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Nux vomica. Brechnuß. Loganiaceae.

Botanical name:

Name: Strýchnos nux vómica L. (= Strychnos lucida R. Br., = Strychnos colubrina Wight). Brechnußbaum, Krähenaugenbaum. Französisch: Noix vomique; englisch: Poison nut-tree; dänisch: Räve kager; italienisch: Noce vomica; norwegisch: Revekake; polnisch: Kulczyba; russisch: Czylibucha, Kuczelaba; schwedisch: Rävkaka; tschechisch: Vrani oka, dávivé ořechy.

Weiteres Vorkommen: Nordaustralien.

Namensursprung: Strychnos war bei den griechischen Ärzten der Name für verschiedene giftige Solanaceen. Nach Tschirch findet sich die lateinische Bezeichnung Nux vomica zuerst in einer lateinischen Übersetzung des Serapion. Nux = Nuß, vomica vom lateinischen vomere = brechen, also brechenerregende Nuß. Krähenaugen werden die Samen wegen ihres augenartigen Aussehens genannt.

Botanisches: Der 10-13 m hohe Baum ist vom tropischen Indien bis Nordaustralien heimisch. Seine kahlen, breiteiförmigen Blätter stehen kreuzgegenständig. Die weißen, langröhrigen Blüten sind zu doldenartigen Blütenständen vereinigt. In dem weißen Fruchtfleisch der graugelben, kugeligen Früchte sind zumeist zwei bis vier Samen enthalten.

Geschichtliches und Allgemeines:

Über die Verwendung der Brechnuß im Altertum finden sich keine Angaben, obwohl in Indien die Blätter, das Holz und die Rinde des Strychnos Nux vomica ohne Zweifel schon lange im medizinischen Gebrauch gewesen sind. Sogar Garcia de Orta, welcher 1534 als Arzt in Goa lebte, weiß nichts von der Droge zu berichten. Sichere Nachrichten von ihr erhalten wir erst durch die arabischen Ärzte des Mittelalters, durch welche sie wohl auch im 15. Jahrhundert in Europa bekannt geworden ist. Im 16. Jahrhundert ist die Droge bereits in verschiedenen deutschen Apothekertaxen aufgezählt, und 1561 gab Valerius Cordus von ihr eine gute Beschreibung. L. Fuchs und Bauhin, welche in ihr das Methel des Avicenna zu erkennen glauben, nennen sie Nux Metella, während Rheede sie in seinem Hortus malabaricus (1678) unter dem Namen Caniram abbildet. Im 17. Jahrhundert waren die Brechnüsse auch in England bekannt und wurden nach Parkinson hauptsächlich zum Vergiften von Hunden, Katzen, Krähen, Raben usw. angewandt.

Wie Zaunick in "Die Fischerei-Tollköder in Europa vom Altertum bis zur Neuzeit" (1929) schreibt, haben die Krähenaugen früher zusammen mit den Kokkelskörnern zu den beliebtesten Tollködern gehört, die zum Betäuben der Fische verwendet wurden. Auch heute sollen noch, trotz des strengen Verbotes dieser Art des Fischfanges, die Krähenaugen hin und wieder mit Brot vermischt und zu Kügelchen geformt zu diesem Zweck verwendet werden.

In Indien wird die Droge als Tonikum und Antirheumatikum, sowie gegen den Schlangenbiß gebraucht. Die Veterinärmedizin verwendet sie außer gegen Lähmungen auch gegen chronischen Magen- und Darmkatarrh, Anämie, Rachitis, als Antidot bei narkotischen Vergiftungen usw. Nach von Orfila angestellten Versuchen wirkt die Brechnuß bei Hunden rasch tödlich, während verschiedene andere Tierarten, so z. B. die Katze, eine geringere Empfindlichkeit ihren giftigen Wirkungen gegenüber zeigen. Die Schnecke wird überhaupt nicht vergiftet, und dem Nashornvogel dient der Strychnossamen sogar als Nahrung. Selbstmordversuche damit sind häufig vorgekommen. Die folgende Beschreibung eines solchen Falles ist dem Giftpflanzenbuch von Berge und Riecke entnommen: Eine Frau nahm einige Gaben gepulverte Brechnuß. Sie bekam tetanusartige Anfälle, während welcher der Körper steif ausgestreckt war, Puls und Atem unmerklich wurden, Gesicht und Hände sich bläulich färbten und die Muskeln des Gesichts in die stärksten Zuckungen gerieten. Drei dieser Anfälle wiederholten sich innerhalb zweier Minuten. Während des vierten Anfalls verfiel sie in einen asphyktischen Zustand, die Gesichtsmuskeln blieben konvulsivisch zusammengezogen, die Lippen nach der Seite verzogen, das Gesicht war sehr entstellt Nach einer Stunde trat der Tod ein.

Strychnin wurde 1818 von Pelletier und Caventou isoliert, von Liebig und anderen wurde die Zusammensetzung ermittelt.

Wirkung

Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 127 D.) und Tabernaemontanus (Tabernaemontanus, Kreuterbuch, 1591, S. 626 C.) schildern die Krähenaugen als Emetikum, Purgans und als wirksam zum Austreiben der "Phlegmatischen und Cholerischen feuchtigkeit".

