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Trifolium arvense et Trifolium pratense. Katzenklee und Wiesenklee. Leguminosae.

Name: Trifólium arvénse L. Katzenklee, Hasenklee, Hasenpfötlein, Hasenfuß, Mäuseklee. Französisch: Pied de lièvre, mignonet; englisch: Hore's foot, hare's-foot, trefoil; italienisch: Pie di lepre, erba lepre, lagapo micino, moscino; dänisch: Hareklöver; schwedisch: Harklöver; tschechisch: Jetel rolní, jetel kočiči.

Weiteres Vorkommen: Nord-u. Westasien, Nordafrika, Abessinien, Kanaren.

Namensursprung: In dem Gattungsnamen Trifolium läßt sich leicht das lateinische tres, tria = drei und folium = Blatt, also Dreiblatt, erkennen; arvense von arvus = Acker bezeichnet den Standort der Pflanze. Die in der deutschen Bezeichnung steckende Wurzel klev oder klav ist Gemeingut fast aller germanischen und vieler slawischen Sprachen. Die Namen Hasenklee, Katzenklee usw. beziehen sich auf die weichbehaarten Blütenköpfe.

Volkstümliche Bezeichnungen (für T. arvense): Nach den weichbehaarten Blütenköpfen heißt die Art Katzenklee (auch volkstümlich), Kätzchen (Westfalen), Katzepfuut (Oberhessen), Miezchenklee (obersächsisch), Miezethee (Schlesien), Feldmiezlan (Riesengebirge), Zerrmaukel, Maukel = etwas Weiches, auch Katze (Nordböhmen), Mau(n)za(r)l (Niederöster-reich), Buseli, auch Katze (Elsaß), Haseklee (Schwäbische Alb), Wildhäschen (Nahegebiet), Hasenpfoten (Mecklenburg), Hâsensteert (Bremen), Muusklewer = Mäuseklee (plattdeutsch), Meisklee (Hunsrück). Nach dem Standort nennt man die Pflanze Brink- = Grasrain, Steenklewer (untere Weser). Auf die Verwendung der Pflanze gegen Durchfall gehen die drastischen Bezeichnungen Stoppars (plattdeutsch), Stuupzu (Ostpreußen), Stoppsloch (Erzgebirge).

Weiteres Vorkommen: Westasien (bis zum Altai, Baikal, Kaschmir, Vorderindien), Algerien. In Island verschleppt. Völlig eingebürgert in Nord-u. Südamerika sowie in Neuseeland.

Botanisches: Die einjährige oder überwinternd einjährige Pflanze mit ziemlich kräftiger Pfahlwurzel ist fast über ganz Eurasien und Nordafrika verbreitet. Ihre 5-30 cm langen Stengel sind oft sperrig verzweigt, kurzzottig behaart und gleich den Laubblättern oft rot überlaufen. Die dreizähligen Laubblätter mit lineal-läng-lichen Blättchen sind stengelständig und mit pfriemlichen Nebenblättchen versehen. Die achselständigen Blütenstände mit weißlichen, später rötlichen Blüten ähneln jungen Weidenkätzchen. Die in Größe und Behaarung stark variierende Pflanze bevorzugt trockene, leichte und kalkarme Böden, besonders Sand, Löß und Kies. Rohhumus und Torf sagen ihr weniger zu. Blütezeit: Juli bis September.

Name: Trifólium praténse L. (= purpureum Gilib. non Loisel.). Rotklee, Wiesenklee, Mattenklee. Französisch: Trèfle rouge, pourpre ou violet, trèfle des prés, triolet rose; englisch: Red clover, purple clover, broad clover; italienisch: Trifolgio rosso, capo-rosso; trafogliolo di prato, moscino; dänisch: Rödklöver, Suekop; norwegisch: Rödklöver; polnisch: Koniczyna; russisch: Klewer; schwedisch: Rödklöver; tschechisch: Jetel luční; ungarisch: Réti lóhere.

Namensursprung: Erklärung zu Trifolium und Klee siehe Trifolium arvense; pratense auf Wiesen wachsend.

