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Aquilegia vulgaris. Wald-Akelei. Ranunculaceae.

Botanical name:

Photo 049. Wald-Akelei. Karte 035. Aquilegia vulgaris. Name: Aquilégia vulgáris L. (= A. silvestris Neck., = A. cornuta Gilib., = A. versicolor Salisb.). Gemeiner Akelei. Französisch: Gants de Notre Dame, aiglantine, cornetie, ancolie commune, a. des jardins, manteau royal; englisch: Columbine, capon's feather, culver Key; italienisch: Amor nascoto, aquilina, fior cappuccio, amor perfetto.

Verbreitungsgebiet: Weiteres Vorkommen: Gemäßigtes Asien (östlich bis Japan)

Namensursprung: Aquilegia = die Wassersammlerin (aus aquam legere) wegen der trichterförmigen Kronenblätter, vielleicht auch von aquila = Adler, also etwa Adlerklaue wegen des gekrümmten Sporns; vulgaris = gemein, häufig. Akelei vielleicht volksetymologisch aus Aquilegia.

Volkstümliche Bezeichnungen: Klockenblome (nordwestl. Deutschland), Glockenblume (Rheinlande, Hessen, Schlesien) und viele andere ähnliche Namen, ferner: Handschuh (Niederösterreich), Narrenkappen (Elsaß, Schweiz), Weiberkappen (thüring. Niederhessen), Schlotterhose, Hoselätzli (Schweiz), Adlerbluem (Züricher Oberland) u. a.

Botanisches: Aquilegia ist eine ausdauernde, 40-60 cm hohe Staude. Aus kurzem, kräftigem, meist mehrköpfigem Wurzelwerk entspringen steif aufrechte, verzweigte und beblätterte Stengel, die kahl oder weichhaarig sind und drei bis zehn Blüten tragen. Die langgestielten Grundblätter sind ein- bis zweifach fiederteilig, auf der Unterseite meist heller grün und behaart. Die Stengelblätter sind den grundständigen ähnlich, aber kleiner und einfacher. Die nickenden Blüten sind lang gestielt und haben bis 5 cm im Durchmesser. Ihre Farbe ist dunkelblau, dunkelviolett, rosa bis weiß. Die fünf flachen, eiförmigen Kelchblätter sind gefärbt, laufen in eine stumpfe, grüne Spitze aus und stehen waagerecht ab. Jedes der fünf trichterförmigen Kronenblätter trägt einen langen, einwärts gekrümmten Sporn. Zahlreiche gelbe Staubblätter stehen büschelförmig gedrängt. Die Fruchtknoten, etwa fünf, sind schmal, lang geschnäbelt und klebrig drüsig behaart. Die langgestreckten Balgfrüchte stehen aufrecht und haben Queradern. Die Samen sind glänzend schwarz. Die vorstäubenden Blüten werden als Hummelblumen bezeichnet. Sie hängen nach unten, so daß Pollen und der im Grunde des Sporns abgesonderte Honig geschützt sind. Bei ausbleibendem Insektenbesuch ist Eigenbestäubung möglich. Die Blüte neigt auch sehr zur Variation. Blütezeit: Mai bis Juli.

Die Pflanze ist in Süd- und Mitteleuropa, Nordafrika und im gemäßigten Asien heimisch. Sie liebt lichte Laubwälder, Abhänge, schattige Täler, kommt aber auch auf Wiesen, in Gebüschen, Auwäldern, an Waldrändern und auf felsigen, buschigen Stellen vor. Dem nordwestdeutschen Flachlande fehlt sie gänzlich, doch verwildert sie als alte Gartenpflanze häufig.

Aquilegia steht in Deutschland (ober- und unterirdische Teile) unter Naturschutz.

Geschichtliches und Allgemeines:

Von den römischen Ärzten scheint die Akelei als Heilpflanze nicht gekannt worden zu sein. Dagegen wird sie im Mittelalter von der hl. Hildegard unter dem Namen Acoleja aufgeführt, und die Väter der deutschen Botanik (Matthiolus, Bock, Lonicerus u. a., vgl. Wirkung) kennen eine ganze Reihe von Indikationen für ihre Anwendung.

Die Pflanze wird vom Vieh nicht berührt und gehört zu den giftverdächtigen Arten.

Wirkung

In den Rezepten des Paracelsus (Paracelsus Sämtl. Werke, herausg. von Aschner, 1926, II. 929. III, 460, 535 usw.) findet sich Radix Aquilegiae als steinlösendes Mittel und als Diuretikum.

Die hl. Hildegard (Hildegard von Bingen, Ursachen und Behandlung der Krankheiten, übers. v. Schulz, 1933, S. 198.) wendet Akelei gegen geschwollene Drüsen an.

Auch Matthiolus (Matthiolus, Kreuterbuch, 1563, S. 207.) kennt Aquilegia als Heilpflanze. Er erwähnt die Wirkung gegen Gelbsucht und verstopfte Lebern und Milz und schreibt, daß sie "den Kindern zur befürderung der Flecken und Blatern" gegeben würde. Auch gegen Ohnmacht, Herzzittern und Gift sei das gebrannte Wasser gut. Das Kauen der Wurzel wirke prophylaktisch gegen Steinbildung. Zur äußerlichen Anwendung schreibt er: "Der Samen mit den Aquis appropriatis wird gebraucht zu den hitzigen Krankheiten und Geschwären deß Halses".