Ihrer starken Wirkung wegen kamen sie außer Gebrauch; so berichtet v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 1074.): "Die Alte haben zwar diese Früchten unter die gifttreibende Arzneyen gezählet, heut zu Tag aber getrauet man sich nimmer dieselbe zu gebrauchen, da sie die meiste fleischfressende Thiere tödten, mit vielen gichterischen Bewegungen, und auch den Menschen sehr gewaltig Erbrechen machen."

Schon ein halbes Jahrhundert später hatte sich diese Ansicht geändert, denn Hecker (Hecker, Pract. Arzneimittell., 1814, Bd. 1, S. 447.) schreibt, daß die Krähenaugen die Kräfte der tonischen Mittel mit denen der beruhigenden in sich vereinten und empfiehlt sie bei Wechselfieber, Typhus, Dysenterie und deren Folgen, chronischen Diarrhöen infolge gesteigerter Reizbarkeit, hartnäckigen Rheumatismen und Gicht, Nervenkrankheiten, Würmern, Kachexie (Hydrops, malignen Ulzera) und Gonorrhöe.

Hufeland (Hufeland, Enchir. med., S. 173, 215, 295, 298, 303; Journ., Bd. 1, S. 103, 114, 124, Bd. 30, III., S. 14.) wandte die Brechnuß mit mancherlei Indikationen an: bei Tremor, Nervenschwäche, Dysenterie und Obstipation (in homöopathischer Dosis).

Bei Rademacher (Rademacher, Erfahrungsheill., 1854, Bd. 1, S. 258, 196, 414, 190, 192, 498, Bd. 2, S. 358.) war die Brechnuß ein sehr beliebtes Mittel gegen Leberleiden, Gallenfieber, Ikterus, Hydrops und Vomitus, in Verbindung mit Asa foetida gegen Kolik, mit Castoreum gegen Dysmenorrhöe.

Vielseitig ist auch der Wirkungsbereich, den Clarus (Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., S. 647.) der Nux vomica zuschreibt. Er verordnet sie bei Kardialgien als Anodynum und Antispasmodikum wie auch wegen ihrer Eigenschaft, den gegen andere Mittel renitenten Magen zur Aufnahme dieser Mittel zu disponieren; bei chronischen Magenkatarrhen mit abnormer Säurebildung und Appetitlosigkeit bezeichnet er sie als "ein sehr empfehlenswertes Präparat" und verordnet sie auch gegen profuse Darmsekretionen bei Gastrointestinalkatarrh, Dysenterie und Cholera, hier namentlich im zweiten Stadium mit ausgesprochenen Rückenmarkssymptomen (Krämpfen); bei Lähmungen der Blase mit Inkontinenz soll Nux vomica ein gutes Heilmittel sein. Auch bei Lähmungen motorischer Nerven, wenn die gelähmten Muskeln noch nicht hochgradig atrophiert oder fettig degeneriert sind, und bei rheumatischen Lähmungen verordnet er Nux vomica und beschreibt den Fall eines 16jährigen Patienten, der seit 8 Jahren infolge Spinalmeningitis an Armen und Beinen gelähmt war und den neunmonatiger Gebrauch von täglich dreimal 0,012 g Extr. nuc. vom. spir. in Verbindung mit Strychninsalbe, Kalmusbädern und guter Kost erwerbsfähig machte. Schließlich erwähnt Clarus noch die Verordnung von Nux vomica bei asthmatischen Beschwerden und Pertussis.

Paralysis durch Bleivergiftung, Neuralgien, Epilepsie, Chorea, Impotenz, Incontinentia urinae, Spermatorrhöe, Schwächezustände nach schweren Krankheiten, atonische Diarrhöe, chronische Dysenterie, atonische Obstipation, Pyrosis, Rektumvorfall, Amaurosis zählen u. a. zu den Krankheiten, die nach Bentley und Trimen (Bentley and Trimen, Medicinal Plants, Bd. III, S. 178, London 1880.) in der englischen Medizin mit Nux vomica behandelt wurden.

In China (Tsutomu Ishidoya, Chinesische Drogen, Teil I, S. 78.) befindet sich die Brechnuß unter dem Drogennamen Fan-mu-pieh u. a. als Mittel gegen Typhus, Kopfschmerzen und Fieber im Gebrauch.

Padioleau (Padioleau, Abeille méd. 1850, Januar.) empfiehlt die Brechnußtinktur gegen nervöses Erbrechen, das nur durch Sensibilitätsstörung bedingt wird.

Besserung eines Lungenemphysems durch Gaben von Nux vomica will Homolle (Homolle, Bull. de Thér. 1850.) beobachtet haben.

