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Quassia amara. Bitterholz. Simarubaceae.

Name: Quássia amára L. Bitterholz, Brasilianischer Quassiabaum. Französisch: Quassie amère; englisch: Quassia wood; dänisch: Kvassiaved, Fluegift; norwegisch: Kvasia; polnisch: Gorzknia; russisch: Kwasja; schwedisch: Kvassiaved; tschechisch: Hořkoň obecná.

Namensursprung: Quassia soll von Linné nach dem Negersklaven Coissi oder Quassi, der das Holz zum ersten Male gegen Fieber verwendet haben soll, benannt worden sein; amara = bitter.

Botanisches: Der im nördlichen Brasilien beheimatete, bis 5 m hohe Baum mit zweijochiggefiederten Blättern, zugespitzten ganzrandigen Blättchen und geflügeltgefiederter, hellpurpurroter Blattspindel wird wegen seiner roten oder fleischfarbenen Blütentrauben in den Tropen gern als Zierbaum angepflanzt. Seine Frucht ist eine Steinfrucht mit schwarzem Samen.

Geschichtliches und Allgemeines:

Die Rinde und das bitter schmeckende Holz werden seit langer Zeit von den Eingeborenen Brasiliens als Stomachikum benutzt. Die erste Erwähnung der Droge finden wir bei dem französischen Geistlichen Labat, der 1696 von einem auf Martinique wachsenden Bitterholz berichtete. Im Jahre 1714 wies der Arzt Philipp Fermin darauf hin, daß auch die Blüten der Quassia bei Magenkrankheiten ein gutes Heilmittel seien. In Europa soll die Rinde schon um 1730 eingeführt worden sein, die Wurzelrinde als Fiebermittel fand jedoch erst von 1742 an größere Verbreitung. Linné, der die Wirkung der Quassia ausführlich behandelte, trug viel zu dem Bekanntwerden der Droge bei. 1788 fanden das Holz und die Rinde, Lignum Quassiae Surinamense, Aufnahme in die Londoner Pharmakopöe, sie wurden jedoch nach einiger Zeit durch Picraena excelsa Linl., Jamaika-Quassienholz, ersetzt. Es hieß, daß die aus dem Quassiaholz angefertigten Becher die daraus Trinkenden kräftigten und stärkten, was dadurch erklärlich erscheint, daß die Bitterstoffe des Holzes sich in der im Becher befindlichen Flüssigkeit auflösten.

Wirkung

Die Eingeborenen Westindiens benutzten das Holz gegen Magenkrankheiten (Köhlers Medizinalpfl.-Atlas, Bd. II, S. 149.).

Im Arzneischatz Hufelands (Hufeland, Enchir. med., S. 74, 146, 162, 163, 179, 182, 189, 199, 220, 245, 254, 289, 379, 403, 419 u. a.) fand die Droge als Amarum Anwendung; Rademacher (Rademacher, Erfahrungsheillehre, Bd. I, S. 160.) hat Quassia als Lebermittel eingeführt. Er hatte mehrere fieberkranke Patienten, die täglich Fieberanfälle mit leichtem vorübergehendem Frösteln hatten. Eine Patientin, die auf China und Chinin gar nicht reagieren wollte, behandelte er anschließend mit Quassiawasser, stündlich einen Löffel voll. Das Quassiawasser war hergestellt worden von etwa 4 g Extrakt in 240 g Wasser. Nach Verbrauch dieser verordneten Menge war das Fieber verschwunden und die zurückbleibende Schwäche verschwand unter neuen Quassiagaben vollständig. Rademacher führte die Erkrankung auf ein Leberleiden zurück. Er prüfte das Mittel dann weiter bei chronischen Leberleiden mit Bauchwassersucht und gewann auf Grund einer zehnjährigen Erfahrung die Überzeugung, daß das Quassiawasser bei der Bauchwassersucht und bei vielen anderen auf Leberstörungen zurückzuführenden Leiden unersetzlich ist. Im übrigen fand er, daß das Quassiawasser die rote Farbe der Cochenille zum Verschwinden bringt.

