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Rhododendron. Goldgelbe Alpenrose. Ericaceae.

Name: Rhododéndron chrysánthum Pall. (R. officinale Salisb. Rh. aureum Georg). Goldgelbe Alpenrose, Gichtrose. Sibirische Alpenrose. Französisch: Rhododendron jaune doré; englisch: Siberian rhodendron, yellow snowrose; dänisch: Alperose; schwedisch: Fjällros; tschechisch: Pěnisník; ungarisch: Havasszépe.

Namensursprung: Rhododendron, entstanden aus dem griechischen __δον (rhodon) = Rose und δ_νδρον (dendron) = Baum, war bei den Schriftstellern des Altertums gleichbedeutend mit rhododaphne, der Bezeichnung des Oleanders; chrysanthum = goldblumig.

Botanisches: Der bis 40 cm hohe Strauch mit goldgelben Blüten und länglich verkehrteiförmigen Blättern stammt aus den regenreichen Gebirgen Nordasiens. Die Schildhaare der Blätter und das von jenen ausgeschiedene Sekret werden von Kratzmann als Transpirationsschutz gedeutet. Frische Laubblätter und junge Triebe sollen als Viehfutter schädlich sein und bei Schafen und Ziegen sogar den Tod herbeiführen. Durch das Trocknen hingegen soll sich diese Schädlichkeit verlieren. Die Alpenrosen sind humusliebende und humusschaffende Pflanzen, die sich gern mit der kalkfliehenden Flora vergesellschaften. Düngung und Bewässerung vertragen sie nicht.

Geschichtliches und Allgemeines:

Auf ihren Reisen lernten Gmelin und Pallas die heilkräftigen Wirkungen der Alpenrose kennen, die von den Einwohnern Sibiriens schon lange als Arzneimittel verwendet wurde. In Deutschland machte zuerst Kölpin im Jahre 1779 auf die neue Droge aufmerksam, zu deren allgemeiner Verbreitung später Zahn, Löffler und Metternich beitrugen. Offizinell waren die Blätter als Folia Rhododendri chrysanthi, die als Diuretikum, Diaphoretikum, gegen Gicht und Rheuma verwendet wurden.

Die Pflanze hat narkotische Eigenschaften (vgl. Wirkung) und wird auch als Fischgift benutzt. Neuerdings wird Rhododendron ferrugineum auch in Deutschland mehr bevorzugt.

Wirkung

Die Verfasser der mittelalterlichen Kräuterbücher scheinen keinerlei medizinische Verwendung der Alpenrose gekannt zu haben, denn lediglich Tabernaemontanus (Tabernaemontanus, Kreuterbuch, 1588, Tl. II, S. 758.) erwähnt sie, ohne aber eine Wirkung angeben zu können.

Nach Clarus (Clarus, Handb. d. spec. Arzneimittell., S. 1039.) fördern die Blätter die Ausscheidungen aus Darmkanal, Haut und Niere, manchmal unter narkotischen Symptomen, und werden als Gicht- und Rheumatismusmittel angewandt, namentlich in Rußland.

Auch Hufeland (Hufeland, Enchir. med., S. 378.) benutzt Rhododendron chrys. bei chronischer Gicht, während in der Volksmedizin Rhododendron ferrugineum und hirsutum - aus begreiflichen Gründen, weil es einheimische Pflanzen sind - gegen Rheumatismus, Gicht und Lithiasis Verwendung finden (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 191.).

Ebenso tritt der von Hufeland zitierte Hoffmann, Mannheim (Hoffmann, i. Hufelands Journal, Bd. 5, S. 247.), für den Gebrauch von Rhododendron ferrugin. an Stelle des F. chrys. bei Gicht ein.

Auch in der Homöopathie (Hughes-Donner, Einf. i. d. hom. Arzneimittell., S. 182; Stauffer, Homöop. Taschenb., S. 287.) wird Rhododendron vorwiegend gegen Rheumatismus und Gicht angewandt, ferner gegen Neuralgien, Entzündungen der männlichen Genitalorgane und gegen Tripperfolgen.

Die Goldgelbe Alpenrose enthält im Gegensatz zu den beiden anderen Arten, die auch Ericolin und Arbutin enthalten, den Giftstoff Andromedotoxin (Kobert, Lehrb. d. Intoxik., S. 659.), der namentlich auf den Vagus einwirkt (Thoms, Handb. d. pr. u. wiss. Pharm., Bd. V, S. 1424.) und Krämpfe, Salivation, Vomitus und Lähmung des Respirationszentrums hervorruft (Vgl. 5).). Aus einer verwandten Art, Rhododendron hymenanthes Malimo, wurde der Giftstoff Rhodotoxin isoliert, der bei Tieren nach vorübergehender Aufregung Depression, motorische Parese, Nausea mit Vomitus und Diarrhöe, Krämpfe und Lähmung des Atemzentrums mit Auftreten des Cheyne-Stokesschen Phänomens verursacht und in kleineren Dosen die Diurese fördert, in großen Gaben aber hemmt (Makino, Okayama-Igakki-Zasshi 1927, Bd. 39, S. 2099; 1928, Bd. 40.).