In neuerer Zeit wird Nux vomica von der Schulmedizin nur noch selten - bei alkoholischen Lähmungen (Marfori-Bachem, Lehrb. d. klin. Pharmakologie, S. 372, Leipzig 1928.) - angewandt, häufiger wird sein Hauptbestandteil, das Strychnin, verordnet, so z. B. bei Rückenmarkserkrankungen wie Tabes, Sehnerven- und progressiver Muskelatrophie (Hammond, Boston Med. a. Surg. Journ. 1903, 27. Aug.), bei schwerem Asthma bronchiale (Coriveaud, Journ. des practiciens 1908, Nr. 49.), bei Grippepneumonie zur Hebung des Gefäßmuskeltonus (Jagič, Wien. med. Wschr. 1919, Nr. 23, S. 1147; Blank, Therapie d. Gegenwart 1920, Nr. 9, S. 305.) u. a.

Hinsichtlich der klinischen und experimentellen Beurteilung der analeptischen Wirkung des Strychnins vergl. Hildebrandt und Killian (Hildebrandt, Verhandl. d. dtsch. pharmakol. Ges. 1936, S. 89; Killian, ebenda, S. 105.). Vielfach empfohlen wird das Strychnin bei motorischen Lähmungen. Wo die Lähmung noch nicht vollständig ist, begünstigt es die Wiederherstellung der motorischen Funktionen. Erfolge werden auch beschrieben bei sphinkteren Lähmungen und Enuresis nocturna und angebliche Besserung von gewissen Amblyopien und Amaurosen durch Strychnininjektionen. Auch Besserung der Hörfähigkeit ist beobachtet worden. Gut begründet ist die Anwendung als Antidot bei narkotischen Vergiftungen, insbesondere bei Vergiftungen (vgl. Beispiel für die Anwendung S. 1995) mit Chloralhydrat, Alkohol und zentrallähmenden Schlangengiften. Das Strychnin kann lange in der Leber festgehalten werden, und darum ist Anhäufung täglicher Gaben im Körper denkbar. Die Erfolge der Strychninkuren treten darum oft erst spät ein. Doch kann es auch zu kumulativer Vergiftung kommen. Auch die Tinktura Strychni wird bei Atonie des Magen-Darmkanals gern gegeben. Sie erregt nachweislich die nervösen Zentren und den Muskeltonus der Darmwand, und der Gehalt solcher Extrakte und Tinkturen an kolloiden Nebenbestandteilen führt zu einer Bevorzugung dieser Darreichung gegenüber den Alkaloiden (Meyer-Gottlieb, Exp. Pharmakologie, S. 52, 1933.).

Thorpe (Thorpe, Lancet 1904, 4211.) fand große Mengen von Strychnin in einem bewährten chinesischen Geheimmittel gegen Lyssa.

Infolge der anregenden Wirkung des Strychnins auf die Magensaftsekretion wird neuerdings sein Gebrauch als Probetrunk für Magensaftuntersuchungen befürwortet (Korbsch, Münchn. med. Wschr. 1931, Nr. 18, S. 752.).

Über die homöopathische Wirkungsweise der Brechnuß äußert sich Hahnemann (Hahnemann, Hufelands Journal, Bd. 2, S. 495.): ". . . Dies als wahr angenommen, erzeugt er einen, den hysterischen und hypochondrischen Paroxysmen ziemlich ähnlichen Anfall und es erhellet, warum er gegen dieses Übel so oft hülfreich gewesen. - Die Neigung, in anfänglicher direkter Wirkung die Zusammenziehbarkeit der Muskeln und Zuckungen zu erregen, und endlich in der Nachwirkung die Zusammenziehbarkeit der Muskeln möglichst zu mindern, zeigt eine so große Ähnlichkeit mit der Fallsucht, daß man schon hieraus vermuthen könnte, er müsse dergleichen heilen, wenns nicht schon die Erfahrung zeigte. - Seine Neigung, Krämpfe des Unterleibes und Angst und Magenschmerz zu erregen, nutzte ich bei einem dysenterischen Fieber (ohne Ruhr) bei Hausgenossen von Ruhrkranken. Er minderte hier die Unbehaglichkeit in allen Gliedern, die Verdrießlichkeit, die Ängstlichkeit und das Magendrücken wirksam . . ."

In der neueren homöopathischen Schule (Hughes-Donner, Einführung in die homöopathische Arzneimittellehre, S. 170; Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 721.) ist Nux vomica eins der am meisten verordneten Mittel der täglichen Praxis geworden. Es spielt bei allgemein spastischen Zuständen eine große Rolle, so bei Magen- und Blasenkrämpfen, häufigem Stuhlgang mit Koliken, überhaupt wird es in erster Linie bei Störungen des Magen-Darmtraktus angewendet. Man gibt es, wenn bei Nahrungsaufnahme Schmerzen bestehen und zuweilen Erbrechen auftritt, die Zunge bis in die hinteren Partien belegt ist, der Patient über Verstopfungsbeschwerden klagt, verbunden mit kongestiven Kopfschmerzen. Auch bei nervösen Magenschmerzen der Geistesarbeiter und von Leuten mit sitzender Lebensweise ist es sehr beliebt. Das Mittel findet weitere Anwendung bei Hämorrhoiden und Störungen der Leberund Gallentätigkeit. Auch bei den Erkrankungen der Atmungsorgane, der Harn- und Sexualorgane wird es vielfach gegeben. Nach Loben (Loben, Hippokrates 1935, S. 408.) bewährte sich die Brechnuß (in der 2.-6. Verdünnung) sehr gut bei allen Angina pectoris-ähnlichen Zuständen, bei Druck in der Herzgegend und auf der ganzen Brust. Beide Formen, sowohl die Angina pectoris vera wie die Angina pectoris spuria sprachen gut darauf an.

