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Podophyllum. Fußblatt, Maiapfel. Berberidaceae.

Botanical name:

Name: Podophýllum peltátum L. Fußblatt, Maiapfel, Wilde Limone. Französisch: Podophylle; englisch: May-apple, (in Amerika) mandrake, wild lemon; italienisch: Podofillo; polnisch: Biedrzyga; tschechisch: Noholist štitnatý.

Namensursprung: Podophyllum wird von dem griechischen ποΰς (pous) = Fuß und φ_λλον (phyllon) = Blatt abgeleitet, während peltatum aus dem lateinischen pelta = kleiner, leichter Schild, wegen der schildförmigen Blätter, entstanden ist.

Botanisches: Die aus den schattigen Wäldern des atlantischen Amerika stammende Staude mit kriechendem, genarbtem Rhizom wird bis zu 35 cm groß. Der blütenlose Stengel ist einblättrig. Der blütentragende Stengel ist am Ende mit zwei gegenständigen Blättern versehen. Die schildförmigen, fünf- bis siebenlappigen, grobgezähnten Blätter gaben der Pflanze den Namen. Die großen weißen Blüten stehen einzeln zwischen den endständigen Blattgabeln. Die Frucht besteht aus einer gelben, pflaumengroßen, eßbaren Beere, der sogen. "wilden Limone", während Stengel, Blätter und Rhizom giftig sind. Blütezeit: Mai.

Geschichtliches und Allgemeines:

Den Indianern von Nordamerika ist die Wurzel des Podophyllum peltatum seit alters her als Anthelmintikum und Emetikum bekannt. Der Saft der Wurzel wurde bei ihnen als Mittel gegen Schwerhörigkeit in die Ohren geträufelt. Die Frucht wird in vielen Gegenden gegessen. Seit 1664 wurde Podophyllum peltatum in den botanischen Gärten Englands kultiviert. Im Jahre 1820 wurde die Droge in die amerikanische und 1864 in die englische Pharmakopöe aufgenommen und zählte bald zu den bekanntesten Abführmitteln.

Wirkung

Osiander (Osiander, Volksarzneymittel, S. 98, 187.) bezeichnet Podophyllum als eins der gebräuchlichsten Purgier- und Wurmmittel der nordamerikanischen Indianer.

Nach Bentley und Trimen (Bentley and Trimen, Medicinal Plants, Bd. 1, S. 17, London 1880.) wird das Harz (Podophyllin) in der amerikanischen Medizin als vegetabilisches Quecksilber bezeichnet und gegen Obstipation, Leberkongestionen, rheumatische, neuralgische und skrofulöse Affektionen, sowie gegen Hydrops gebraucht. In kleinen Dosen wird es als Alterans bei Bronchitis und Lungenkrankheiten gegeben. Externe Anwendung findet es als Hautreizmittel.

Außer gegen Leber- und Gallenleiden wird der Maiapfel von der Homöopathie (Stauffer, Hom. Taschenbuch, S. 281; Schmidt, Lehrb. d. hom. Arzneimittell., S. 257.) u. a. noch bei Diarrhöen, Dysenterie, Cholerine und Enuresis der Kinder angewandt.

Das Rhizom enthält zu 4-5% ein Gemenge von Harzen, das Podophyllin, als dessen wirksamer Bestandteil das Podophyllotoxin bezeichnet wird. Wird das Podophyllotoxin mit Alkalien erhitzt, so verwandelt es sich unter Wasseraufnahme in eine gelatinöse Masse, die Podophyllinsäure. Diese verliert leicht Wasser und es entsteht dann das Pikropodophyllin, das mit dem Phylloltoxin isomer ist. Nach vollständiger Extraktion des Podophyllotoxins blieb ein harzartiger Rückstand übrig, aus dem durch fraktionierte Fällung ein nicht kristallisierbares Harz, das Podophylloresin, gewonnen wurde (W. B. Dunstan and T. A. Henry, Journ. Chem. Soc. Transact., 73, 209, 1898.).

5-10 mg Podophyllin wirken beim Menschen abführend. Die Wirkung tritt später ein als bei den anderen drastischen Mitteln, sie erfolgt nach diesen Dosen erst nach 12-24 Stunden. Bei Katzen und Hunden kommt es nach Podophyllin und Podophyllotoxin (per os oder subkutan) nach 2-7 Stunden zur Wirkung. Diese äußert sich zuerst in Leckbewegungen, Unruhe, dann Erbrechen, das sich mehrfach wiederholen kann und manchmal gallig gefärbt ist. Die Darmentleerungen sind meist zuerst breiig, danach flüssig, schleimig und schließlich blutig, häufig auch stark gallig gefärbt (R. Magnus, in Heffter-Heubners Handb. d. exp. Pharm., Bd. II, S. 1657; vgl. auch J. Neuberger, Schmiedebergs Arch., 28, 32, 1891; V. Podwyssotzki, Schmiedebergs Arch., 13, 29, 1880.).

Mackenzie und Dixon (H. W. G. Mackenzie and W. E. Dixon, The Edinb. Med. Journ., New Series, 4, 393, 1898.) beschäftigten sich näher mit der gallentreibenden Wirkung des Podophyllums und fanden, daß nicht das Podophyllotoxin, sondern das Podophylloresin der Träger dieser Wirkung ist. Bei einem Manne mit Gallenfistel stieg nach 25-40 mg Podophylloresin die tägliche Gallenmenge von 670 auf 779 ccm, ihre Trockensubstanz von 15,197 auf 18,857.

