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Eryngium. Mannstreu. Umbelliferae.

Eryngium maritimum, Eryngium campestre et Eryngium planum. Stranddistel, Feld-Mannstreu und Flachblättrige Mannstreu.

Diese drei einheimischen Arten sollen wegen ihrer ähnlichen Wirkung zusammen behandelt werden.

Name: Eryngium marítimum L. ([= E. marinum Garsault] - E. maritimum tauricum Fischer). Stranddistel, Seestrand-Mannstreu, Seemannstreu, Blaue Dünendistel. Französisch: Panicaut maritime; englisch: Sea Holly; italienisch: Calcatreppola marina, erba S. Pietro, eríngio marino; dänisch: Havtidsel, Strand-Handstro; polnisch: Mikolajek morski; russisch: Siniegolownik; schwedisch: Martorn.

Namensursprung: Der schon im Altertum gebräuchliche Pflanzenname Eryngium (griechisch eryngion soll vom griechischen _ρνγγ_νω (aryngáno) oder _ρε_γομαι (ereúgomai) = rülpse, erbreche mich abgeleitet sein, weil die Pflanze als Heilmittel gegen Blähungen aller Art galt; maritimum in bezug auf das Vorkommen der Pflanze in Küstengegenden. Der Name Mannstreu könnte nach Hegi von der angeblich aphrodisierenden Wirkung des Eryngium campestre herrühren.

Botanisches: Die zweijährige oder ausdauernde Pflanze mit im Frühjahr rosettigen, nierenförmigen, drei- bis fünflappigen, blaugrünen Blättern, die mit kräftigen Dornen besetzt sind, treibt im Hochsommer einen aufrechten, einen halbkugeligen Busch bildenden, in eine drei- bis vierstrahlige Trugdolde auslaufenden Stengel. Die weißlichen oder bläulichen Blüten stehen in Köpfchen. Die xerophytisch gebaute Pflanze fehlt dem Binnenlande vollständig. Sie ist nur in den Küstengebieten anzutreffen und sollte auch hauptsächlich dort verordnet werden. Wegen ihrer hygroskopischen Eigenschaft wird die trockene Pflanze als Wetterprophet im Zimmer aufgehängt. Blütezeit: Juni bis August.

Eryngium maritimum steht in Deutschland vollkommen (ober- und unterirdische Teile) unter Naturschutz.

Name: Erýngium campéstre L. (= E. trifidum L. [= E. officinale Garsault], = Eryngium vulgare [C. Bauhin, Tournef.] Lam., = E. amethystinum Comolli nec L., = E. Billardiéri Macch. nec Delaroche). Feld-Mannstreu, Brachdistel, Donardistel, Krausdistel, Radendistel, Ellend, Laufdistel, Rolandsdistel. Französisch: Chardon roulant, chardon Roland, panicaut; englisch: Field Eryngo; italienisch: Calcatreppola, calcatrappa.

Verbreitungsgebiet: Eingeschleppt in Nordamterika.

Namensursprung: Eryngium s. oben, campestre = feldbewohnend.

Volkstümliche Bezeichnungen: Von den Landleuten werden die "Distelköpfe" zum Fliegenfangen im Winter an der Decke der Stube (oder des Tanzsaales) aufgehängt, wo sie sich beim leisesten Luftzug bewegen. Daher: Unruhe (Oberösterreich), Kobols-Distel, Kull(e)rdistl (Prov. Sachsen: Kreis Jerichow), Kollerdistel (Jena), Walldistl (Torgau), Spell-, (Spelle = Nadel), Seich-, Kraggedistel (Baden), Donadistel = Donnerdistel (Niederösterreich).

Botanisches: Die Pflanze hat distelartiges Aussehen, gehört aber mit den anderen Eryngiumarten zur Familie der Doldengewächse. Sie ist weißlich- oder gelblichgrün und ausdauernd. Die lange, braune, spindlige Wurzel ist von den fasrigen Resten der Blätter schopfig. Bis zu 1 m Höhe erhebt sich der dichte, aufrechte, flachrillige und sparrig-ästige Stengel, der mit den Ästen oft einen halbkugeligen Strauch bildet. Die Blätter sind starr und derb, dreizählig-doppelt-fiederteilig, mit dornig gezähnten Zipfeln, meist von weißlich-seegrüner Farbe. Der Gesamtblütenstand ist weitschweifig-ästig, die Köpfe sind eiförmig-kugelig, ziemlich reichblütig, die Hüllblätter linealisch-lanzettlich bis pfriemlich, am Rande meist dornig und in einen stechenden Enddorn auslaufend, am Grunde oft eine von Dornenborsten gebildete Außenhülle. Spreublätter linealisch-pfriemlich, ganzrandig. Die lanzettlichen Kelchblätter laufen in eine dornige Stachelspitze aus und sind etwa doppelt so lang als die Kronenblätter. Diese sind weißlich oder graugrünlich. Frucht zusammengedrückt-verkehrt-eiförmig, weißlich mit Schuppen auf dem Rücken der Teilfrüchte. Das Feldmannstreu kommt vor auf dürren, unfruchtbaren Stellen, auf steinigen Wiesen, Heiden, öden Feldern, an Wegrändern, Bahndämmen, Ufern, in lichten Laub- und Kieferngehölzen. Vom Mittelmeergebiet bis ins norddeutsche Flachland und ins mittlere Rußland ist die Pflanze verbreitet. Die Art zerfällt in zwei Rassen mit einer Anzahl Formen. Die xeromorphe Pflanze (von xeros = trocken und morphee = Gestalt, also: Trockenlandpflanze) ist durch ihre Bestachelung gegen das Weidevieh gut geschützt und durch das mächtige Wurzelsystem ein schwer auszurottendes Unkraut. Die sich lösenden Fruchtstengel werden vom Winde als sog. "Laufdisteln" über die Felder gerollt. Blütezeit: Juli bis September.