Nach Witkowski (Witkowski, Dtsch. Ztschr. f. Homöopathie 1932, S. 111.) wirkt Nux vomica in der Urtinktur in zwei- bis dreistündlichen Gaben spezifisch bei frischem Lumbago.

Wizenmann (Wizenmann, Heilung und Heiligung, Bd. 5, S. 1725, 1930.) zählt Nux vomica D 4 zu den wichtigsten Mitteln bei Krampfadern.

Die Anwendung bei Wundstarrkrampf, die sich auch in der homöopathischen Literatur findet, wurde von Kießkalt (Kießkalt, Münchn. med. Wschr. 1932, S. 986.) im Tierexperiment mit negativem Erfolge nachgeprüft.

In homöopathischen Dosen hat sie sich auch in der Veterinärmedizin gelegentlich bewährt. So wurden nach Vaeth (Vaeth, Die Staupe der Hunde u. Silberfüchse, S. 38, Hannover 1929.) mit Nux vomica D 5 ausgezeichnete Erfolge bei Paralysen der Nachhand der Hunde erzielt. Bei Obstipation der Katzen wird Nux vomica D 4 empfohlen.

Nux vomica hemmt die abnorme Säurebildung im Magen, vermehrt infolge seines Gehaltes an außerordentlich bitter schmeckenden Alkaloiden die Sekretion des Speichels und der Darmschleimhaut und vermindert spasmodische oder neuralgische Affektionen im Magen-Darmkanal. In großen Dosen bewirkt es Unfähigkeit zu schlingen, Magenaufblähung und Zwerchfellparalyse, nicht immer Gastroenteritis ((Vgl. 7).). Auch scharlachähnliche Erytheme und vesikulöse Ausschläge wurden beobachtet (Lewin, Nebenwirkungen der Arzneimittel, S. 252.).

Die wirksamsten Substanzen der Nux vomica sind: Strychnin (etwa 0,7-1,5%), Brucin (1,1-2,2%) und Vomicin; ferner sind in ihr u. a. enthalten das Glykosid Loganin, Kaffeegerbsäure und fettes Öl (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 962.).

Das Strychnin entfaltet eine elektive Wirkung auf das Zentralnervensystem, insbesondere das Rückenmark, wo es bis aufs höchste gesteigerte Erregbarkeit des Reflexapparates hervorruft, indem es die Hemmungen aller seiner Neuronen aufhebt ((Vgl. 17).). Es tritt lange anhaltender Tetanus auf (Hoffmann, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1910, S. 233.).

Den Krämpfen folgt ein Lähmungsstadium ((Vgl. 12).). Auch das Vasomotorenzentrum wird erregt, wodurch Gefäßkontraktion und Blutdrucksteigerung eintritt. Infolge Kontraktion der Nierengefäße kommt es zu einer Verminderung der Diurese (Grützner, Arch. f. d. ges. Physiol., 11, 570, 1875.). Durch Erregung der Vaguskerne wird die Herzschlagfolge verlangsamt. Das Atmungszentrum wird durch kleine Dosen erregt, durch hohe gelähmt ((Vgl. 12).).

Zu Erstickungserscheinungen kommt es im Anfall durch Krampf der Atemmuskulatur.

Die Feststellung von Harley (Harley, Lancet 1855, I, 619, 647.), daß das Strychnin die Eigenschaft des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen, erheblich herabsetze, ist auch von späteren Forschern bestätigt worden.

Bezüglich der Körpertemperatur stellte Kionka (Kionka, Arch. Intern. de Pharmacodyn., 5, 111, 1898.) fest, daß kleine Strychnindosen eine ausgesprochene Wirkung besitzen. Nach größeren krampferzeugenden Dosen wurde zuerst ein kurzes Stadium von Temperaturerhöhung und dann trotz der Krämpfe ein ziemlich schroffer Abfall der Temperatur bis um etwa 2° beobachtet.

Auffallend ist die Schärfung der Sinnesfunktionen, insbesondere der Sehkraft (Lichtenfels, Sitz.-Ber. d. Wien. Akad. d. Wiss. 1851, Bd. 6, S. 338; Fröhlich, ebendort, S. 322; Filehne, Pflügers Arch. 1901, Bd. 83, S. 396; v. Hippel, über die Wirkungen d. Strychnins auf das normale und kranke Auge, Berlin 1873.), des Geruchssinnes und des Geschmackssinnes.

Auf das Urogenitalsystem wirkt Strychnin als Reizmittel; kleine Dosen erzeugen vermehrte Diurese, Harndrang, gesteigerte Libido, Erektionen und verstärkte Uteruskontraktionen; große Dosen rufen heftige Spasmen des Blasenschließmuskels, Urinretention und Lähmungserscheinungen hervor ((Vgl. 7).).

