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Peganum harmala. Steppenraute. Zygophyllaceae.

Botanical name:

Name: Péganum harmála L. Steppenraute, Wilde Raute, Harmalraute. Französisch und englisch: Peganum harmala; polnisch: Rutewnik; russisch: Steepnaja Ruta; tschechisch: Harmala; ungarisch: Törökpirositó.

Weiteres Vorkommen: Tibet, Dsungarei. Eingeschleppt vereinzelt bei Budapest, in Unteritalien und Südwestspanien.

Namensursprung: Peganum ist der alte griechische Name für die Raute und wurde wegen der Ähnlichkeit mit dieser auf unsere Pflanze übertragen; Harmala ist der arabische Name der wilden Raute.

Botanisches: Peganum harmala gehört zur Unterfamilie der Peganoideae, die durch die unregelmäßig zerschlitzten Laubblätter charakterisiert ist. Die Steppenraute ist eine halbstrauchige Pflanze mit einzeln in den Achseln der Blätter stehenden langgestielten, grünlich-weißen, ziemlich großen Blüten. Die Früchte sind mit !X!ner grubigen, außen schleimigen, schwärzlichen Schale versehen. Die Pflanze !X!esitzt ein vom östlichen Balkan bis nach Tibet und der Dsungarei reichendes geschlossenes Verbreitungsgebiet, westwärts davon aber nur einige versprengte Vorkommen.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die Samen der Steppenraute fanden bei den alten griechischen Ärzten hauptsächlich als Mittel gegen Augenkrankheiten Verwendung, doch wurden sie von Andromachus u. a. auch bei schlechter Verdauung, von Galenus bei Wassersucht empfohlen. In Indien ist die Pflanze unter dem Namen Hurmal bekannt. In vielen Werken der älteren indischen medizinischen Literatur wird sie als Alterans und Blutreinigungsmittel, bei Lumbago, sowie auch als Stimulans für die Sexualität, die Milchsekretion und die Menstruation genannt. In der arabischen Heilkunde, in der die Semina Rutae sylvestris sich ihrer berauschenden Wirkung wegen seit alters her großer Beliebtheit erfreuten, wurden sie auch vielfach als Vermifugum gebraucht. Im 16. Jahrhundert wird die Droge noch vereinzelt als Diuretikum und beruhigendes, schlafmachendes Mittel genannt, um dann immer mehr in Vergessenheit zu geraten und erst in neuerer Zeit wieder mehr in Gebrauch zu kommen.

Im Orient werden die Samen noch heute auf den Märkten als Gewürz und Farbstoff zum Verkauf angeboten. Durch Zersetzung des in ihnen enthaltenen Harmalins entsteht der Farbstoff Türkischrot, der auch in unserer Textilindustrie seiner Dauerhaftigkeit wegen sehr geschätzt wird.

Wirkung

Als einziger der mittelalterlichen Kräuterärzte schreibt Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 255 D.), daß die "Frembde Harmalraute" (unter der man wohl Peganum harmala zu verstehen hat) diuretisch und emetisch wirke; "sie hilfft den Melancholicis / die mit schwerer Fantasey umbgehen. Wider den schweren Gebrechen / den man St. Valtins Leiden nennet / ward nie kein Artzney so gut / als eben dieser Samen."

In der russischen Volksmedizin wird die Steppenraute als Abkochung gegen Hydrops angewandt (A. A. v. Henrici, in Histor. Studien des pharm. Inst. d. Univ. Dorpat, 1894, Bd. IV, S. 45.).

Erst in neuer Zeit hat dieses Heilmittel, dessen hauptsächlich wirksame Bestandteile die Alkaloide Harmin (Fritzsche, Ann. Chem. 1847, Bd. 64, S. 360.), Harmalol und Harmalin (Buck, Dissertat. 1903.) sind, wieder die ihm gebührende Beachtung gefunden, und zahlreiche Veröffentlichungen sind darüber erschienen.

Das therapeutisch vorwiegend angewandte Harmin wirkt erregend auf die motorischen Rindenzentren, auf das Zentralnervensystem z. T. kampferähnlich. Die durch Harmin erzeugte Rauschwirkung wird charakterisiert durch farbige Visionen und Halluzinationen. Größere Dosen erzeugen Lähmungen (Wasicky, Lehrb. d. Physiopharm., S. 872.). Es setzt die Temperatur herab (Pentzold, in der O. Fischer-Festschrift, Erlangen 1901.) und ruft ebenso wie Harmalin tonisch-klonische Krämpfe mit Erhöhung des Blutdrucks, Steigerung der Speichelsekretion und Respirationsstörungen hervor (Mercks Jahresber. 1911, S. 390.). Harmin und Harmalin regen den graviden Kaninchen-Uterus zur Kontraktion an (Vgl. 4).).

Hunde zeigten nach Harmalinvergiftung psychische Störungen ähnlich den durch Cannabinol bewirkten (Vgl. 6).).

Bei Parkinsonismus-Patienten mindert Harmin die übergroße Erregbarkeit des parasympathischen Systems, erhöht die geringe Erregbarkeit des sympathischen Systems, fördert auch die Erregbarkeit des vestibulären Apparates und versetzt die Kranken in einen Zustand der Euphorie (Kreitmair, Wien. m. W. 1929, Nr. 49, S. 1559; Marinesco, Kreindler u. Schaim, Naunyn-Schmiedebergs Arch. 1930, Bd. 154, Nr. 4/6.), der ihnen hilft, ihr Leiden besser zu ertragen.