Volkstümliche Bezeichnungen (für T. pratense): Nach der roten Farbe heißt diese Art vielerorts Fleischklee. Viele Benennungen beziehen sich auf die honigreichen Blüten, die gerne von Kindern gegessen bzw. ausgesaugt werden: Hungblueme, Hungsüger (Schweiz), Zuckerblüemli (Schweiz), Zuckerbrot (Schwäbische Alb), Himmelsbrod (schwäbisch, bayrisch-öster-reichisch), Herrgottsbrod (Ries), Herrgottafleisch (Schweiz), Frauen- = hl. Maria, Johannisbrod (Schwaben), (roter) Süger(li) (Schweiz) Sutzler (Tirol). Auf die Heimat bzw. Herkunft weisen hin deutscher Klee (z. B. Rheinlande), Steyrerklee, weil die Samen dieses Klees vorzüglich von der Stadt Steyr aus in den Handel kamen (österreich). Andere Bezeichnungen sind noch Kooblöme (Ostfriesland), Futterklewer (Braunschweig), Stupfleklee (Baden, Schweiz), Hummelchlee (Schweiz: Waldstätten), Pfundchlee (Aargau), Heublueme (Graubünden).

Botanisches: Die ausdauernde, in Eurasien heimische Rosetten-Pflanze mit kräftiger, bis zu 60 cm langer Pfahlwurzel und kurzem Erdstock ist heute auch in Amerika vollständig eingebürgert. Die aus den Achseln der unteren Rosettenblätter entspringenden oft rot überlaufenen Stengel werden 20-50 cm hoch. Stengel und auch die dreizähligen Blätter sind weißlich behaart. Die eiförmig-lanzettlichen Nebenblätter sind weit mit dem Blattstiel verwachsen. Die roten Blütenköpfe sind oft einander paarweise genähert. Blütezeit: Juni bis Herbst.

Die Art ist so formenreich, daß man sie schlechthin als Klee bezeichnet. In ihren Ansprüchen ist sie jedoch wählerisch. Sie verlangt einen bindigen, kalkhaltigen und gut zubereiteten Boden. Arme Sand-, hitzige Kalk- und saure Böden sagen ihr nicht zu. Besonders empfindlich ist sie gegen trockene Kälte des Frühsommers und gegen stauende Nässe.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die ersten Nachrichten über den Kleebau in Deutschland stammen aus dem 11. Jahrhundert. Schon in der Physika der hl. Hildegard erwähnt, erfreute sich der Wiesenklee in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts (vgl. Wirkung) einer besonderen Wertschätzung.

Der Katzenklee wurde unter dem Namen Lagopus, der noch bis ins 17. Jahrhundert als wissenschaftliche Bezeichnung für unsere Art galt, von Dioskurides als Antidiarrhoikum empfohlen. Offizinell waren früher das Kraut mit den Blumen, Herba cum Floribus Lagopi seu Trifolii leporini. Trifolium arvense wurde infolge seines guten Rufes als Mittel gegen Fieber und Durchfall zur Cholerazeit 1830 angewendet. Es erwies sich als ein mildes, kräftigendes und anregendes Mittel. Trifolium wird in Form von Kleegemüse (mit Spinat- und Schnittbohnengeschmack) auch zur menschlichen Ernährung benützt. Es sendet von allen Kulturpflanzen am meisten Toxine in den Boden, die den Wiederanbau vor 9-12 Jahren erschweren (Kleemüdigkeit).

Wirkung

Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, 1564, S. 180, 181.) schildert den Wiesenklee als erweichendes und weißflußstillendes Mittel, das auch äußerlich harte Knollen und Geschwüre erweiche und dem Foenum graecum in seiner Wirkung ähnele. Den Katzenklee empfiehlt er bei Blasenleiden, Diarrhöe und gleichfalls bei Weißfluß, äußerlich gegen Sonnenbrand.

Das gleiche schreibt Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 291.), der aber hinzufügt, daß der rote Klee die Menses stillen solle, während der weißblühende sie "flüssig mache".

Etwa 70 Jahre später widmet Zwinger (Zwinger, Theatrum botanicum 1696, S. 748.) dem Wiesenklee ein ausführliches Loblied, indem er schreibt: "Der gemeine Wiesenklee mit purpurfarbigen / oder weißen Büschel-blumen zu end des Mäy gegen dem Vollmond gesamlet / hat ein sehr miltes / gelind-flüchtiges / recht balsamisches / etwas scharfflichtes Saltz / in seinen safftigen blättern verborgen / und dadurch die Eigenschafft / nicht nur eine köstliche nahrung / sondern auch stattliche Artzney / so wol dem Viehe als dem Menschen zu geben; reiniget und versüßet daß scharffe / versaltzene / saure Geblüt / eröffnet die innerlichen Verstopffungen der Leber / Nieren / Miltz- und Krößadern / macht einen leichten Athem / ein fröhliches Gemüth / und guten Eßlust / mehrea den Säugenden die Milche / vertreibt den Scharbock / und heilet Wunden und Schäden."