Da das Strychnin leicht von den verschiedensten Applikationsstellen resorbiert wird, hat man auch beim Menschen Vergiftungen nach den verschiedensten Darreichungsmethoden beobachtet. Interesse verdient die Mitteilung von Schüler (Schüler, Gaz. méd. de Paris 1861, 98.), nach der nach Aufbringen von etwa 3 mg Strychnin auf den unteren Tränenpunkt Tetanus beobachtet wurde.

Poulsson (Poulsson, in Heffter-Heubners Handb. d. exp. Pharm., Bd. II, 1, S. 330.), der eine ausführliche pharmakologische Darstellung des Strychnins bringt, schildert das Vergiftungsbild am Menschen wie folgt: "Die Prodromalsymptome, die je nach Beschaffenheit des Präparates und dem Füllungszustand des Magens wenige Minuten bis mehrere Stunden nach Einnahme des Giftes beginnen, bestehen in Unruhe und Schreckhaftigkeit, woran sich bald schmerzhafte Zuckungen in verschiedenen Muskelgruppen, Kontraktion von Nacken- und Kaumuskeln, Steifigkeit und Gefühl von Schwere im Brustkasten mit erschwerter Atmung und als Anzeichen, daß der Starrkrampf sich nähert, krampfhaftes Zusammenfahren bei Reizen anschließen. Schließlich bricht "wie durch einen elektrischen Schlag" der typische Tetanus aus. Alle Skelettmuskeln gehen auf einmal in tonische Kontraktion über, der Körper ruht in einem rückwärts konkaven Bogen auf Kopf und Fersen - seltener ist der Kopf nach vorn gezogen (Emprosthotonus) oder die Wirbelsäule nach der einen Seite gekrümmt (Pleurotonus) - die Bauchmuskeln sind bretthart kontrahiert und der Brustkorb ist unbeweglich fixiert. Infolge des Aufhörens der Atmung wird das Gesicht dunkelrot oder zyanotisch, die Venen schwellen an, die Bulbi treten hervor und die Pupillen erweitern sich; starke Erektionen können vorhanden sein. Das Bewußtsein ist beinahe immer erhalten und der Zustand äußerst schmerzhaft. Nach einigen Sekunden oder Minuten erschlaffen die Muskeln, der Anfall ist vorbei, und oft kann sich der Patient ungehindert bewegen. Nach kurzer Zeit meldet sich jedoch wieder eine aufs äußerste gesteigerte Reflexerregbarkeit, und scheinbar spontan, aber gewiß immer durch äußere Reize verursacht, - die leiseste Berührung, ein Laut, ein Lichtstrahl, ein Luftzug genügen, - bricht ein neuer Anfall aus, und die gleiche Szene wiederholt sich mit unverminderter Hartnäckigkeit. In den Pausen zwischen den Attacken kann man auch leichtere Krämpfe von mehr klonischem Charakter sehen. Mehr als 3-5 Anfälle werden selten ertragen. Der Tod tritt in der Regel nicht während, sondern einige Sekunden oder Minuten nach Aufhören der Krämpfe unter dem Bild der Atemlähmung oder der vasomotorischen Lähmung ein. Starke Salivation ist häufig, Erbrechen dagegen selten, und der Name Nux vomica daher irreführend. Werden die ersten 2 Stunden überstanden, so endet die Vergiftung in der Regel günstig. Als Nachwirkungen werden u. a. beschrieben: Schwäche, Abspannung, psychische Störungen, Ikterus, dauernde Blindheit."

Die Ausscheidung des Strychnins erfolgt in erster Linie durch den Urin, und zwar haben die diesbezüglichen Untersuchungen ergeben, daß der überwiegende Teil des eingeführten Strychnins den Körper unverändert verläßt. Von der Mutter geht das Strychnin auf den Foetus über, und auch in der Milch strychninvergifteter Tiere wurde es nachgewiesen ((Vgl. 38).).

Hirnhäute, Gehirn, Rückenmark und periphere Nerven weisen starke Hyperämie und Blutaustritte auf ((Vgl. 12).). In der Leber ist fast gänzlicher Glykogenschwund festzustellen (Henke-Lubarsch, Handb. d. spez. path. Anat. u. Hist., Bd. 10, S. 371.).

Nach Meyer-Gottlieb ((Vgl. 17.) ist die beste Behandlung der Strychninvergiftung die mit Curare, weil dieses den motorischen Impulsen den Weg zu den Skelettmuskeln abschneidet. So vertragen Hunde z. B. das Doppelte der tödlichen Strychnindosis intravenös, wenn die Krämpfe durch Curare unterdrückt werden. Weiter kommt in Frage Chloralhydrat, Alkohol, per os oder im Klysma. Sind die Krämpfe ausgebrochen, so leite man Chloroform oder Äthernarkose ein, entleere nach Aufhören der Krämpfe den Magen durch Magenspülungen. Man gibt nach der Narkose Chloralhydrat als Klysma und weiter diuretische Mittel, um das Strychnin während des Chloralschlafes zur Ausscheidung zu bringen. Auch künstliche Atmung, Anwendung von Tierkohle ist von Nutzen.

