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Teucrium scorodonia. Salbei-Gamander. Labiatae.

Botanical name:

Name: Teúcrium scorodónia L. (= T. sylvestre Lam., = T. salviaefolium Salisb., = Scorodonia heteromalla Moench., = Sc. sylvestris Link). Salbei-Gamander, Wilder Gamander, Waldsalbei, Bergsalbei. Französisch: Sauge des Bois, germandrée sauvage, faux scordion; englisch: Wood germander, wood sage; italienisch: Calamandrea salvatica; dänisch: Klaseblomstrende Kortläbe; tschechisch: Ožanka lesní; ungarisch: Gamandor.

Namensursprung: Teucrium ist der von Plinius für T. lucidum und für T. chamaedrys gebrauchte Name, der bei Dioskurides und Theophrast τενχρ_ον (teukrion) lautet. Die Sage bringt den Namen mit dem trojanischen König Teukros in Verbindung, der zuerst bemerkt haben soll, daß das Teucrium die Milz zusammenschrumpfen läßt. Nach einem Opferfest hatte man das Kraut auf die Eingeweide der getöteten Opfer geworfen, und der König beobachtete, daß die Milz allmählich verschwand. Scorodonia ist eine Ableitung vom griechischen σχ_ροδα (skoroda) oder σχ_ρδον (skordon) = Knoblauch. Von den meisten Autoren des 16. Jahrhunderts wurde die Art als Salvia sylvestris oder Waldsalbei bezeichnet.

Botanisches: Der Salbei-Gamander ist eine Staude mit weitkriechender Grundachse und am Grunde aufsteigenden, aufrechten Stengeln, die sich meist erst in der Blütenregion verzweigen und 30-50 cm hoch werden. Der vierkantige Stengel ist ringsum, die Blätter sind beiderseits kurz und weich wollig-zottig behaart und fast geruchlos. Die Laubblätter sind denen von Salvia pratensis und Stachys silvatica ähnlich, mit etwa 1 cm langem Stiel. Die Spreite ist eiförmig, am Grunde herzförmig oder gestutzt, stark netznervig, runzlig und ringsum dicht kerbig-gesägt. Die mittleren sind die größten. Die bisweilen nickenden Blüten stehen auf langen Stielen einzeln oder gepaart in den Achseln kleiner Hochblätter zu langen, end- und seitenständigen Scheintrauben vereinigt. Der röhrig-glockige Kelch ist herabgebogen, am Grunde tief ausgesackt, helmförmig zweilippig. Die blaß-grünlichgelbe Krone hat weit vorragende Röhre und herabgekrümmte Unterlippe mit großem, stark konkavem Mittellappen. Blütezeit: Juli bis September. - Die Pflanze kommt in West- und Mitteleuropa vor. In lichten Laub- und Nadelwäldern, auf Waldschlägen, Heiden, auf nicht zu trockenem Boden wächst sie meist herdenweise. Auf kalkarmer Unterlage ist sie häufiger anzutreffen als auf kalkreicher. Sie gehört zu den Kalkflüchtern. In Deutschland ist sie im Westen ziemlich verbreitet, aber östlich der Elbe sehr selten.

Geschichtliches und Allgemeines:

Ob die Alten das "Teucrium scorodonia" als Heilpflanze gekannt haben, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Jedenfalls werden andere Arten der Gattung bei Theophrast, Dioskurides und Plinius erwähnt. So schreibt Dioskurides vom Knoblauch-Gamander, daß er ein Mittel gegen Hundebiß und tödliche Gifte sei und gut bei Magenstechen, Harnverhaltung, Dysenterie, Podagra und altem Husten wirke. Auch verklebe er Wunden, reinige Geschwüre und bringe sie mit Honig zur Vernarbung. Galen berichtet, daß nach einer Schlacht beobachtet wurde, daß die Leichen, die zufällig auf dem Knoblauchgamander gelegen hatten, nicht so schnell in Verwesung übergingen wie die übrigen. In Frankreich und im Oberinntal wird die Pflanze auch heute ähnlich wie die Salbeiarten als Volksmittel (Wundmittel) und Antidiaphoretikum verwandt. Wie Kamerer berichtet, wurde König Karl V. von Genua von der Gicht durch Teucrium chamaedrys geheilt.

Wirkung

Von Bock (Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 6) wird das "Waldsalbei" genannte Teucrium scorodonia vorzüglich als Expektorans, magenstärkendes, leber- und milzreinigendes, emmenagoges Mittel genannt.

Als Wundmittel, auch gegen innerliche Verletzungen, gebraucht es Johnson (Johnson, History of Plants, 1633, S. 662.), weil es diaphoretisch, diuretisch, resorptionsfördernd und geschwulstvermindernd wirke.

v. Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 1200.) zählt es unter die Wundkräuter und schreibt ihm diuretische wie auch emmenagoge Wirkung zu.

Wie Leclerc (Leclerc, Précis de Phytothér., S. 138.) berichtet, wurde Teucr. scorodon. mit gutem Erfolge in einem Altersspital nach einer Grippeepidemie angewandt, um die Spannkraft wieder zu erhöhen.

Die Volksmedizin gebraucht den Salbeigamander als Ersatz des Knoblauchgamanders bei Bronchialkatarrh, bei Tuberkulose der Lungen, Knochen und Gelenke, bei ruhrähnlichen Diarrhöen, Hämorrhoidalbeschwerden und Darmparasiten (Schulz, Wirkg. u. Anwendg. d. dtsch. Arzneipfl., S. 180.).

