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Santalum album. Weißes Sandelholz. Santalaceae.

Botanical name:

Name: Sántalum álbum L. Weißes Sandelholz. Französisch: Santal, sandal; englisch: Sandal wood; dänisch: Hvidt Sandeltrå; Gult Sandeltrå; italienisch: Sandalo; norwegisch: Hvit sandeltre; polnisch: Sandalowe drewno; russisch: Sandalnoje dierewo; schwedisch: Gul sandelved; tschechisch: Santal bílý.

Namensursprung: Santalum ist über das persische sandul, das arabische sandal von dem alten Sanskritnamen Chandan abgeleitet.

Botanisches: Der Sandelholzbaum wird etwa 10 m hoch und erreicht einen Umfang von 1-2 m. Er ist ein Halbschmarotzer, der seine Nahrung z. T. aus den Wurzeln seiner Wirtspflanzen zieht, aber schließlich auch ohne sie leben kann. Als Nährpflanzen lieben Sandelbäume in erster Linie die hohen Gramineen, wie Saccharum spontaneum (Kashgras) und Bambusa auriculata, ferner die Palmen Caryota urens L. und C. sobolifera L., Arenga saccharifera Labill., Cocos nucifera L. und Phoenix silvestris Rxb., endlich die Araliaceen Heptableuron venulosum und H. umbraculiferum sowie Inga dulcis Wall. (Mimosaceae). In ihrer Nähe findet besonders gern und leicht die Entwicklung der Keimpflanzen statt, wobei schon früher die Wurzeln der Wirtspflanze dem jungen Pflänzchen Nahrung bieten. Der Stamm des Baumes ist mit graubrauner, rissiger Rinde bedeckt. Die reich verzweigte Krone trägt einen üppigen Blätterschmuck an gegenständigen, glatten Ästen und weichhaarigen Zweigen. Die Blätter sind immergrün, kurz gestielt, gegenständig, länglich-lanzettlich oder beinahe elliptisch, spitz oder stumpflich, kahl, oberseits lebhaft grün, unterseits graugrün. Die kleinen Blüten sind geruchlos. Sie stehen in reichblütigen, weitverzweigten, teils end-, teils seitenständigen Rispen. Das Perigon wird etwa 4-5 mm lang und ebenso breit. Es ist zuerst gelblich, dann braunrot gefärbt, meist vierteilig. Mit den Perigonzipfeln abwechselnd finden sich vier schuppenförmige Drüsen und vor den Perigonzipfeln vier Staubgefäße. Der Fruchtknoten ist flaschenförmig und hat einen sehr kurzen Griffel, welcher eine dreibis vierlappige Narbe trägt. Die Frucht ist eine kirschgroße, einsamige, kuglige, glatte Nuß von schwärzlicher Farbe. Der Baum trägt zwar das ganze Jahr Blüten und Früchte, doch ist die Hauptblütezeit Mai bis Juli. - Heimat: das östliche Asien, verbreitet in Vorderindien, teils wild, teils kultiviert. Auch auf Timor, Sumba, Bali, Java findet er sich und wird auch in China und Japan angebaut.

Geschichtliches und Allgemeines:

Das Sandelholz von Santalum album erfreute sich wegen seines aromatischen Geruches schon im frühen Altertum in China und Indien großer Wertschätzung und wird als Chandan in der Nirukta, dem ältesten Kommentar der Veda (5. Jahrhundert v. Chr.) sowie in den alten Sanskritepen der Ramayana und Mahabrata genannt. Es diente zu Räucherungen im Religions- und Totenkult, zur Anfertigung von Götzenbildern, zum Tempelbau usw. Auch fügte man es, wie heute noch, bei den Leichenverbrennungen der Vornehmen den Scheiterhaufen zu. Die Darstellung des Sandelholzöles war in Indien schon im 6. Jahrhundert nach Chr. bekannt. Das Öl wurde zum Einbalsamieren fürstlicher Leichen gebraucht. Auch in Ägypten ist das Sandelholz wohl schon im 17. Jahrhundert v. Chr. bekannt gewesen, doch steht nicht fest, ob es sich um Weißes oder Rotes Sandelholz handelte. Nach Europa scheint die Droge erst ziemlich spät durch die Vermittlung der arabischen Ärzte gekommen zu sein. Der berühmte arabische Arzt Ibn el Baitar hat bereits drei Sorten des Gelben, Roten und Weißen Holzes unterschieden, die er gemeinschaftlich Sandal nennt. In dem Compendium Aromaticorum des Saladinus um 1488 wird es unter den Arzneimitteln der italienischen Apotheken aufgeführt. Besonders das ostindische und das Makassar-Sandelholz spielten in der Parfümerie Europas, Indiens und Chinas eine große Rolle. Im 17. Jahrhundert beobachtete der holländische Gouverneur Rumphius auf Amboina den Genuß des Sandelholzpulvers bei Tripperkranken. Die Verwendung des Öles in der Arzneikunde ist erst jüngeren Datums. Posner substituierte es dem Kopaivabalsam bei der Behandlung von Gonorrhöe. In der mongolischen Heilkunde wird die Droge als Blut und Eiter trocknendes, hitzewidriges Mittel genannt.