Von den Schülern Rademachers wurde das Mittel weiter vielfach geprüft. So ist es auch heute noch bei der gleichen Indikation sehr beliebt. In der englischen Medizin (Bentley and Trimen, Medicinal Plants, Bd. I, S. 57, London 1880.) wird Quassia amara bei chronischer Dyspepsie, allgemeiner Schwäche und in der Rekonvaleszenz nach akuten Krankheiten verordnet, ferner als Klistier bei Fadenwürmern der Kinder. Auch bei Lebererkrankungen in Verbindung mit Melaena soll sie sich bewährt haben (Berends, Handb. d. prakt. Arzneiwissenschaft. Berlin 1829 u. 1836.).

Schmerzen in der Lebergegend und Durchfälle, ferner Milzleiden sind Indikationen, die sich in der homöopathischen Literatur (Schmidt, Lehrb. d. hom. Arzneimittell., S. 265; Wizenmann, Heilung und Heiligung, Bd. 4, S. 1370.) finden.

A. Stiegele (A. Stiegele, zit. nach Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 817.) sah Erfolge bei Hepatozirrhose mit Aszites.

Nach Untersuchungen von Weger (Weger, Naunyn-Schmiedebergs Arch. 1929, Bd. 144, S. 261.) steigert Quassia die Herztätigkeit; es besteht demnach die Möglichkeit, daß die appetitanregende Wirkung der Amara indirekt eine Folge erhöhter Herztätigkeit und damit besserer Durchblutung der Abdominalorgane ist. Bezüglich der Beseitigung des Hungergefühls durch Bitterstoffe vgl. Gentiana.

Nach Ripperger (Ripperger, Grundlage der praktischen Pflanzenheilkunde, S. 143, 1937.) ist Quassia während der Schwangerschaft und der Menstruation kontraindiziert.

Heubner und Riedeck (Heubner u. Riedeck, Verhandlg. dtsch. Naturf. u. Ärzte, Salzbrg. 1909.) stellten an Hand von Versuchen mit dem in dem Holze enthaltenen Bitterstoff Quassiin fest, daß große Dosen Bitterstoffe eine Verzögerung der Giftresorption verursachen, so daß tödliche Giftdosen in ihrer Wirkung völlig oder teilweise aufgehoben werden. Kleine Dosen in einmaliger Darreichung bewirken gerade das Gegenteil, wahrscheinlich infolge Beschleunigung des Übertritts vom Magen zum Darm, der dadurch in verhältnismäßig kürzerer Zeit größere Giftmengen resorbieren muß.

Versuche am Frosch zeigten, daß das Quassiin eine ausgesprochene Wirkung auf die motorischen Nervenendigungen besitzt (Jodlbauer, in Heffter-Heubners Handb. d. exp. Pharm., Bd. 2, 2, S. 1567.).

Nach Wehmer (Wehmer, Pflanzenstoffe, II, 1931, S. 643.) enthalten Holz und Rinde ferner das Quassol, das Holz wahrscheinlich auch ein Alkaloid, während die Rinde reich an Calciumoxalat ist.

Anwendung in der Praxis auf Grund der Literatur und einer Rundfrage:

Quassia amara ist ein nicht ersetzbares Hauptmittel bei Leberleiden, insbesondere Leberzirrhose mit Aszites. U. a. schreibt mir auch Buchinger, Pyrmont, von der fabelhaften Heilung einer Leberzirrhose mit Bauchwassersucht durch die Verordnung von Quassia Ø (5 Tropfen dreimal täglich).

Weiter verordnet man das Mittel gern bei gastrischem Fieber, Ikterus mit Fieber*), Typhus (hier gibt Reuter, Greiz, dreimal täglich 20 Tropfen von Aqua Quassiae Rademacheri), als Stomachikum bei Diarrhöen, Dyspepsie, Sodbrennen, allgemeiner Schwäche und als sehr gutes Anthelmintikum bei Oxyuren und Askariden. Seltener wird Quassia noch bei Cystitis, als Blutreinigungsmittel, auch bei Syphilis, gegen Augenschwäche und Alkoholismus genannt.

Bei Halsdrüsenentzündung läßt Vester ein Dekokt des Quassiaholzes trinken und äußerlich Echinaceatinktur oder -salbe anwenden.

Zum Entwöhnen des Nagelkauens wählt man Quassia Ø (ad usum externum) zum Einschmieren der Finger

+) Beispiel für die Anwendung: (Nach Schier, "Allgemeine Homöopathische Zeitung" 1935, Heft 4, S. 197.)