Bei länger dauernder Strychninzufuhr besteht die Gefahr der Kumulation, durch die dann plötzlich die Strychninvergiftung auftritt (Lewin, Dtsch. med. Wschr. 1899, Nr. 43.). Diese Tatsache wurde auch in zahlreichen tierexperimentellen Untersuchungen festgestellt (Goldscheider, Ztschr. f. klin. Med., 26, 175, 1894; Hare, Amer. Journ. of Physiol., 5, 332, 1901; Schlegel, Diss. Berlin 1892 und andere.). Solche kumulativen Vergiftungen wurden auch bei Verabfolgung der Semina Strychni beobachtet (Lewin, Gifte und Vergiftungen, Berlin 1929, S. 799.).

Die Kumulation kommt wahrscheinlich dadurch zustande, daß Strychnin lange Zeit in der Leber festgehalten wird und sich dementsprechend anhäufen kann (Rautenfeld, Diss. Dorpat 1884; Plugge, Arch. d. Pharm., 223, 833, 1885.).

Brucin wirkt gleichartig, aber schwächer.

Das Verhältnis der letalen Dosen von Strychnin und Brucin beträgt bei verschiedenen Tierarten 1 : 37-1 : 50 (Falck, Vierteljahresber. f. ger. Med., 23, 78, 1875; Bratz, Diss. Kiel 1901; Reichert, Med. News, 72, 369, 1893.), bei Mäusen, die gegen Brucin sehr wenig empfindlich sind, 1 : 140 (Singer, Arch. f. Ophthalmologie, 50, 665, 1900.). Eine Zusammenstellung der wenig bedeutenden qualitativen Unterschiede in der Wirkung beider Substanzen gibt Poulsson ((Vgl. 38), S. 388.).

Vomicin ruft auf dem Wege über das Gehirn klonische Krämpfe hervor (Ruickoldt, Naunyn-Schmiedebergs Arch. f. exp. Path. u. Pharm. 1930, Bd. 145, S. 370.). Beyer (Beyer, Dtsch. Ztschr. f. Homöopathie, Jahrg. 13, H. 9.) gelang es durch systematische Vorbehandlung weiße Mäuse gegen das Gift der Nux vomica resistent zu machen, so daß sie die tödliche Dosis vertrugen. Das Serum der Tiere, welche die sonst tödliche Vergiftung überstanden hatten, schützte in mehreren Fällen ein zweites, nicht vorbehandeltes Tier gegen die tödliche Dosis.

Bei den Untersuchungen über Strychningewöhnung an Meerschweinchen und Hunden konnte nur eine mäßige Resistenzsteigerung festgestellt werden (Launoy, Compt. rend. de l'acad. des Sci., 152, 1698, 1911; Hale, Journ. of Pharmacol. and exp. ther., 1, 39, 1909/10.).

Umgekehrt ist die kumulative Wirkung von Strychnin im Tierexperiment öfters erwiesen worden. So erhielt nach Meier (Meier, Berl. klin. Wschr. 1905, 1225.) ein Kaninchen von 1200 g Gewicht 12 Tage hintereinander 0,5 mg Strychnin ohne Vergiftung, am 13. Tage löste die gleiche Dosis heftigen Tetanus aus. Die Meierschen und Beyerschen Versuche sind schlecht vergleichbar, weil Meier Strychnin und Beyer den alkoholischen Vollauszug prüfte, der also noch andere Wirkstoffe enthielt.

Weibliche Ratten sollen für Strychnin empfindlicher sein als männliche. Die Widerstandsfähigkeit gegen Strychnin nimmt mit dem Alter zu (Ch. F. Poe, J. F. Suchy and N. F. Witt, J. Pharmacol. exp. therapeut., 58, 239-42, 1936; Boulder Colorado, Univ. Dep. Chem.).

Brucin ist in wäßriger Lösung gegen Temperaturen bis 100° beständig und erleidet keinerlei Veränderungen. Sauerstoff wirkt bei höheren Temperaturen merklich oxydierend, wobei als Oxydationsprodukt Brucinin entsteht. Die Oxydation wird beschleunigt bei Anwesenheit von Penicilliumarten (R. Dietzel, Fortschritte der Therapie 1937, H. 3, S. 155.).