Nach den Versuchen von Stadelmann (E. Stadelmann, Schmiedebergs Arch., 37, 355, 1896.) und seinen Schülern (J. Dombrowski, Dissertat. Dorpat 1891; A. Loewenton, Dissertat. Dorpat 1891.) scheint es, als ob die Anwesenheit von Galle im Darm die Wirkung des Podophyllins unterstützt.

Abl (R. Abl, Schmiedebergs Arch.,74, 119, 1913.) beobachtete nach 0,05 g Podophyllin bei purinarm ernährten Patienten eine Zunahme der Harnsäureausscheidung um 27-37%. In großen Dosen verursacht Podophyllin hämorrhagische Gastroenteritis, blutigwäßrige Diarrhöen, Koordinationsstörungen, Krämpfe, Koma, diphtherische Geschwüre und Nephritis. Der Tod erfolgt durch Atemlähmung. Bei der Sektion der gestorbenen Tiere kann man häufig das Herz noch schlagend finden (Kobert, Lehrb. d. Intoxikat., S. 356; R. Magnus, vgl. 5).).

Nach Podophyllininjektionen in alkoholischer Lösung in den Arm kam es zur Rötung und ödematösen Schwellung, zur Nekrose an der Injektionsstelle und einem nur langsam abheilenden Ulkus (Vgl. 6).). Beim Arbeiten mit der Droge und mit Podophyllin kann der Staub leicht Schleimhautentzündungen hervorrufen (Vgl. 5).).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Podophyllum wird gelobt bei Funktionsstörungen der Leber und Galle und deren Folgen.

So wird es häufig verordnet bei: Leberschwellung mit Ikterus, Hepatitis mit hellen Stühlen, Leberstauung mit Obstipation und Blähungsbeschwerden, bei Gallenleiden, insbesondere Cholelithiasis, chronischer Gallenblasenentzündung (hier werden Podophyllum pelt. "Teep" D 2 eine Tablette und Mercur. dulc. D 3 eine Messerspitze voll, dreimal täglich im Abstand von einigen Minuten genommen, empfohlen). Auch als Purgans, insbesondere bei Obstipation während der Schwangerschaft und bei Colitis mucosa findet es Anwendung.

In sehr kleinen Dosen gegeben, wirkt Podophyllum in der Umkehrwirkung prächtig als Antidiarrhoikum bei profusen Durchfällen (auch Morgen- und Zahnungsdiarrhöen), Gastritis, Enteritis mit Kongestionen im Bauch und Gallenstauungen und Cholera nostras. Ebenso gebraucht man es bei Hämorrhoiden, auch während der Schwangerschaft, Prolapsus ani, Bauchspeicheldrüsenentzündung mit viel Speichelfluß (nach Kronenberger im Wechsel mit Iris versicolor), Quecksilbervergiftung und biliöser Migräne.

Beliebte Wechselmittel sind Lycopodium clavatum, Nux vomica, Leptandra virgin., Aesculus hippocastanum und Dolichos pruriens.

Angewandter Pflanzenteil:

Osiander spricht von der Wurzel. Dragendorff nennt das Rhizommit den Wurzeln.

Kobert sagt, daß das Rhizom das Podophyllin enthalte, und Thoms und Hager bezeichnen ebenfalls das Rhizom als verwendet.

Die American Homoeopathic Pharmacopoeia läßt die frische Wurzel benutzen und das HAB. schreibt zur Herstellung der Essenz den frischen Wurzelstock mit Wurzeln (§ 3) vor.

Schmidt gibt an, daß die Wurzelstöcke Ende Oktober oder Anfang November nach der Reife der Früchte geerntet werden sollen.

Zur Gewinnung des "Teep" wird dasselbe Ausgangsmaterial benutzt.

Rhizoma Podophylli ist offizinell in Belgien, Holland, England, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, den Vereinigten Staaten und Mexiko.

Podophyllinum ist in allen Staaten offizinell außer in Serbien.

Dosierung:

Übliche Dosis:
0,5-1,5 Rhiz. Podophylli als Abführmittel; 1,5-2,5 g Rhiz. Podophylli als Emetikum (Hager);
1-1,5 g der Tinktur als Abführmittel (Klemperer-Rost);
0,5-0,75 g des Fluidextraktes als Purgans und Cholagogum (Klemperer-Rost);
0,05-0,1 g Podophyllinum für einmaligen Stuhlgang, 0,005 bis 0,03 g bei habitueller Verstopfung ein- bis zweimal täglich (Hager).
1-2 Tabletten der Frischpflanzenverreibung "Teep" als Abführmittel.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Rhiz. Podophylli = 17 mg Podophyllinum, bei einem Podophyllingehalt der Droge von 13,5%.)

In der Homöopathie:

dil. D 3.

Maximaldosis:

Für Rhizoma Podophylli nicht festgesetzt, doch cave zu große Dosen, vgl. Wirkung.
Für Podophyllinum 0,1 g pro dosi, 0,3 g pro die (DAB. VI).

Rezeptpflichtig:

Podophyllinum, die daraus hergestellten homöopathischen Zubereitungen bis einschl. D 3.

Rezepte:

Als Cholagogum (nach Meyer):

Rp.:
Podophyllini . . . 0,6
Extracti Aloës . . . 0,5
Mass. pil. q. s. f. pil. Nr. XXX.
D.s.: Dreimal täglich 1 Pille zu nehmen.
Rezepturpreis ad scat. etwa 1.43 RM.

Pilulae drasticae cum Extracto Belladonnae (F. M. Germ.):

Rp.:
Podophyllin. . . . 0,3
Extracti Belladonnae . . . 0,1
Rad. et Succ. Liqu. depur. 0,15
ad Pilul. No. X.
D.s.: Abends 1-2 Pillen.
Rezepturpreis ad scat. etwa 1.43 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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