Bock (Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 50.) rühmt die Pflanze besonders. "Das Edelgewächß Agleyen ist bey den gelehrten nit vil im brauch / wiewol es in der Artznei - inn und auß dem Leib zu brauchen / vil herrlicher tugend hat / von natur einer mittelmäßigen warmen complexion." Er nennt die Wurzel gegen alle innerliche Brüche, sie seien von Fallen oder Stößen, gegen Keuchhusten, Wassersucht, Lungengeschwür, Blutspeien, Leibgrimmen. Für die Samen gibt er dasselbe an wie Matthiolus. Dem Saft von Wurzel und Kraut sagt er wundheilende Wirkung nach. "Ein Pessarium in dem safft genetzt / vnnd inn den leib gethon / erfordert Menses und die todte geburt." Außerdem führt er ihn noch an gegen Kopfschmerzen, Schuppen und andere Hautkrankheiten sowie gegen Ohren- und Augenerkrankungen.

Lonicerus (Lonicerus, Kreuterbuch, S. 162.) gibt ähnliche Indikationen und betont, daß die beste Zeit zur Destillierung die Zeit sei, "so es blumen hat".

v. Haller (v. Haller, Medicin, Lexicon, 1755, S. 125.) führt außerdem noch an: die schweißtreibende Wirkung, sowie die Anwendung gegen Rotlauf und Masern.

Geiger (Geiger, Handb. der Pharmazie, S. 1444.) fügt als Indikation noch Skorbut hinzu.

Später ist das Mittel in Vergessenheit geraten, so daß es Thoms (Thoms, Handb. d. prakt. u. wissensch. Pharmazie, 1929/31, Bd. V, 1, S. 831.) als vollständig obsolet bezeichnet. Immerhin finden sich doch einige Angaben über seine Verwendung.

So nennt es Dragendorff (Dragendorff, Die Heilpflanzen der verschiedenen Völker u. Zeiten, S. 223.) gegen Skorbut, Ikterus und als Diaphoretikum und schreibt, daß die Samen auch die Blattern verhüten sollen.

Dinand (Dinand, Handb. d. Heilpflanzenkunde, 1926, S. 84.) nennt die aus dem Mittelalter bekannten Indikationen und fügt (unter Berufung auf Walser) hinzu: Weißfluß, Menstruationsbeschwerden und Augenschwäche.

Die englische Floramedica (Barton u. Castle, British flora medica, 1877, S. 115.) hebt neben den schon erwähnten Wirkungen besonders die gegen Mundgeschwüre und skorbutische Affektionen des Gaumens hervor.

Das Kräuterbuch von F. Müller (Ferdinand Müller, Das große illustrierte Kräuterbuch, 1924, S. 17.) weiß noch folgende Anwendung der Aquilegia zu nennen: Der Saft des gestoßenen Krautes heilt Fisteln, wenn man ihn in diese hineinträufelt. Auch Grind und andere böse Ausschläge heilt er schnell. Der Same ist gut gegen Gelbsucht, auch macht er gelinde Öffnung. Besonders kleinen Kindern, die verstopft sind, gibt man ihn gern. Das Destillat aus Kraut und Stengel zur Zeit der Blüte läßt sich innerlich und äußerlich mit gutem Erfolg gebrauchen als Cholagogum, gegen Ausschläge und Schwäche. Bei Ohrensausen reibt man es an die Schläfen.

In der Tiermedizin sind die reifen Samen ein gutes Mittel gegen das Aufblähen des Viehes.

Heinigke (Heinigke, Handb. d. homöop. Arzneiwirkungslehre, 1922, S. 74.) bezieht sich auf Hansen (dasselbe tut Clarke) (Clarke, Dictionary of materia medica. 1925, Bd. 1, S. 150) und gibt als Anwendung in der Homöopathie an: Clavus hystericus in der Klimax mit Erbrechen grünlicher Massen besonders morgens, Globus hystericus. Nach Boericke (zit. bei Heinigke) wird es angewendet bei Schlaflosigkeit, nervösem Zittern, Empfindlichkeit gegen Licht und Lärm, Dysmenorrhöe junger Mädchen mit dumpfem, schmerzhaftem Druck in der rechten Lendengegend.

Nach Thoms (Vgl. 8), 1931, I, S. 314.) enthält die Pflanze ein blausäureabspaltendes Glykosid. Alkaloide dagegen sind weder in Blüten noch im Kraut enthalten. In den Samen findet sich ein fettspaltendes Enzym.

Nach Aussaugen des Saftes einiger Akeleiblüten traten Vergiftungserscheinungen auf, die sich in schwerer Ohnmacht, starker mehrstündiger Benommenheit, Pupillenverengerung, Zyanose und Diarrhöen äußerten. Zwei Tage lang hielt große Schwäche mit Herzklopfen und Oligurie an (Hirsch Mamroth, Dtsch. med. Wschr. 1925, S. 1161.).

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Aquilegia vulgaris kann verordnet werden bei Dysmenorrhöe, Hautausschlägen, Mundgeschwüren und Fisteln sowie bei Augenschwäche. Es kann zu innerlichem und äußerlichem Gebrauch benutzt werden.

Angewandter Pflanzenteil:

Kennen die mittelalterlichen Autoren die Verwendung von Wurzeln, Blüten, Kraut und Samen, so nennen die neueren nur die der frischen blühenden Pflanze (so: Clarke, Dinand, Heinigke). Auch das HAB. gibt zur Gewinnung der Essenz die frische Pflanze an (§ 3). Dasselbe Ausgangsmaterial wird zur Bereitung des "Teep" benutzt.

Dosierung:

Übliche Dosis:
1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 10% Hb. Aquilegiae c. rad. eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,025 g Hb. Aquilegiae.)

In der Homöopathie:

dil. D 1, dreimal täglich 10 Tropfen.

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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