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Veratrum viride. Grüner Germer, Amerikanische Nieswurz. Liliaceae.

Botanical name:

Name: Vératrum víride Ait. (Veratrum album var. viride Baker). Grüner Germer, Amerikanische Nieswurz. Französisch: Hellébore vert; englisch: American white helebore, Indian poke; dänisch: Grön Nyseurt; italienisch: Veratro verde.

Namensursprung: Erklärung zu Veratrum siehe Veratrum album; viride = grün.

Botanisches: Der Grüne Germer unterscheidet sich nur wenig vom Weißen Germer Europas. Vor allem ist der Wurzelstock der beiden Arten kaum verschieden. Bei V. viride sind die Blätter gefaltet, die unteren elliptisch. Die Blüten mit glockig-abstehenden, grünen Blumenblättern sind etwas länger und breiter. Sie sind länglich-oval, spitz, fein gesägt und wellig. Sie bilden zusammengesetzte Rispen. Die Pflanze ist in Nordamerika beheimatet. Blütezeit: Juli bis August.

Geschichtliches und Allgemeines:

Der Wurzelstock von Veratrum viride wird in Amerika seit langer Zeit als Antispasmodikum, Emetikum, Diuretikum, Sedativum und als Fiebermittel bei Pneumonie und anderen entzündlichen Affektionen gebraucht.

Wirkung

In Amerika wird Veratrum viride vorwiegend als Antispasmodikum, aber auch bei Herzleiden und Hydrops angewandt (Zörnig, Arzneidrogen, Bd. I, S. 553.).

Harley (Harley, Royle's Mat. med., S. 390.) reiht es seiner Wirkung nach zwischen Colchicum und Digitalis ein.

Gute Erfolge bei puerperaler Eklampsie sah Mangiagalli (Mangiagalli, Wien. med. Pr. 1903, S. 372.), der nach zweifacher Darreichung (Mercks Berichte 1902, S. 65.) Pulsverlangsamung und Blutdruckherabsetzung feststellte.

Zinke (Zinke, D. m. W. 1911, S. 1351.) und Haultain (Haultain, MacKennon, Barbour, M. m. W. 1914, S. 108.) wollen durch subkutane Injektion noch bessere Ergebnisse bei Eklampsia gravidarum bzw. puerperalis erzielt haben.

Der blutdruckerniedrigenden Wirkung bediente sich auch Pesci (Pesci, Gazz. d. ospedali e d. cliniche 1906, Nr. 60; Semaine méd. 1906, S. 415.) bei Nephritis parenchymatosa subacuta mit Urämie, Nephritis parenchymatosa chronica, Arteriosklerose und chronischer Bleivergiftung. Er beobachtete Abnahme des Blutdrucks um 7-50 mm Hg, Herabsetzung der Pulsfrequenz, Abnahme oder Verschwinden der Urämie und verstärkte Diurese. Bei Verabreichung per os empfiehlt er nach fünf- bis sechstägigem Gebrauch eine ebensolange Pause. Zu große Gaben erzeugten Vertigo, Vomitus und Arhythmie.

Von der Homöopathie (Hughes-Donner, Einführung i. d. hom. Arzneimittell., S. 219; Stauffer, Hom. Taschenb., S. 315.) wird Veratrum viride u. a. bei beginnenden schwersten Krankheiten wie Pneumonie, bei Puerperalfieber, Endo- und Perikarditis, Gehirnkrämpfen, Gastritis und Enteritis gegeben.

Bestandteile und Alkaloidgehalt der Droge sind die gleichen wie bei Veratrum album (Wehmer, Pflanzenstoffe, I, 1929, S. 143.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Veratrum viride wird nur in der Homöopathie angewendet, und zwar viel seltener als Veratrum album. Es eignet sich zur Verordnung bei zerebralen Reizzuständen und zum Kupieren akuter entzündlicher Prozesse mit starker arterieller Hyperämie, sowie bei allen infektiösen Fieberkrankheiten. Demnach gehören in das Indikationsbereich des Mittels Spasmen, wie Gehirnkrämpfe, Chorea, Epilepsie, Eklampsie, Tetanus und Herz- und Magenkrämpfe, Konvulsionen, Kongestionen zum Gehirn, Kopfschmerzen mit Vertigo, Delirien, Schlaflosigkeit, Hysterie und Nervenschwäche. Ebenso gibt man es bei Meningitis und Enzephalitis, Pneumonie mit drohender Lungenlähmung (hier konnte Janke zwei sehr schwere Fälle mit Veratrum D 4 im Wechsel mit Tartarus emeticus D 4 und Phosphorus heilen, und Richter hält es bei kruppöser Lungenentzündung im ersten Stadium für besser als Aconitum), Pleuritis, infektiösen Fieberkrankheiten, besonders Kopfgrippe und Puerperalfieber. Eine gute Herzwirkung zeigte sich bei Endound Perikarditis, Asthma cardiale, starkem Herzklopfen und -flattern, Herzstichen (mit Spigelia und Bryonia wechseln) und Kollaps. Weiter werden noch Rheumatismus, besonders akuter septischer Gelenkrheumatismus, Lähmungen der Glieder, Zerschlagenheitsgefühl, schwerste Gastritis, Magenschmerzen und -brennen, Nausea, Vomitus, nervöse Diarrhöe und Dysmenorrhöe günstig davon beeinflußt.

Als Wechselmittel kommen Belladonna, Gelsemium, Cuprum und Tartarus emeticus in Frage.

Angewandter Pflanzenteil:

Von Veratrum viride wird der Wurzelstock verwendet, wie auch Zörnig, Stauffer und Thoms angeben.

Das HAB. nennt zur Bereitung der Tinktur den getrockneten Wurzelstock mit den daranhängenden Wurzeln (§ 4). Das "Teep" wird, bis frische Wurzelstöcke zu beschaffen sind, ebenfalls aus getrockneten Wurzelstöcken hergestellt.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,06-0,24 g des Fluidextraktes (Potter);
0,12-0,6 g der Tinktur (Potter).
1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 1% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,0025 g Rhiz. Veratri viridis).

In der Homöopathie:

dil. D 4.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt, doch rufen zu hohe Dosen Vergiftungserscheinungen hervor, vgl. Wirkung.

Rezeptpflichtig:

Rhiz. Veratri viridis, Tinctura Veratri, homöopathische Zubereitungen bis D 3 einschließlich.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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