Die heutige Volksmedizin verwendet Wiesenklee bei chronisch-katarrha-lischen Beschwerden wie Bronchitis, Gastritis, Fluor albus, äußerlich bei Konjunktivitis und hartnäckigen, auch karzinomatösen Ulzera; der Katzenklee wird als Mittel gegen Diarrhöe und als Brusttee gebraucht (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 214.).

Trifol. arvense enthält 4,05% (Nach eigenen Untersuchungen.) Gerbstoff; die wichtigsten Bestandteile des Wiesenklees sind furfurolhaltiges ätherisches Öl, das Glykosid Trifoliin und etwas Salizylsäure (Thoms, Handb. d. pr. u. wiss. Pharm., Bd. V, S. 1165 u. 1166.).

Als weitere Inhaltsstoffe von T. pratense nennt Wehmer (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, 1931, Bd. II, S. 531.) Asparagin, anscheinend Tyrosin, Hypoxanthin, Xanthin, Guanin, Pectase und Urease.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Trifolium arvense wird als Adstringens bei Diarrhöen und Dysenterie, ferner bei Fluor albus, Diabetes mellitus (hier hatte Bartels, Berlin, in einigen Fällen überraschend gute Erfolge, während andere ganz unbeeinflußt blieben) und starker Salivation mit Pankreasaffektionen gegeben.

Trifolium pratense wird mehr äußerlich zur Erweichung von Drüsenverhärtungen, bei Rheuma, Gicht und Crusta lactea angewandt. Peroral genommen regt es die Tätigkeit des Magens (chronische Stuhlverstopfung, Appetitlosigkeit), der Leber und Galle an und wird auch gegen Abmagerung und Menstruatio nimia gegeben.

Erkrankungen der Atmungsorgane, wie Bronchitis, Heiserkeit, Tussis und Dyspnoe, können mit beiden Mitteln behandelt werden.

Angewandter Pflanzenteil:

Blätter, Blumen und Samen kennt Lonicerus als verwendet.

Matthiolus erwähnt Blumen samt Stengel und Samen.

Nach Geiger werden verwendet Herba cum Floribus et Semina.

Thoms gibt von Trifolium pratense die Blüten, von T. arvense das Kraut an.

Nach Schulz werden Blüten und Kraut benutzt.

Das HAB. nennt zur Herstellung der Essenz die im Juli gesammelten frischen Pflanzen ohne Wurzel von Trifolium arvense (§ 3). Die frischen blühenden Pflanzen ohne Wurzeln von Trifolium pratense und Trifolium arvense werden auch für die "Teeps" benutzt.

Sammelzeit: Juli bis August.

Dosierung:

Übliche Dosis:
2 Tabletten der Frischpflanzenverreibung Trifolium arvense "Teep" dreimal täglich.
1 Tablette Trifolium pratense "Teep" drei- bis viermal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung beider Pflanzen ist auf 50% Pflanzen-substanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Hb. Trifolii arvensis bzw. Trifolii pratensis.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Diarrhöe:

Rp.:
Hb. Trifolii arvensis . . . 30 (= Katzenkleekraut)
D.s.: 6 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser heiß ansetzen, 10 Minuten ziehen lassen und tagsüber schluckweise trinken.
(Teezubereitung: Der im Verhältnis 1 : 20 heiß bereitete Tee gab einen Extraktgehalt von 1,6% gegenüber 1,1% bei kalter Zubereitung. Der Aschengehalt des Extraktes beträgt bei heißer Zubereitung 0,29% und bei kalter Zubereitung 0,26%. Die Peroxydasereaktion war mit Sicherheit nur in der kalten Zubereitung und auch da nur schwach positiv. Geschmacklich besteht zwischen beiden Zubereitungen kein Unterschied. Ein Ansatz 1 : 50 ist noch gut trinkbar.
1 Teelöffel voll wiegt etwa 0,6 g. Im Hinblick auf den höheren Extraktgehalt des heiß bereiteten Tees wird der Tee zweckmäßig heiß unter Verwendung von 2-3 Teelöffeln voll auf 1 Teeglas bereitet.).
Preis nach Arzneitaxe 10 g -.05 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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