Wie Plum (Plum, Naunyn-Schmiedebergs Arch. f. exp. Path. u. Pharm., Bd. 184, H. 2/3, S. 133.) berichtet, haben Versuche ergeben, daß Carassius vulgaris eine große Strychninempfindlichkeit besitzt und sich vorzüglich für die quantitative Bestimmung von Strychninlösungen eignet. 0,0001 mg Strychnin läßt sich noch deutlich nachweisen, eine Menge, die erheblich unterhalb der Empfindlichkeitsgrenze aller bis jetzt bekannten pharmakologischen Nachweismethoden für Strychnin liegt.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Das Extractum Strychni (Brechnußextrakt) wird in Pillen, Pulvern zu 0,01 bis 0,05 g als Tonikum und Stimulans bei atonischer Verdauungsschwäche, nervösen Diarrhöen, neurasthenischen Zuständen, Incontinentia urinae, Prolapsus ani angewendet. Auch bei motorischen Lähmungen, Paresen werden oft gute Erfolge gesehen. Ebenso ist es bei Alkoholvergiftung, Kachexien, Schwangerschaftserbrechen und rheumatischen Zuständen beliebt. Die Tinktura Strychni wird bei den gleichen Indikationen angewendet. Eine größere Rolle spielt das Strychninum nitricum. In Verbindung mit Eisen, Chinin, Arsen und Digitalis ist es ein gutes Tonikum bei Herzkrankheiten, Arhythmien, Atonie der Verdauungsorgane, Schwächezuständen, Neurosen; selbst bei Lungentuberkulose wird es als Roborans gegeben, weiter auch bei Diabetes insipidus. Bei frischen Apoplexien gilt es als kontraindiziert, hingegen wird es auch sehr gern bei den verschiedensten Lähmungen angewendet. Insbesondere bei postapoplektischen Hemiplegien, Fazialislähmungen, Lähmungen nach Diphtherie, Stimmbandlähmungen, Schwerhörigkeit, Blasenlähmung, Enuresis, Amaurosis sind vielfach gute Erfolge beobachtet worden. Bei der nervösen Form des Diabetes insipidus gilt es als gut wirksam, jedoch als nutzlos bei der hypophysären Form. Von Krampfzuständen wird es im wesentlichen nur bei Schreibkrampf gegeben.

Zur Frage des Symptomenbildes in der Homöopathie verweise ich auf die homöopathische Fachliteratur. Einzelne homöopathische Indikationen seien noch erwähnt. So gilt Nux vomica in der Homöopathie als sehr gutes Mittel bei nervösen und gastrischen Störungen hochgradig reizbarer und empfindlicher Patienten. Besonders indiziert erscheint es hier vor allem bei Stoffwechsel- und Verdauungsstörungen infolge sitzender Lebensweise, Neurasthenie, Alkohol- und Kaffeemißbrauch. Einzelindikationen sind: spastische und atonische Obstipation (bei atonischer Verstopfung hilft nach Donner Nux vomica D 2-3 oft noch dann, wenn andere Mittel versagt haben), Dyspepsie mit aufgetriebener Magengegend (Völlegefühl, Luftaufstoßen, unregelmäßigem Stuhlgang, blindem Drang und kleinkalibrigen Stühlen), akute und chronische Gastritis (Runck, Ludwigshafen, gibt vor dem Essen Nux vomica "Teep" D 2 und nach dem Essen sofort Belladonna "Teep" D 2), auch Gastritis alcoholica und Magenkatarrh mit Nausea, Vomitus, Magensenkung (Nux vomica "Teep" D 4 im Wechsel mit Carbo veg. D 4), Enteritis, Hyperemesis gravidarum, Gastro- und Enterospasmen. Hyperaziditätsbeschwerden, sowohl rein nervöse als auch bei Ulcus ventriculi (Nux vomica "Teep" D 4 mit Arg. nitr. D 4 in zweistündlichem Wechsel), gastrisches Fieber und Magenbeschwerden infolge von übermäßigem Fleisch- und Fettgenuß. Auch Pfortaderkreislauf-, Leberund Gallenstörungen (Konkrementbildungen) und Hämorrhoiden werden günstig beeinflußt. Eine recht erhebliche Anzahl von Paradentosefällen (Gingivitis chronica) ist durch Nux vomica "Teep" D 4 im Wechsel mit Staphisagria "Teep" D 4, dreistündlich 1 Tablette, und Einreiben des Zahnfleisches mit Mercur. sol. D 4 gebessert und geheilt worden.

Als gutes Nervenmittel und Tonikum hat sich die Brechnuß gezeigt bei Spinalirritation, Kopfschmerzen, Migräne, Delirium tremens, Schlaflosigkeit, Aufregungszuständen, Krämpfen, auch des Uterus, Angina pectoris (dazu auch Einreibungen des Brustbeins mit Redskin), unregelmäßiger Herztätigkeit, Palpitatio cordis, Psychosen, z. B. Zornanfällen, Pollutionen, Nervenzerrüttung infolge von Onanie und Kreislaufkollaps infolge von Alkohol- und Nikotinmißbrauch (nach Ensinger, Haltingen, ist Nux vomica in Weingegenden das tägliche Hausmittel gegen Alkoholschäden).

Auch Rheuma und Lumbago lassen das Mittel angezeigt erscheinen. So wurde von Janke ein Lokomotivführer, der während zweier Wochen immer nur mit aufgestütztem Kopf geschlafen hatte und über sehr heftige Nacken- und Rückenschmerzen klagte, durch Nux vomica D 4 und D 6 und Rhus tox. D 4 bei gleichzeitig äußerlicher Behandlung mit Redskin in 2 Wochen geheilt. Bäder usw. hatten nichts geholfen. Bei Schließmuskelschwäche der Blase und Enuresis der Kinder wird Nux vomica D 2 von Kleine, Wuppertal, sehr gelobt. Pollutionen, Prostatahypertrophie, Wechselfieber und Menorhagie sind weitere Indikationen des mit Recht als Polychrest bezeichneten Mittels, das von Auburtin, Güstebiese, auch für wertvoll als Übergang zur eigenen Behandlung nach Überfütterung mit Medikamenten gehalten wird.