Name:

Eryngiumplanum L. (= E. planifolium Pallas, = E. pumilum, E. latifolium et E. Pusillum Gilib., = E. intermedium Weinm.). Flachblättrige Mannstreu. Englisch: Flat-leaved Eryngo.

Namensursprung:

Eryngium s. oben; planum = flach in bezug auf die Blätter.

Botanisches:

Die flachen Grundblätter charakterisieren die Pflanze. Sie sind ungeteilt, eiherzförmig und lang gestielt mit gekerbt-gesägtem Rande. Der Stengel, der bis zu 1 m hoch werden kann, verästelt sich im oberen Teile stark. Während die mittleren Stengelblätter sitzend und ungeteilt sind, sind die oberen fünfteilig und stachelig-gesägt. Der obere Teil der Pflanze ist amethystblau überlaufen. Die Blütenköpfe sind etwa 5 cm lang und von fünf bis acht lineal-lanzettlichen abstehenden Blättern umhüllt. Die Kronenblätter sind hellblau oder weißlich blau. Wie E. campestre hat auch unsere Pflanze eine möhrenartige, in die Erde eindringende Wurzel. Sie ist aber stärker und weiß, und schmeckt auch schärfer aromatisch. Sandige Triften und Flußufer bilden den Standort der Pflanze. In Deutschland ist sie nur im Warthe-, Weichsel- und Odergebiet häufiger. Sonst kommt sie nur verwildert vor. Sie blüht im Juli und August.

Geschichtliches und Allgemeines:

Schon den alten griechischen und römischen Ärzten war die medizinische Verwendung des Eryngiums bekannt, doch ist wohl meistens E. planum L. bei ihnen gemeint. Nach Dioskurides ist das Eryngium (die Deutungen schwanken zwischen E. viride Link, E. campestre L., E. maritimum, E. planum Matth.) bei Krankheiten der Leber, Leibschmerzen, Blähungen, Vergiftungen, Epilepsie, als Emmenagogum und Diuretikum wirksam. Die jungen Blätter in Salzlake eingemacht, würden als Gemüse gebraucht. Nikander empfiehlt in den Alexipharmaka unter anderen Mitteln die Wurzeln von Eryngium als Gegenmittel gegen Pilzvergiftungen und den Biß giftiger Tiere. - In Mitteleuropa war die Wurzel, Radix Eryngii maritimi, als blutreinigendes und tonisches Mittel gebräuchlich und ist jetzt in England, Irland und Schottland als Heilmittel gegen Brustkrankheiten und Schwindsucht offizinell. Die jungen Wurzelsprossen können wie Spargel benützt, die Blätter als Salat gegessen werden.

Wirkung

Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 228.) führte die Meerstranddistel als Eryngium maritimum, Meermannstreue, an und verordnet sie als Diuretikum, Emmenagogum, blutreinigend, leber- und milzöffnend, gegen Lendenstein, Epilepsie und Krampf und gegen Febris quartana.

In der älteren englischen Medizin fand Eryngium maritimum nach Culpeper (Culpeper's English Physician and Complete Herbal, herausgegeben von W. J. Ferrier, S. 33, London 1932.) eine recht ausgedehnte Verwendung, und zwar wurde es gegen Stauungen der Milz und Leber, Gelbsucht, Wassersucht, als Diuretikum und Emmenagogum gebraucht. Besonders wurde es gegen Nierenleiden (Harnverhaltung) und Nierensteine gelobt. Auch soll die Tinktur ein gutes Mittel gegen Hexenschuß gewesen sein.

v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 611.) schreibt dem Eryngium (eine nähere Bezeichnung gibt er leider nicht an), dessen Wurzel er verordnet, diuretische und aphrodisierende Kraft zu. Wahrscheinlich dürfte er Eryngium campestre gemeint haben, dessen Wurzel auch nach Hecker (Hecker, Prakt. Arzneimittell., S. 84.) einen Einfluß auf Harnabsonderungs-und Geschlechtsorgane zugesprochen und das daher bei Harnsteinen, Amenorrhöe, Impotenz und Hypochondrie gegeben wurde.

