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Solanum tuberosum. Kartoffel. Solanaceae.

Botanical name:

Name: Solánum tuberósum L. Kartoffel. Französisch: Pomme de terre; englisch: potato; italienisch: Patate, pomi diterra; dänisch: Kartoffel; norwegisch: Potet; schwedisch: Potatis; tschechisch: Brambor; ungarisch: Burgonya.

Verbreitungsgebiet: Angebaut in den meisten Ländern der Alten und Neuen Welt.

Namensursprung: Erklärung zu Solanum s. Solanum nigrum; tuberosum von tuber, tuberis = die Knolle. Der deutsche Name Kartoffel ist über das im 17. und 18. Jahrhundert gebrauchte Kartuffel aus dem italienischen tartufo(lo) umgebildet worden, ein Beweis, daß die Kartoffel von Italien nach Deutschland gelangte.

Volkstümliche Bezeichnungen: Eerdtuffeln (Bremen), Erdtoffeln (Pommern), Ptätschen, Patätschen, Pataters (Oldenburg), Schucken (Ostpreußen), Schocken (Tolkemit, Elbing), Erdschocken, -schucken (Danzig), Grumbir, -beer (Elsaß), Grumper, Krumpir (Kärnten), Grumbern (Würzburg), Krummbeere (Nahegebiet), Gromper (Luxemburg), Grundbire (Schweiz), Erdbirne oft bis zur Unkenntnis entstellt, z. B. Erppir(e), Herppir(e), Heppir(e) (Schweiz), Eabirn (Nassau), Apera (Schlesien), Aebern (Leipzig). Weit verbreitet vom Norden bis nach Süden des deutschen Sprachgebietes ist die Bezeichnung Erdapfel, die allerdings als Ippels (auf der Insel Baltrum östlich von Norderney), Jaripfl (Krain: Gottschee), Hartäpfel (Oberelsaß), Hörpfel (St. Gallen) kaum mehr zu erkennen ist.

Botanisches: Die Kartoffel hat langfasrige Wurzeln und eine verästelte Grundachse, die kugelige, eiförmige oder walzliche Knollen treibt. Der aufrechte Stengel ist verästelt, oben etwas kantig, unterwärts rund, angedrückt behaart. Er wird 1/2-1 m hoch. Die Laubblätter sind oberseits fast kahl, unterseits behaart, unterbrochen fiederschnittig (gefiedert), d. h. größere Fiederblättchen wechseln regelmäßig mit kleineren ab. Das Endblättchen ist etwas größer als die Seitenblättchen. Diese sind am Grunde ungleich herzförmig. Blüten in meist zwei endständigen, gestielten Wickeln, Blütenstiele in der Mitte gegliedert. Kelch mit fünf kurzen, eiförmigen Zipfeln. Blütenkrone weiß, rötlich-violett, blau, in der Mitte mit gelbgrünem Stern, radförmig ausgebreitet, mit fünflappigem bzw. fünfeckigem, gefaltetem Saum. Die fünf lebhaft gelben Staubbeutel nach oben kegelförmig zusammenneigend. Griffel lang, im unteren Teile gewöhnlich gekrümmt. Fruchtknoten eiförmig. Frucht eine kugelige, etwa kirschgroße, gelblichgrüne, fleischige, vielsamige Beere. Heimat: Südamerika. - Die Knollen der Kartoffel sind Verdickungen an den Enden der unterirdischen Ausläufer. Sie sind im wesentlichen mit Stärkemehl gefüllt und stellen somit Reservespeicher der Pflanze dar. Die Knollen sind Überwinterungsorgane und dienen zur Fortpflanzung und Vermehrung. Die Keimung erfolgt nicht unter 4°. Das Wachstum beginnt erst bei 10° Tagestemperatur. Die Kartoffel ist in einer großen Anzahl (an 1000) Sorten kultiviert. Sie wird von einer ganzen Reihe tierischer und pflanzlicher Schmarotzer befallen. Unter diesen ist besonders schädlich der Pilz Phytophthora infestans, der die Kraut- und Knollenfäule verursacht und in manchen Jahren bedeutenden Schaden anrichtet. Wie nun Kuckuck (Von der Wildpflanze zur Kulturpflanze) berichtet, gibt es in Mexiko einige knollentragende Wildkartoffeln, die immun gegen Kraut- und Knollenfäule sind. Durch Kombinationszüchtung, d. h. durch Kreuzungen der Wildkartoffeln mit Kulturkartoffeln, ist es schon möglich gewesen, seuchenfeste Bastardezuerhalten. Es ist nur eine Frage der Zeit, durch wiederholte Rückkreuzungen und Ausmerzung der anfälligen Pflanzen solche Bastarde zu erhalten, bei denen die Widerstandsfähigkeit mit all den anderen erwünschten Merkmalen der Kulturformen kombiniert ist. Es ist ja z. B. auch gelungen, im "Müncheberger Bronzeschwein" durch ein ähnliches Verfahren, durch Kreuzung mit der Wildform, eine seuchenfeste Schweinerasse zu erzielen.

