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Ignatia. Ignatiusbohne. Loganiaceae.

Botanical name:

Name: Ignátia amára L. (= Strychnos ignatii Berg.). Ignatiusbohne. Französisch: Fève de Saint Ignace; englisch: St. Ignatius' beans; dänisch: Ignatiusbönner; norwegisch: Ignatiusbönne; tschechisch: boby sv. Ignáce.

Namensursprung: Der Name der Ignatia amara bei den Eingeborenen ist Igasud oder Iga-sr. Die Bezeichnung Ignatiusbohnen stammt von dem Missionar Pater Camelli (1661 bis 1706), der sie so zu Ehren des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, nannte; amara = bitter.

Botanisches: Die Ignatiusbohne ist ein dornenloser Kletterstrauch, der mit hakenförmigen, seitlich zusammengedrückten, holzigen Ranken bis in die höchsten Spitzen der Bäume klettert. Der Stamm wird 10 cm dick und darüber. Die Rinde ist rötlich und glatt. Die dünnen Zweige sind braun gefärbt und meist kahl oder auch ockerfarbig, filzig-behaart und mit vereinzelten Sternhaaren besetzt. Die kreuzweise gegenständigen, ungeteilten, elliptischen oder breit-eiförmigen Blätter sind 10-25 cm lang und 5-13 cm breit. Sie laufen in eine lange Träufelspitze aus. Oben sind sie kahl und glänzend, unten heller grün. Die Länge des Blattstiels beträgt nicht über 1 cm. Die unscheinbaren Blüten bilden Traubendolden. Der Kelch besteht aus fünf verwachsenen Kelchblättern, unter dem noch zwei kleine Deckblättchen sitzen. Die etwas fleischige, grünliche Blumenkrone hat eine kurze Röhre und fünf eiförmige Zipfel, deren Oberseite mit langen, weißen Haaren bedeckt ist. Die fünf Staubgefäße wechseln mit den Kronenzipfeln ab. Der Fruchtknoten ist oberständig. Aus ihm entwickelt sich als Frucht eine vielsamige, kugelige Beere mit harter Schale und einem Durchmesser von 10-13 cm. Die Außenhaut ist zart orangegelb. Die Frucht enthält zahlreiche (bis zu 40) Samen, die sich beim Reifen gegenseitig drücken und dadurch stumpfeckig und stumpfkantig werden. Die knochenharten Samen sind mit gelblich-weißen glänzenden Haaren bedeckt. Blütezeit: Das ganze Jahr hindurch. Heimat: Die Pflanze kommt nur auf wenigen Inseln der Philippinen vor.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die erste Beschreibung der Droge scheint durch den Pater Camelli im Jahre 1689 nach Europa gelangt zu sein. Er kannte ihre Verwendung gegen verschiedene Krankheiten, sowie ihre giftige Wirkung bei zu reichlichem Gebrauch. Ferner suchte er nachzuweisen, daß die Ignatiusbohnen den Arabern schon bekannt und die wahren Brechnüsse des arabischen Serapion gewesen seien. Eine Behauptung, die nach Flückiger allerdings einer sicheren Unterlage entbehrt. Seine Berichte wurden 1699 von den Engländern Ray und Petiver veröffentlicht, während eine genauere Beschreibung der Mutterpflanze 1778 durch Bergius erfolgte. In Deutschland lenkte Bohn im Jahre 1698 zum erstenmal die Aufmerksamkeit der Ärzte auf die Ignatiusbohnen. Sie wurden als fiebertreibendes und magenstärkendes Mittel gerühmt, jedoch wurde Vorsicht bei der Anwendung empfohlen, da sie in größeren Mengen auch den Tod herbeiführen könnten.

Wirkung

In der chinesischen Medizin werden die Ignatiusbohnen, Lü-sung-kou genannt, zuerst im Jahre 1765 im Nachtrage zur Enzyklopädie der Han-Arzneistoffe erwähnt. Als Indikationen werden Vergiftungen, Schwertwunden, Erleichterung der Entbindung und Spulwürmer genannt (Tsutomu Ishidoya, Chinesische Drogen, Teil I, S. 99.).

In seiner Dissertation "De Faba St. Ignatii" (1797) empfiehlt Stein (Stein, De Faba St. Ignatii, Dissert. Erlangen 1797.) sie gegen Magenbeschwerden und Krämpfe aller Art, warnt jedoch ausdrücklich vor unvorsichtiger Verwendung, denn "in manu imperiti est sicut gladius strictus in dextra furiosi".

Einige Jahre später beschäftigte sich Kvinneth (Kvinneth, De Faba Ignatii, Dissert. Erlangen 1802.) eingehend mit den Ignatiusbohnen. Er berichtet, daß sie Erbrechen verursachten, den Körper von Giften befreiten, sich gegen Krankheiten der Leber, Milz und des Darms bewährten und gegen Krampfzustände zu gebrauchen seien.