Wirkung

Schon Paracelsus (Paracelsus Sämtl. Werke, Bd. 1, S. 722, Bd. 2, S. 60, Bd. 3, S. 195, 849.) erwähnt die heilkräftige Wirkung des Sandelholzes,

das von Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 341.) als "alle Flüsse stopfend", herz-, magen- und leberstärkend, blutreinigend, durst- und hitzewidrig beschrieben wird.

Thomas Johnson (Johnson, History of Plants, S. 1585.) rühmt seine Wirkung gegen Entzündungen, Migräne und Herzstörungen.

Nach v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 896.) - der persönlich nicht viel von der Wirksamkeit des Sandelholzes hält - wird es als lebereröffnendes und kühlendes Mittel verabreicht.

Als völlig unwirksam wird das Weiße Sandelholz von Hecker (Hecker, Pract. Arzneimittell., 1814, Bd. 1, S. 300.) bezeichnet, der das Gelbe zu den schwachen aromatisch-bitteren Substanzen rechnet.

Ihnen allen ist die Anwendung gegen Gonorrhöe noch unbekannt. Erst nach der Einführung des Sandelöles (um 1850) in den europäischen Heilmittelschatz taucht die Indikation Gonorrhöe auf, und Kobert (Kobert, Lehrb. d. Pharmakother., S. 654.) sah Heilerfolge durch Sandelöl bei Patienten, die die anderen Balsamika vergeblich genommen hatten; er nennt es auch bei Cystitis recht empfehlenswert.

In der amerikanischen Medizin findet es bei chronischer Bronchitis und Gonorrhöe Anwendung (Potter, Mat. med., 1898, S. 432.).

Dieses ätherische Öl mit dem Hauptbestandteil Santalol (einem Alkohol) ist zu 2-6% im Weißen Sandelholz enthalten (Wehmer, Pflanzenstoffe, S. 257.). Es greift die Nieren an (Jaksch, Vergiftungen, i. Nothnagels Spez. Path. u. Ther., 1897, Bd. 1.) und verursacht gastroenteritische Erscheinungen und Hautausschläge (Henke-Lubarsch, Handb. d. spez. path. Anat. u. Hist., Bd. 10, S. 413.).

So beobachtete Jullien (Jullien, Traité prat. des malad. vénér., Paris 1886, S. 68.) ein schmerzhaft juckendes Erythema urticatum, Letzel (Letzel, Allgem. med. Ctrlztg. 1886, Nr. 76 u. 78.) starkes Durstgefühl und Ructus. Auch Druck und Brennen im Magen, Dyspepsie, Diarrhöe, schmerzhaftes Urinieren, sogar Hämaturie können auftreten (Lewin, Nebenwirkungen d. Arzneimittel, 1899, S. 579.).

Sandelöl wirkt diuretisch, setzt aber gesunde Nieren voraus, weil sonst akute parenchymatöse Nephritis entstehen kann (Vgl. 6), S. 372.).

Das Wachstum von Streptokokken wird durch Sandelholzöl gehemmt (Okanishi, Fol. pharmacol. japon. 1928, Bd. 7, H. 1, S. 77.); auch bei Staphylokokkeninfektion ist es wirksam (Meyer-Gottlieb, Exp. Pharm., S. 518.).