Zur Wertbeurteilung eignet sich die Bestimmung von Arbutin. In der homöopathischen Tinktur wurden 0,126% Arbutin und 0,013% Hydrochinon, also eine 10%ige Spaltung des Glykosids, gefunden (Nach eigenen Untersuchungen.).

Außer dem bereits genannten Andromedotoxin enthält die Pflanze noch Ericolin und Rhododendrin (Wehmer, Pflanzenstoffe, II, 1931, S. 908.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Beide Arten, Rhododendron chrysanthum und Rh. ferrugineum, werden bei rheumatischen und gichtischen Affektionen, sowie Erkrankungen der männlichen Genitalien angewandt. Im einzelnen verordnet man sie mit zum Teil gutem Erfolge bei Rheumader Muskelnund Gelenke (charakteristisch ist als Anwendungssymptom nach Ansicht mancher Homöopathen die zum Teil bestrittene Verschlimmerung durch Witterungswechsel, z. B. vor Sturm, Gewitter, in der Ruhe und nachts), bei Arthritis urica, auch Tophi und Arthritis deformans, Lumbago, Harnsäure-Diathese, Periostitis, Neuralgien und Ischias, ferner bei Orchitis, Epididymitis, Hydrocele, Hodenschwellungen, Prostatahypertrophie (hier gibt Lindner, Groß-Gastrose, das Oligoplex im Wechsel mit Acid. benz. Oligoplex und Badiaga Oligoplex), Prostatitis und bei Folgen von Gonorrhöe. Auch Köhler, Krummhübel, lobt Rhododendron als Oligoplex im Wechsel mit Rhus Oligoplex als ganz vorzüglich bei einem Fall von Samenstrangneuralgie.

Schematische Darstellung der Häufigkeit der Anwendung von:

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Schließlich will Falkenhahn gute Erfahrungen bei Gallensteinen gemacht haben.

Angewandter Pflanzenteil:

Teils werden nur die Blätter als verwendet bezeichnet (Clarus, Schulz, Thoms), teils werden Blätter mit Blüten und Zweigen erwähnt (Zörnig, Stauffer, Heinigke).

Das HAB. nennt die getrockneten Zweige (§ 4) beider Arten.

Nach Wehmer enthalten die Blätter das Andromedotoxin.

Das "Teep" wird aus den frischen Blättern von Rhododendron ferrugineum hergestellt.

Dosierung:

Übliche Dosis:
2 Teelöffel voll (= 5,6 g) des Krautes zum heißen Infus täglich.
1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 10% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,025 g Hb. Rhododendri.)

In der Homöopathie:

dil. D 2, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Rheuma und Arthritis urica et deformans:

Rp.:
Hb. Rhododendri . . . 30 (= Alpenrosenkraut)
D.s.: 2 Teelöffel voll zum heißen Aufguß mit 2 Glas Wasser, tagsüber trinken.
(Teezubereitung: Der Extraktgehalt des im Verhältnis 1 : 10 heiß bereiteten Tees beträgt 2,1% gegenüber 1,9% bei kalter Zubereitung. Der Aschengehalt des Extraktes war in beiden Zubereitungen gleich und betrug 0,12%. Die Peroxydase ist sowohl in der kalten als auch in der heißen Zubereitung nicht nachzuweisen. Der heiß bereitete Tee wirkt stärker adstringierend und schmeckt bitterer, während der kalt bereitete Tee den bitteren Geschmack nicht zeigt.
1 Teelöffel voll wiegt etwa 2,8 g. Es wird die heiße Herstellung des Tees unter Verwendung von 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas empfohlen.).

Bei chronischen Arthritiden (nach Meyer):

Rp.:
Fol. Vaccinii vitis idaeae (= Preiselbeerblätter)
Fol. Rhododendri . . . aa 50 (= Alpenrosenblätter)
M.f.: species.
D.s.: 1 Eßlöffel voll auf 1 Tasse Wasser abkochen. Dreimal täglich 1 Tasse warm trinken.
Zubereitungsvorschlag des Verfassers: 2 Teelöffel voll auf 1 Tasse Wasser, vgl. Zubereitung von Teemischungen S. 291.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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