Auch Herabsetzung der Pulsfrequenz wurde beobachtet (Dominguez u. Iraeta, La Medicina Ibera 1931, Nr. 6.).

Am günstigsten werden die akinetischen Formen des Parkinsonismus, der Rigor, beeinflußt (Mercks Jahresber. 1931, S. 151.), aber auch Tremor, Kopfschmerzen und Insomnie konnten durch Injektionen gebessert werden (Külz, Biologische Heilkunst 1930, S. 219; Großkopf, Fortschr. d. Ther. 1932, Nr. 6, S. 192.).

Harmin soll den bisher bei Parkinsonismus usw. gebrauchten Atropin, Duboisin und Scopolamin sicher überlegen sein (Spangenberg, Arch. de med. cir. y especial. 1929, Bd. 4, S. 1397.).

Beringer und Wilmanns (Beringer u. Wilmanns, Dtsch. med. Wschr. 1929, Nr. 50.) äußern sich in einer ausführlichen Arbeit zu der Harmin-Banisterin-Frage. Sie kommen zu dem Schluß, daß die Alkaloide Banisterin und Harmin auf Grund der von den verschiedensten Forschern angestellten Versuche als identisch anzusehen sind. In zahlreichen therapeutischen Versuchen bei Parkinson-Kranken konnten die früheren Erfahrungen über die Wirkung des Harmins auf das extra-pyramidal-motorische System bestätigt werden. Schädigungen durch das Harmin oder Gewöhnung im Sinne eines Harminismus konnten die genannten Verfasser auch bei jahrelanger Darreichung nicht beobachten. Am wirksamsten erwies sich ihnen die subkutane Darreichung des Alkaloids, in vielen Fällen waren aber auch mit Suppositorien und keratinierten Kapseln günstige Erfolge erzielt worden. Wird mit Harmin allein keine Wirkung erreicht, so empfehlen sie, es mit anderen Alkaloiden aus der Solanaceengruppe zu verbinden. Schließlich stellten Beringer und Wilmanns noch Versuche mit dem Infus und dem Extractum fluidum von Peganum harmala an, da, wie sie wörtlich schreiben, "es ja eine bekannte Erfahrung ist, daß Auszüge aus der Gesamtdroge nicht selten der Darreichung des isolierten Stoffes überlegen sind. Wir stehen hier erst am Beginn der Versuche. Die bisherigen Erfahrungen fordern aber zur Fortsetzung dieser auf breiter Basis auf."

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Peganum harmala wird (an Stelle von Harmin) bei postenzephalitischem Parkinsonismus+) verordnet. Es ist weiter indiziert bei Paralysis agitans, Enzephalomyelitis, Lues cerebrospinalis, Torsionsspasmen (Petersen u. Winther, Zbl. f. Neurol. u. Psychiatr. 1933, Bd. 65, S. 657, für Harmin.), Myasthenie (Laubenthal, Psychiatr.-neurol. Wschr. 1933, S. 36, für Harmin.), katatonischer Schizophrenie (Tomescu u. Russu, Spitalul 1930, Nr. 6, S. 209, für Harmin.) und katatonem Stupor (Friedmann, Psychiatr.-neurol. Wschr. 1932, Nr. 42, für Harmin.).

+) Beispiel für die Anwendung: (Nach Beringer und Wilmanns, D. med. Wochenschrift 1929, Nr. 50.)

♂ 29 Jahre. Postencephalitis. Akinese, mittelstarker Rigor, mittelstarker Tremor, Sprachmonotonie. Außerdem besteht Kauerschwerung, so daß der Patient von Zeit zu Zeit während des Essens 1/2-1 Minute pausieren muß, bis der Kauakt wieder vonstatten geht. Bekommt dreimal 5 Tropfen Peganum harmala-Infus, damit keine Wirkung. Bei täglicher Steigerung um einen Tropfen zeigt sich bis dreimal 1 Tropfen weitgehendes Nachlassen des Rigor, der bei dreimal 12 Tropfen kaum mehr nachweisbar ist. Die Sprache wird akzentuiert und laut, das Kauen geht anstandslos. Der Tremor ist in Ruhe kaum mehr nachweisbar, kommt aber bei Aufregung wieder deutlich zum Vorschein. Die Gesamtmotorik wird wesentlich flüssiger und rascher sowie kräftiger. Im ganzen überraschende Besserung. Der Patient kommt selbst dem Arzt entgegen mit den Worten: "Herr Doktor, ich bin wieder gesund."

Angewandter Pflanzenteil:

Alle Autoren nennen als verwendet die Samen der Steppenraute, so Matthiolus, Geiger, Dragendorff, Wasicky, Merck, Thoms.

Auch Wehmer gibt die chemische Zusammensetzung nur von den Samen an. Das HAB. erwähnt die Pflanze nicht.

Das Handbuch der Pflanzenanalyse von Klein nimmt ebenfalls nur auf die Samen bzw. Samenhüllen Bezug.

Das "Teep" wird aus den Samen gewonnen.

Dosierung:

Übliche Dosis:
Mit 1-2 Tabletten der Pflanzenverreibung "Teep" auf leeren Magen 2 Stunden vor einer Mahlzeit beginnend in steigenden Dosen bis zur optimalen Verträglichkeit. Bei der Verordnung mehrerer Tabletten verteilt man diese auf mehrere Mahlzeiten.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 1% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,0025 g Sem. Pegani harmalae.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt, doch wurde bei Verabreichung von "Teep" D 1 heftiges Erbrechen beobachtet.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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