Geschichtliches und Allgemeines:

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelangten die ersten Nachrichten von der Kartoffel durch Pedro de Cieza (Chronik von Peru) und Lopez von Gomara (Geschichte von Amerika, 1554) nach Europa. Ob die ersten Kartoffeln durch zurückkehrende Kolonisten, durch Franz Drake oder Walter Raleigh in der alten Welt eingeführt worden sind, ist ungeklärt. Die erste Abbildung der Kartoffelpflanze unter dem Namen Arachidna Theophrasti lieferte Clusius, und noch im Jahre 1616 wurden die Kartoffeln als eine Seltenheit an der königlichen Tafel in Paris verspeist. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts breitete sich dann ihre Kultur über ganz Mitteleuropa aus. - In der Arzneikunde wurde die Kartoffel mit gutem Erfolge gegen Skorbut und mit China zusammen gegen Wechselfieber verwendet. Der Extrakt aus den Blättern und Stengeln, der eine opiumähnliche Wirkung hat, wurde gegen Husten und Krämpfe gegeben.

Wirkung

In der Volksmedizin findet das Wasser, in dem ungeschälte Kartoffeln gekocht worden sind, als gutes Mittel bei trockenem Kehlkopfkatarrh und Bronchitis Anwendung. Auch schlafbringende Wirkung wird ihm zugeschrieben. Äußerlich gebraucht man rohe geriebene Kartoffeln als erstes Mittel bei Verbrühungen und Verbrennungen (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 146.).

Die Kartoffelknolle enthält neben Solanin und Stärke in kleinen Mengen Zitronen- und Äpfelsäure, Milchsäure, oxalsaure Salze, vielleicht auch Weinsäure (Wehmer, Pflanzenstoffe, S. 1095.).

Nach Boemer und Mattis (Boemer u. Mattis, Ztschr. f. Nahrungsmittelunsers., 47, 97, 1924.) findet sich in gewöhnlichen Kartoffeln 2-10 mg Solanin in 100 g, in gesundheitsschädlichen Kartoffeln 26-58 mg. Th. Sabalitschka und C. Jungermann (Th. Sabalitschka u. C. Jungermann, Pharm. Ztg. 1925, 70, 272.) sind der Ansicht, daß die Kaliumdüngung den Solaningehalt der Kartoffel begünstigt und eine Steigerung bis 0,0145% bewirken kann, ohne daß dadurch die Kartoffeln für menschlichen Genuß unbrauchbar werden.

Seel (Seel, Pharm. Ztg. 1925, S. 938.) weist darauf hin, daß sogenannte Solaninvergiftungen bei Kartoffeln hauptsächlich auf Bakterien zurückzuführen sind.

Bei einer Vergiftung nach dem Genuß gegrünter Kartoffeln starben von den sechs erkrankten Personen zwei. Die Symptome waren folgende: Nach dem Genuß Schmerzen im Epigastrium; 1-2 Stunden später Übelsein, Erbrechen gallig gefärbten Mageninhalts. Bei den meisten Patienten Verstopfung. Temperatur zwischen 36,3 und 37°. Apathie und Erschöpfung. Sehr beschwerte Respiration. Keine Krämpfe. Bei den Personen, die der Vergiftung erlagen, volles Bewußtsein bis einige Stunden vor dem am 7. und 9. Tage nach dem Kartoffelgenuß erfolgten Tod (Schwarz, in G. u. F. Klemperers Neue deutsche Klinik, Bd. 7, S. 696.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Der Saft der rohen, möglichst roten Kartoffelknolle ist bei schwerer chronischer Hyperazidität indiziert. Es ist hier nicht ein Dämpfungsmittel, sondern ein Heilmittel erster Klasse. Bei längerem Gebrauch des Saftes der rohen geriebenen Kartoffel oder des aus diesem hergestellten "Teeps" verschwindet auch die häufig mit Pyrosis auftretende hartnäckige Obstipation.

Spastische Obstipation, Gastrosuccorrhöe und dyspeptische Zustände nervösen Ursprungs sprechen günstig auf Solanum tuberosum an. Bei Ulcus ventriculi sah Becker, Berlin, Erfolg. Schließlich kann Solanum noch bei Pharyngitis, Laryngitis und Bronchitis mit reichlicher Schleimabsonderung im Wechsel mit Marrubium, Teucrium oder Arnica gegeben werden. Äußerlich wird die Kartoffel als erste Hilfe bei Verbrennungen und Verbrühungen angewandt. Bei rheumatischen Gliederschwellungen und Gichtanfällen helfen Bäder gut, die durch Übergießen geriebener Kartoffeln mit heißem Wasser hergestellt werden. Als schmerzlindernd und heilend sind heiße Breipackungen und Umschläge bei Pneumonie, Nephritis, Brustverschleimung und Koliken im Gebrauch. Ebenso werden Breipackungen bei Ulcus cruris, anderen Ulzera und Eiterungen angewandt.

Dosierung:

Übliche Dosis:
1/8 Liter des Saftes mehrmals täglich (Raabe).
1 Kapsel Solanum "Teep" pur. drei- bis viermal täglich.
(1 Kapsel enthält 0,8 g nach besonderem Verfahren eingedickten Saft von rohen, roten Kartoffeln.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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