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Sanguinaria. Kanadische Blutwurzel. Papaveraceae.

Botanical name:

Name: Sanguinária canadénsis L. Kanadische Blutwurzel. Französisch: Sanguinaire; englisch: Blood-root, puccoon, red root, tetterwort, Indian paint; dänisch: Sanguinaria; schwedisch: Kanadensisk blodrot; tschechisch: Krevnice kanadská.

Namensursprung: Sanguinaria ist von dem lateinischen sanguis = Blut in bezug auf den rötlichen Saft der Wurzel abgeleitet.

Botanisches: Das ausdauernde Kraut mit dickem, kriechendem Wurzelstock ist in lichten Wäldern des atlantischen Nordamerikas heimisch. Sanguinaria bringt jährlich außer wenigen Schuppen nur ein einziges handförmig siebenlappiges Blatt und einen kahlen bis 25 cm hohen Blütenschaft mit einer einzigen weißen Blüte hervor. Das Blatt ist oberseits blaßgrün und bereift, unterseits grünlichweiß und von netzartig verlaufenden, rötlich-violetten Adern durchzogen. Die Kelchblätter sind eiförmig, die Kronenblätter länglich, in einer Ebene ausgebreitet. Die Frucht ist eine Kapsel. In dem scharf und bitter schmeckenden Wurzelstock treten Milchsaftgefäße auf, die einen roten, alkaloidhaltigen Milchsaft führen. Blütezeit: März bis April.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die Indianer Nordamerikas benutzten früher den orangefarbenen Saft der Wurzel zum Bemalen ihrer Körper sowie zum Färben verschiedener Hausgeräte. Auch von den amerikanischen und französischen Färbereien ist die Pflanze erfolgreich verwendet worden. Offizinell ist in Nordamerika schon seit längerer Zeit die Wurzel, Radix Sanguinariae, doch sollen auch die Samen gebraucht worden sein. Anfang des 19. Jahrhunderts gelangte die Wurzel in den europäischen Handel. Sie wurde entweder in Pulverform in kleiner Dosis oder als Tinctura Sanguinariae in Tropfen verschrieben.

Wirkung

Hufeland (Hufeland, Journal Bd. 56, III., S. 130.) führt eine Mitteilung von Zollikofer an, der Sanguinaria canad. in Dosen von 0,3-0,48 g als Brechmittel verordnet.

Nach Bentley und Trimen (Bentley and Trimen, Medicinal Plants, 1880, Bd. I, S. 20.) wirkt Sanguinaria in großen Dosen als Emetikum und Purgans, in kleineren als Stimulans, Diaphoretikum und Expektorans. Nach dem von ihnen zitierten Eberle ist die Wirkung auf das Herz ebenso sicher wie bei Digitalis.

Auch der Brit. Pharm. Codex (The Brit. Pharm. Codex 1923, S. 972.) kennt die Anwendung als Expektorans gegen chronische Bronchitis.

In der Homöopathie (Hughes-Donner, Einf. in die homöop. Arzneimittell., S. 188; Stauffer, Homöopathisches Taschenbuch, S. 291.) wird Sanguinaria häufig gegen Migräne, klimakterische Kongestionen, chronische Schleimhautaffektionen im Mund- und Rachenraum, Nasenpolypen, rheumatische Affektionen und Ischias angewandt.

Haehl (Haehl, Hippokrates 1935, S. 621.) ist der Ansicht, daß Sanguinaria außer auf rechtsseitige Neuralgien hauptsächlich auf Uterus und Ovarien wirkt.

Die Blutwurzel ähnelt bezüglich ihrer Inhaltsstoffe dem Schöllkraut, Chelidonium majus. (Vgl. dort.) Sie enthält u. a. Chelidonsäure, Chelerythrin und Sanguinarin. Letzteres, zu der Reihe der zentral erregenden Gifte gehörend, wirkt auf Atem- und Gefäßzentrum erregend ein, verursacht Krämpfe, regt die Darmperistaltik an und erzeugt in größeren Dosen Vomitus, Diarrhöe und Lähmungen. Der Blutdruck wird zuerst stark erhöht, dann allmählich herabgesetzt. Lokal appliziert verursacht es Schmerzen, denen Anästhesie folgt (Ley, Dissert. Marburg 1890; Wasicky, Lehrb. d. Physiopharm., S. 46.).

Schließlich soll es auch cholagog wirken (Husemann, A. u. Th., Die Pflanzenstoffe, Berlin 1871.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Sanguinaria canadensis wird in Europa fast nur von der homöopathischen Schule angewendet. In erster Linie wird es verordnet bei Hemikranie mit Vomitus und klimakterischen Kongestionen nach dem Kopfe, rheumatischen Kopfschmerzen und Kopfschmerzen zur Zeit der Menses bei Patientinnen mit profusen Blutungen, Polypenbildung, speziell in Uterus und Nase, rechtsseitiger Armneuralgie, Ischias und Frigidität (hier im Wechsel mit Pulsatilla). Sehr oft wird die rechtsseitige Wirkung des Mittels hervorgehoben. Weiter wurde es häufig erprobt bei Erkrankungen der Atmungsorgane (Pneumonie, Lungenkatarrh, Rhinitis, auch wundmachendem Fließ- und Stockschnupfen [hier nicht sicher wirkend], Tussis sicca, Laryngitis, membranösem Croup und beginnender Phthisis), bei Rheuma, namentlich der Schultern und des Nackens, Omarthritis, Schmerzen in den Fußsohlen und Gicht.

Seltener wird Sanguinaria zur Anregung der Leber- und Milzfunktionen, gegen Meteorismus, chronische Verstopfung und zur Blutreinigung (Exantheme, Akne, veraltete Ulzera, auch des Magens und Darms, ferner in sehr geringen Dosen bei Diarrhöe, Gastritis und Blutungen genannt. Die Droge und die Tinktur sind von widerlichem Geschmack. Beliebte Wechselmittel sind Glonoinum, Belladonna, Gelsemium, Lachesis, Pulsatilla, Iberis amara und Ferrum sulf.

Angewandter Pflanzenteil:

Gebräuchlich ist allgemein der Wurzelstock (Wasicky, Stauffer, Heinigke, Zörnig, Hager).

Das HAB. schreibt zur Bereitung der Tinktur den getrockneten Wurzelstock mit anhängenden Wurzeln vor (§ 4). Solange keine frischen Rhizome zur Verfügung stehen, wird auch das "Teep" aus dieser Droge gewonnen.

Als Zeit zum Sammeln der Wurzel wird der Anfang des Frühlings oder der Spätherbst empfohlen.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,03-0,3 g des Rhizoms bei Verschleimung der Atmungsorgane (Hager);
0,4-0,8 g des Rhizoms als Emetikum (Hager).

Übliche Dosis in der Homöopathie:

1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" drei- bis viermal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 1% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,0025 g Rhiz. Sanguinariae canadensis.)
dil. D 2, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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