bericht gebrauchte Sydenham den Perubalsam wegen seiner krampfstillenden Wirkung auch bei Bleikolik.

Hufeland (Hufeland, Enchir. med., S. 68, 378.) wandte ihn gegen Typhus und Gicht an.

Auch Clarus (Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., 1860, S. 1145.) verwendet ihn bei chronischen Blenorrhöen der Respirations- und Urogenitalorgane, äußerlich gegen schuppende Exantheme, Akne, Frostbeulen und torpide Geschwüre.

Die amerikanische Medizin verwendet den Perubalsam als antiseptisches, desinfizierendes, diuretisches und diaphoretisches Mittel mit besonders starker Wirkung auf die Schleimhäute (Potter, Mat. med., 1898, S. 177.).

Nach innerlichem und äußerlichem Gebrauch von Perubalsam wurden schwere Nierenschädigungen beobachtet: urämisches Koma, ödematöse Gliedmaßen, schlaffe, vergrößerte, stark verfettete Nieren (Deutsch, Z. Med. beamte 1905, Bd. 13, S. 403.), desquamative Nephritis (Litten, Charité-Annalen, 1882, Bd. 7, S. 187.), Nekrosen der Kanälchenepithelien, Blutungen in den Kanälchen (Richarz, M. m. W. 1906, S. 909.), außerdem Schädigungen der Magen-Darmschleimhaut (Lohaus, Berl. klin. Wschr. 1892, Nr. 6, S. 130.) und Hauterkrankungen wie Erythem, Ekzem, Urtikaria (Jaksch, Vergiftungen, i. Nothnagels Spez. Pathol. u. Ther. 1897, Bd. 1.). Bei einer Urtikaria mit stark juckenden Quaddeln nach einmaligem Einreiben von 8 g Balsam stellten sich auch noch Nausea, Frieren und Kongestionen zur Lunge ein, die einen Hustenanfall auslösten (Mögling, Berlin. klin. Wschr. 1880, S. 557.).

Lohaus (Vgl. 9.) berichtet von der tödlichen Vergiftung eines Säuglings, der an eine mit Perubalsam bestrichen gewesene Brustwarze angelegt wurde und daraufhin Unruhe, Zyanose der Lippen, fliegenden Puls, enge Pupillen bekam.

Nach W. Engelhardt (Engelhardt, Münch. med. Wschr. 1935, Nr. 7.) wird bei Menschen, die noch nie Salben verwendet haben und hautgesund sind, in 2%, bei Menschen, die viel Salben gebraucht haben und hautkrank sind, in 10% eine überempfindlichkeit des Hautorgans gegen Perubalsam beobachtet. Er rät von einer ausgedehnten und über lange Zeit hindurch fortgesetzten Behandlung von Wundflächen, wozu auch die chronischen Ekzeme mit ihren oberflächlichen Substanzverlusten durch Kratzen zu rechnen sind, bei dem hohen Sensibilisierungsvermögen des Perubalsams ab.

Als wirksame Substanzen enthält der Perubalsam ätherisches Öl (Cinnamein) mit Benzoesäure- und Zimtsäurebenzylester, Vanillin und Peruviol und das Harz Peruesin mit Benzoe- und Zimtsäureester des Peruesinotannol (Wehmer, Pflanzenstoffe, S. 514.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Perubalsam wird in erster Linie äußerlich zur Wundgranulation und bei Hautkrankheiten angewandt. Nach Reuter, Greiz, heilen Fingerquetschwunden am allerbesten unter reinem Perubalsam-Verband, den man nur alle 5 Tage zu wechseln braucht. Ehmig, Teplitz-Schönau, empfiehlt ihn "überall, wo eine Verrindung des Organismus erwünscht ist, also zur kompakten Epithelisierung, Endothelisierung, Narbenbildung und Blasenepithelisierung". Einzelindikationen sind: Frauenkrankheiten (als Tampon), Fußgeschwüre, Ulcus cruris, torpide Geschwüre, Karbunkel und Furunkel, Ausschläge, Flechten, Hautjucken, Frostbeulen, Knocheneiterungen.

Man vermeide zu lange Behandlung und achte auf Überempfindlichkeit.

Ferner wird Perubalsam äußerlich auch gegen Haarausfall, Kopfschmerzen und vor allem gegen Krätze verordnet.

Zu innerlicher Verwendung ist Balsamum peruvianum angezeigt bei Entzündungen der Atmungs- und Harnwege mit reichlicher, übelriechender Sekretion wie Bronchitis foetida, schleimig-eitriger Bronchitis, Lungen- und Larynxtuberkulose, akuter und chronischer Cystitis, Nephropyelitis und Pyelocystitis, wenn diese nicht mit Steinbildung verbunden ist.

Bei Katarrhen der oberen Luftwege kann Perubalsam auch inhaliert werden (Ø 1-2 Tropfen ins Glas des Inhalierapparates).

Angewandter Pflanzenteil:

Verwendet wird seit langer Zeit als Arzneimittel der durch Klopfen und darauffolgendes Anschwelen der Rinde (vgl. Botanisches) von Myroxylon balsamum Harms var. Pereirae (Royle) Baillon gewonnene Perubalsam.

Offizinell in allen Staaten.

Gewinnung: Nach Beendigung der Regenzeit, November und Dezember.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,2-1 g innerlich als Pillen oder Emulsion (Hager).
0,5-1-2 g einigemal täglich (Hecker).

In der Homöopathie:

dil. D 2-3, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt, doch ist bei Verordnungen größerer Dosen Vorsicht am Platze, da Vergiftungen vorgekommen sind. (Siehe Wirkung.)

Rezepte:

Bei Skabies (nach Rost-Klemperer):

Rp.:
Balsami peruviani
Sulfuris depurati . . . aa 3
Ungt. simpl. . . . 50
M. f. ungt.
D.s.: äußerlich.

Salbe gegen alte Wunden (nach Wastalu):

Rp.:
Argenti nitric. . . . 0,25
Balsami peruv. . . . 3
Vaselini flavi ad . . . 30
M.f. unguentum.
D.s.: äußerlich.
Rezepturpreis c. oll. tect. etwa 1.42 RM.

Lebertransalbe zur Wundheilung:

Rp.:
Balsami peruv.
Mellis depur. . . . aa 5
Jecoroli (Jecorol = Rohlebertran.) . . . ad 50
M.f. unguentum.
D.s.: äußerlich.
Rezepturpreis c. oll. tect. etwa 1.58 RM.

Bei Frostbeulen (Balsamum Locatelli):

Rp.:
Cerae flavae . . . 30
Olei olivarum . . . 40
Terebinthinae venet. . . . 25
Balsami peruviani . . . 5
Alcannini . . . 0,2
M.d.s.: äußerlich.

Salbe gegen Karbunkel und Furunkel:

Rp.:
Cerae flavae Olei oliv. . . . aa 60
Balsami peruv. . . . 8
M.f. unguentum.
D.s.: äußerlich.
Rezepturpreis c. oll. tect. etwa 3.01 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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