Die Tinktur soll mit gutem Erfolg gegen Blepharospasmus angewandt worden sein (Aschenbrenner, Die neueren Arzneimittel u. Arzneizubereitungsformen, S. 132, Erlangen 1851.).

Hahnemann (Hahnemann, i. Hufelands Journal, Bd. 26, II., S. 34.) schildert die homöopathische Wirkungsweise der Ignatia wie folgt: "... Ebenso würde es nicht einzusehen seyn, wie die Ignatzbohne in einer Art Convulsionen (Acta Berol., Herrmann, Valentin) so hülfreich hätte seyn können, wenn nicht bekannt wäre (Bergius, Camelli, Durius in Misc. N. C. Dec. 111 a, 9, 10, obs. 126), daß sie selbst dergleichen hervorzubringen geneigt wäre."

Nach Hughes-Donner (Hughes-Donner, Einf. i. d. hom. Arzneimittell., S. 137.) soll Ignatia schon vor Hahnemann bei Epilepsie angewandt worden sein, wenn die Anfälle nach heftigen Gemütserregungen kamen.

Wie Stauffer (Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 531.) schreibt, ist Ignatia außer bei ausgesprochenen hysterisch-nervösen Leiden bei Angina catarrhalis mit Schluckbeschwerden (durch Nervenüberreizung des Vagus), bei Intermittens, nervöser Dyspepsie mit Tympanie und Mastdarmkrankheiten angezeigt.

Die Samen enthalten Strychnin und Brucin 3,11-3,22%, davon 60,7 bis 62,8% Strychnin, ferner ein oder mehrere durch Emulsin spaltbare Glykoside, fettes Öl, nach früheren Angaben auch das Glykosid Loganin (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, S. 964.).

Über Strychnin und Brucin vgl. bei Nux vomica.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Ignatia ähnelt in der Wirkung der Nux vomica, nur gilt hier die auf die Psyche wirkende Komponente als verstärkt. Es wird vorwiegend weinerlichen Frauen und Kindern mit veränderlicher Stimmung und gegen nervöse Folgeerscheinungen von Gram, Kummer und Sorgen verordnet.

Einzelindikationen sind: drückende Kopfschmerzen, Migräne, Schlaflosigkeit, Globusgefühl bzw. Oesophagusspasmen (hier nach Donner, Berlin, Hauptmittel), nervöse Dyspepsie, Appetitlosigkeit, Neurasthenie, Herzneurosen, Depressionszustände vor der Menstruation und im Klimakterium, Hysterie, Melancholie, Hypochondrie, Neigungzu Prolapsusani, Dysmenorrhöe, Krämpfe und Ohnmachten.

Günstig wird auch der bei Ulcus ventriculi et duodeni häufig auftretende Spätschmerz durch Ignatia beeinflußt, ebenso wie Gastritis mit Hyperchlorhydrie. Weiter gibt man es bei Magen- und Gallenleiden mit kolikartigen Schmerzen, bei Angina und Intermittens.

Janke lobt das Mittel außerdem als Anthelmintikum und Schönig bei Blutvergiftung, septischen Zuständen innerlich und äußerlich in Verbindung mit Lehm. Kleine, Wuppertal, gibt es als Zusatzmittel, wenn trotz richtig gewählter Arzneien die Heilung sich verzögert und auch Interimsmittel wie Sulfur nicht geholfen haben.

Als Einzelmittel bringt Ignatia wenig Erfolge und oft Versager. Man muß sie im Wechsel mit anderen oder im Gemisch geben.

Als Wechselmittel kommen je nach den Indikationen Calc. carb., Pulsatilla, Gelsemium, Asa foetida, Oenanthe crocata u. a. in Frage.

Angewandter Pflanzenteil:

Alle Literaturquellen erwähnen nur die Samen. Das HAB. läßt zur Herstellung der Tinktur ebenfalls die getrockneten Samen verwenden (§ 4). Dieses Ausgangsmaterial wird auch zur Herstellung des "Teep" benutzt.

Semen Ignatii ist offizinell in Frankreich, Spanien, Portugal, Mexiko, Venezuela, Chile und Argentinien.

Dosierung:

Übliche Dosis: 1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.

(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 1% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,0025 g Sem. Ignatii, oder bei einem Alkaloidgehalt der Droge von 3,2%, berechnet auf gleiche Teile Strychnin und Brucin, 0,08 mg Gesamtalkaloide.)

In der Homöopathie: dil. D 4.

Maximaldosis: 0,1 g pro dosi, 0,3 g täglich Sem. Ignatii (Gall);

0,25 g pro dosi, 1,75 g täglich Tinct. Ignatii comp. (Gall).

Rezeptpflichtig: Strychnin und seine Salze, Brucin und seine Salze sowie die daraus bereiteten homöopathischen Zubereitungen bis einschließlich D 3.


Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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