Beispiel für die Anwendung:

(Auzépy, P., Boll. Soc. méd. Hôp. Paris III, s. 52, 193-197, 1936 ref. in Ber. über die ges. Physiol. u. exp. Pharm. Bd. 94, H. 3/4, S. 330.)

26jährige Frau hat 10 Tabletten Gardenal (Luminal) genommen. Bei der Krankenhausaufnahme stärkste Cyanose, Puls kaum fühlbar, Fehlen der Sehnen-, Haut- und Cornealreflexe, ebenso der Lichtreaktion der Pupillen. Bald verschwindet der Puls vollkommen, die Atmung stockt, die Herztöne sind nicht mehr hörbar. Patientin erhält sogleich auf der Tragbahre 1 cg Strychnin, dann, da die Venen nicht mehr fühlbar sind, 4 cg Strychnin mit 1/4 mg Oubain (g-Strophanthin intrakardial). Die Nadel bleibt im Herzen, die Atmung setzt wieder ein, der Puls wird fühlbar. Aderlaß von 600 ccm. Als der Puls wieder schwächer wird, erhält die Patientin durch die noch liegende Nadel 1 mg Adrenalin intrakardial. Schnelle Erholung, Fieberanstieg bis 39,3. Im Laufe des Tages noch zwei Gaben von je 5 mg Strychnin. Glatter Heilungsverlauf. Bemerkenswert erscheint der äußerst gefahrdrohende Zustand bei der verhältnismäßig nicht allzu hohen Dosis des Giftes, der unerwartete Erfolg der intrakardialen Einspritzung und endlich die Toleranz des Herzens für die brutale Dosis Strychnin in Verbindung mit Oubain und Adrenalin.

Angewandter Pflanzenteil:

Verwendung finden allgemein die Samen, Sem. Nucis vomicae seu Sem. Strychni. Aus diesen wird auch das "Teep" gewonnen. Homöopathische Urtinktur nach HAB.: Reife Samen (§ 4).

Semen Strychni ist in allen Ländern offizinell.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,01-0,05 g des Extraktes (Klemperer-Rost);
0,1-0,5 g (2-10 Tropfen) der Tinktur mehrmals täglich (Klemperer-Rost).
1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 10% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,025 g Sem. Nucis vomicae oder bei einem Alkaloidgehalt der Droge von 2,5%, berechnet auf Strychnin und Brucin (entsprechend dem DAB. VI) zu gleichen Teilen, 0,6 mg Gesamtalkaloide.)

In der Homöopathie:

dil. D 3-4, dreimal täglich 10 Tropfen.
"Teep" D 4, dreimal täglich 1 Tablette.

Maximaldosis:

0,1 g pro dosi, 0,2 g pro die Sem. Strychni (Sem. Nucis vomicae), (DAB. VI) (die Maximaldosen der übrigen Pharmakopöen schwanken zwischen 0,1-0,2 g pro dosi und 0,2-0,6 g pro die);
0,05 g pro dosi, 0,1 g pro die Extractum Strychni (DAB. VI);
1 g pro dosi, 2 g pro die Tinct. Strychni (DAB. VI);
0,005 g pro dosi, 0,01 g pro die Strychninum nitricum (DAB. VI);
0,1 g pro dosi, 0,2 g pro die Brucinum.

Rezeptpflichtig:

Semen Strychni, Extractum Strychni, Tinctura Strychni, Tinctura Strychni aetherea, Strychninum et eius salia.
Brucinum et eius salia.
Homöopathische Zubereitungen bis D 3 einschließlich.

Rezepte:

Bei Kolik und Leberleiden (nach Rademacher, mod. Verf.):

Rp.:
Asae foetidae . . . 7,5
Lutei ovarum q. s.
Aquae . . . 240
Tinct. Nucis vomicae . . . 2
M.d.s.: Halb- bis einstündlich 1 Eßlöffel voll.
Rezepturpreis etwa 1.38 RM.

Als Stomachikum (nach Klemperer-Rost):

Rp.:
Tinct. Strychni . . . 3
Tinct. Chin. comp. . . . 30
M.d.s.: Dreimal tägl. 20 Tropfen.
Rezepturpreis ad vitr. pat. etwa 1.33 RM.

Bei Lähmungen verschiedener Genese (nach Meyer):

Rp.:
Tinct. Strychni . . . 10
D.s.: Dreimal täglich 5-10 Tropfen nehmen.
Rezepturpreis ad vit. pat. etwa -.67 RM.

Bei Lähmungen und Blasenschwäche (nach Trendelenburg):

Rp.:
Strychnini nitrici . . . 0,02
Aquae dest. . . . ad 10
M. D. ad vitr. collo amplo.
Sterilisa.
S.: Zwei- bis dreimal täglich 1 ccm subkutan.
Rezepturpreis ad vitr. coll. ampl. etwa 2.10 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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