Hoffmann - Mannheim (Hoffmann, i. Hufelands Journal, Bd. 5, S. 248.) sah "auffallende Besserung" bei Phthisis nach Verordnung der Blätter von Eryngium campestre.

Nach Brykow (J. Brykow, Einige in Sibirien gebräuchliche Volksheilmittel, Milit.-Medic. Journ. 1829, Teil XIII, Nrl.; zit. nach v. Henrici, in Histor. Studien des pharm. Inst. d. Univ. Dorpat, 1894, Bd. IV, S. 24.) wird in Sibirien sowohl das Kraut von Eryngium campestre als auch die Wurzel in Form einer starken Abkochung (ein Pfund und mehr) vom Volke gegen Wassersucht, Bauchkrankheiten, verschiedene Arten von Schwächezuständen, besonders nach Wechselfieber, und Leukophlegmasia gebraucht.

Annenkow (N. Annenkow, Botanisches Lexicon, St. Petersburg 1878, S. 137; zit. nach v. Henrici, vgl. *.) berichtet, daß Eryngium campestre in Kleinrußland als geburtserleichterndes Mittel benützt wurde, während Eryngium planum in vielen Gegenden Rußlands ein sehr geschätztes Volksmittel bei Koliken, Husten, Schreck, Schlaflosigkeit, Wassersucht und Zahnschmerzen gewesen sei.

Eryngium planum zeitigte recht gute Erfolge bei Keuchhusten (Pater, Heil- u. Gewürzpfl. 1932, Bd. 14, S. 112; Stirnadel, D. m. W. 1933, S. 1434.).

Nach Manta und Weinrich (Manta u. Weinrich, Südd. Apothekerztg. 1935, 85, 915.) wird in Rumänien die Wurzel von Eryngium planum als Diuretikum, die ganze Pflanze als Blutreinigungsmittel verwendet.

Eryngium planum enthält 0,5% Saponine, 1,46% Tannoide, 0,125% ätherisches Öl, Alkaloid ist zweifelhaft (Peyer, Apoth.Ztg. 1934, 49, 253.). Da auch die Wurzeln der beiden anderen Arten (Eryngium campestre und maritimum) Saponine enthalten (Wehmer, Pflanzenstoffe, S. 874.), dürften sich die drei Arten in ihrer Wirkung ähneln. Ebenso zeigte die homöopathische Prüfung von Eryngium maritimum durch Ivatts, daß die durch sie hervorgerufenen Symptome denen der ausländischen Eryngium aquaticum weitgehend gleichen (Clarke, A Dict. of pr. Mat. Med., Bd. 1, S. 716.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Die Eryngiumarten werden als Blutreinigungsmittel bezeichnet, d. h. sie beseitigen Stauungen in den verschiedensten Organen. Am stärksten ausgeprägt ist wohl die diuretische Wirkung, dann folgt die emmenagoge und spasmenlösende Wirkung. Im einzelnen werden sie gegeben: als Diuretikum bei Wassersucht, Harnverhaltung, Nieren- und Blasensteinen; als Stimulans der Geschlechtsorgane bei Amenorrhöe, Impotenz, übermäßigen Pollutionen, Ejaculatio praecox und Prostatorrhöe; als Spasmolytikum bei Keuchhusten, Koliken und Blepharospasmus. Als allgemeines Umstimmungsmittel wird Eryngium noch gegeben bei Skrofulose, Augenentzündungen, Augeneiterungen, Photophobie, Otitis media, Otorrhöe, Gonorrhöe und Prostatahypertrophie.

Angewandter Pflanzenteil:

Matthiolus trennt in der Anwendung nicht scharf die drei Arten E. campestre, E. maritimum und E. planum. Als verwendet bezeichnet er in erster Linie die Wurzel, daneben auch die jungen Blätter.

Lonicerus führt zwei Arten an, ohne daß eine klare Unterscheidung möglich wäre. Er kennt die Verwendung von Blüten, Kraut und Wurzel.

v. Haller nennt nur den Gattungsnamen und spricht von dem Gebrauch der Wurzel.

Geiger schreibt, daß früher die Wurzel von Eryngium maritimum offizinell gewesen wäre.

Allen und Clarke lassen die Urtinktur aus der ganzen Pflanze, Wurzel eingeschlossen, von Eryngium maritimum herstellen.

Dasselbe Ausgangsmaterial hat auch das "Teep". Außerdem wird noch ein "Teep" aus der Wurzel von Eryngium campestre hergestellt.

Das HAB. läßt die frische blühende Pflanze von Eryngium maritimum ohne Wurzel verwenden (§ 3).

Dosierung:

Übliche Dosis:
1/2 Teelöffel voll der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Ulzerationen und Lungenleiden (nach Wittlich):

Rp.:
Succi Eryngii mar. rec. expr. . . . 60
D.s.: 1 Eßlöffel Saft mit Honig und Kandiszucker auf 1 Tasse Wasser.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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