Die Heilkraft bei Gonorrhöe soll auf einer Beschränkung des Ausflusses und einer Milderung der Schmerzhaftigkeit der Urethra beruhen (Vgl. 16.) (infolge Ruhigstellung der glatten Muskulatur der Harnwege (Wasicky, Lehrb. d. Physiopharm., S. 859.), auch wird die Schleimhaut fortwährend in dem durch Santalum antiseptisch gemachten Urin gebadet (Poulsson, Lehrb. d. Pharmak., S. 287.).

In Indien wird das gepulverte Holz häufig als Kataplasma bei Entzündungen und Hautkrankheiten gebraucht (Bentley and Trimen, Medicinal Plants, London 1880, Bd. IV, S. 252.).

Kloppenburg-Versteegh (J. Kloppenburg-Versteegh, Wenken en raadgevingen betreffende het gebruik van Indische Planten, Vruchten enz., 's-Gravenhage 1934.) gibt auch noch verschiedene Anwendungen für Santalum album in Indien an. Außer bei venerischen Krankheiten wird es innerlich hauptsächlich bei Ruhr, Darmentzündungen, heftigen Durchfällen mit Abgang von Schleimhautfetzen und -häutchen angewandt. Bei diesen Krankheiten gilt es als eins der wichtigsten Heilmittel. Weiter setzt der Eingeborene den Zigaretten Holzschnitzchen von Santalum album zu und gebraucht diese als Asthmazigaretten. Die Eingeborenen Javas waschen die Leichen mit einer Teeabkochung von Santalum album.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Santalum album wird als Antigonorrhoikum verordnet. (Santalum album Oligoplex wird von Kleine, Wuppertal, als das erfolgreichste Mittel gegen veralteten Tripper bezeichnet.) Weitere Indikationen sind: Syphilis, Prostatitis, Schleimhautkatarrhe und -entzündungen wie Cystitis, Urethritis (Brennschmerz der Harnröhre mit Blasenreizung und eitriger Absonderung), Harnröhrenfluß, Pyelitis (bei Nierenreizung kontraindiziert), Fluor albus (hier im Wechsel mit Sepia oder Pulsatilla), Bronchitis und Rhinitis. Auch bei Schleimhautkatarrhen des Dickdarms (Colitis mucomembranacea und Dysenterie) findet es erfolgreiche Anwendung. Schließlich wird Santalum noch bei Hautkrankheiten und von Türk, Mannheim, bei Uterusblutungen (als Tee mit Equisetum und Viscum album) genannt. Wechselmittel bzw. Kombinationsmittel sind: Uva ursi, Cubeba, Equisetum, Sarsaparilla, Basilicum Oligoplex und Mercurius solubilis.

Angewandter Pflanzenteil:

Verwendet wird meist das Kernholz von Santalum album. Aus diesem wird auch das "Teep" hergestellt.

Dosierung:

Übliche Dosis:
1 Messerspitze voll Pulver mehrmals täglich (Dinand);
6-12 Tropfen (= 0,3-0,6 g) des Öles mehrmals täglich in Kapseln; man achte auf Nierenreizungen (Klemperer-Rost).
1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Lign. Santali.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Gonorrhöe, Cystitis und Urethritis (nach Tschirner):

Rp.:
Ligni Santali rubri pulv. . . . 10 (= Gepulvertes Rotes Sandelholz)
Fol. Uvae ursi . . . 40 (= Bärentraubenblätter)
Fruct. Cubebarum . . . 10 (= Kubeben)
Hb. Equiseti (= Schachtelhalmkraut)
Sem. Foenugraeci . . . aa 20 (= Bockshornkleesamen)
M.f. species.
D.s.: 2 Teelöffel auf 2 Glas Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.
Rezepturpreis ad chart. etwa -.97 RM.

Bei Diarrhöe (nach Kloppenburg-Versteegh):

Rp.:
Cort. Santali albi . . . 20 (= Rinde vom Weißen Sandelholz)
D.s.: 1 Dessertlöffel auf 675 g Wasser zur Hälfte einkochen lassen, davon Kindern bis 1 Jahr zweistündlich 1 Teelöffel, über 1 Jahr 1 Dessertlöffel, Erwachsenen größere Dosen, kalt zu trinken geben, solange, bis der Stuhlgang normal ist.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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