Martiny (Martiny, Rev. Hom. Belge 1895, Juni.) fand, daß Teucrium bei Tuberkulose alle bisher bekannten Heilmittel übertraf.

In der neueren homöopathischen Literatur wird das Mittel bei Lungentuberkulose in allen Stadien, Knochen-, Gelenk- und Drüsentuberkulose und chronischer Bronchitis mit reichlichem Auswurf genannt (Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 956; Schmidt, Lehrb. d. hom. Arzneimittell., S. 320; Heinigke, Handb. d. hom. Arzneiwirkungsl., S. 652.).

Esdorn (J. Esdorn, Süddeutsche Apoth.-Ztg. 1936, Nr. 84.) wies in Teucrium scorodonia 0,08% ätherisches Öl, 8,69% Gerbstoff und einen Bitterstoffwert von 1 : 1000 nach.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Teucrium scorodonia wird gegen Tuberkulose in allen Stadien als Adjuvans verordnet. Es ist in schweren Fällen kein alleiniges Heilmittel, in leichteren Fällen sieht man dagegen oft sehr gute Erfolge. Vor allem Lungen- und Knochentuberkulose und die der Testes werden günstig durch Teucrium beeinflußt. Auch bei chronischem Bronchialkatarrh, chronischem Lungenkatarrh, Nasenkatarrh, Stockschnupfen, Tussis und Asthma bronchiale erzielt man gute Besserung durch die Verordnung des Mittels. Janke konnte mit Teucrium "Teep" 0 im Wechsel mit Hamamelis "Teep" D 2 eine Frau, die ein Jahr lang Lungenbluten gehabt hatte, in vier Monaten heilen. Beide Lungen waren stark angegriffen, die Patientin war arbeitsunfähig und bettlägerig. Heute kann sie ihrer Arbeit wieder nachgehen.

Ein Patient, der ein Jahr "Teep" 0 genommen und einen Pneumothorax bekommen hatte, zeigte eine auffallend weniger kollaborierende Lunge mit gekräftigtem Bindegewebe. (Eigene Beobachtung.)

Weniger häufig wird Teucrium scorodonia bei Hämorrhoiden, Atonie der Verdauungsorgane, Magen- und Darmverschleimung, Leberund Gallenstockung, Drüsenentzündungen und -schwellungen, Diarrhöe und Adipositas angewandt. Pöller, Gevelsberg-Vogelsang, hatte gute Resultate bei der Behandlung von chronischer Diarrhöe (unbekannte Ursache). Er verordnete hier Teucrium scorodonia als Pulver zwei- bis dreimal täglich eine Messerspitze in Wasser oder Wein im Wechsel mit Oenothera biennis dreimal fünf Tropfen.

Schließlich wird es noch äußerlich als Mund- und Gurgelwasser und zum Auswaschen von Geschwüren und Wunden verwandt. Taller, Ronsperg, brachte in vierwöchentlicher Behandlung (Nasenpinselungen mit der Tinktur aus der frischen Pflanze) klinisch deutliche Nasenpolypen bei einem 22jährigen Manne zum vollständigen Schwund.

Als Wechselmittel werden u. a. Senega, Sticta pulmonaria, Silicea und Calc. carb. empfohlen.

Schematische Darstellung der Häufigkeit der Anwendung verschiedener Heilpflanzen bei:

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Angewandter Pflanzenteil:

Bock nennt das Kraut als verwendet. Geiger bezeichnet als offizinell das Kraut oder die zur Blütezeit eingesammelte Pflanze.

Leclerc läßt die Pflanze zu Beginn der Blütezeit verwenden.

Schulz erwähnt das Kraut.

Das HAB. schreibt zur Herstellung der Essenz das frische blühende Kraut (§ 3) vor.

Dasselbe Ausgangsmaterial wird auch zur Gewinnung des "Teep" benutzt.

Sammelzeit: Juli bis August.

Dosierung:

Übliche Dosis:
5-10 Tropfen der Essenz mehrmals täglich (Martiny);
2 Teelöffel voll (= 2,6 g) des Krautes zum kalten oder heißen Aufguß.
1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" zwei- bis viermal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Hb. Teucrii scorodoniae.)

In der Homöopathie:

Ø-dil. D 3.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Tuberkulose und chronischer Bronchitis:

Rp.:
Hb. Teucrii scorodoniae . . . 30 (= Kraut vom Salbeigamander)
D.s.: 2 Teelöffel voll mit 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber schluckweise trinken.
(Teezubereitung: Der aus dem Kraut im Verhältnis 1 : 10 heiß angesetzte Tee ergab einen Extraktgehalt von 3,66% bei einem Glührückstand von 0,39%, während der kalt bereitete Tee einen Extraktgehalt von 3,40% bei ebenfalls 0,39% Glührückstand lieferte. Geschmacklich ist der heiß bereitete Tee viel bitterer als der kalt bereitete. Die Peroxydasereaktion war im kalt bereiteten Tee sofort stark positiv, im heiß bereiteten erst nach 2 Minuten. Ein Ansatz 1 : 50 ist gerade noch trinkbar.
1 Teelöffel voll wiegt 1,3 g, so daß auf 1 Teeglas wohl kaum mehr als 1 reichlicher Teelöffel voll Tee zu verwenden ist. Die Herstellung kann auf Grund dieser Befunde kalt oder heiß geschehen.).

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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