Schwester Emma Bl., 36 Jahre alt, ist in der Klinik tätig, leidet seit 8 Jahren an häufig auftretender Cholecystopathie, 1925 auch an vorübergehender Gelbsucht mit leichten periodischen Fieberanfällen.

Von Ende August 1933 ab hat sie jede Nacht wieder Kolikschmerzen in der Gegend der Gallenblase und unter den rechten Schulterblatt mit dünnem Stuhlgang und leichtem Fieber; sie erhält am 11. September Chelidonium D 3 in zweistündlichem Wechsel mit Quassia D 3. Am 18. September geht es ihr wesentlich besser, die Schmerzen haben aufgehört, Stuhl und Temperatur sind normal. Die Medikation wird nun dreistündlich fortgesetzt nit dem Erfolge, daß sie bis zum 25. September nur noch einmal nachts Oberbauchschmerzen hat. Das Wohlbefinden hatte auch angehalten, als ich sie am 16. und 30. Oktober wiedersah.

Angewandter Pflanzenteil:

Die Droge stellt das getrocknete Holz dar (Köhler, Rademacher, Heinigke, Stauffer, Hager, Thoms, Dragendorff). Das gibt auch das HAB. an (§ 4). Das getrocknete Holz wird auch zur Gewinnung des "Teep" verwendet, solange frisches Holz nicht erhältlich ist.

Lignum Quassiae surinamense oder jamaicense oder beide Sorten sind offizinell in allen Staaten außer Ungarn, Jugoslawien, Finnland, Dänemark und Japan.

Dosierung:

Übliche Dosis:
Einstündlich 1 Löffel Aqua Quassiae (Rademacher);
5 Tropfen der Tinktur dreimal täglich (Buchinger).
1 Tablette der Pflanzenverreibung "Teep" dreimal täglich.
(Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt, d. h. 1 Tablette enthält 0,125 g Lign. Quassiae.)

Maximaldosis:

Nicht festgesetzt.

Rezepte:

Bei Leberzirrhose mit Aszites:

Rp.:
Lign. Quassiae . . . 30 (= Bitterholz)
D.s.: 2 Teelöffel voll auf 2 Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und tagsüber schluckweise trinken.
(Teezubereitung: Der im Verhältnis 1 : 10 heiß bereitete Tee hat einen Extraktgehalt von 0,4%, während der kalt bereitete Tee einen solchen von 0,5% hat. Auch der Aschengehalt des Extraktes liegt bei der kalten Zubereitung eine Kleinigkeit höher, und zwar beträgt er 0,10% gegenüber 0,08% bei kalter Zubereitung. Die Peroxydasereaktion war nur in der kalten Zubereitung und auch da nur schwach positiv. Geschmacklich erwies sich der kalt bereitete Tee als bitterer. Ein Ansatz von 1 : 100 dürfte die Grenze des Erträglichen darstellen.
1 Teelöffel voll wiegt etwa 1,2 g. Der Tee wird zweckmäßig kalt unter Verwendung von 1 Teelöffel voll auf 1 Teeglas angesetzt.).
Preis nach Arzneitaxe 10 g -.05 RM., 100 g -.25 RM.

Als Stomachikum (nach Klemperer-Rost):

Rp.:
Inf. Ligni Quassiae rasp. (e 10,0) . . . 200
Natrii bicarbonici . . . 5
Tinct. Aurantii cort. . . . 10
Sir. simp. . . . 50
M.d.s.: Zweistündlich 1 Eßlöffel.
Rezepturpreis etwa 1.89 RM.

Bei Askariden (nach Hufeland):

Rp.:
Extr. Tanaceti
Extr. Quassiae . . . aa 7,5
Ol. Tanaceti gtt. X M.f. pil. Nr. C.
D.s.: Früh und abends 10 Pillen.
Rezepturpreis etwa 2.76 RM.

Bei Typhus (nach Reuter):

Rp.:
Aqu. Quassiae Rademacheri (Zubereitung des Aqua Quassiae nach Rademacher: Rp. Ligni Quassiae 960; Cort. Quassiae 240; Man zerschneide und zerstoße alles, schütte es in eine Destillierblase, gieße eine hinreichende Menge Wasser und 300 g Alkohol darauf, lasse es 48 Stunden weichen und ziehe davon 2400 g Flüssigkeit ab.) . . . 20
D.s.: 20 Tropfen dreimal täglich.
Rezepturpreis etwa -.61 RM.

Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938, was written by Dr. Med. Gerhard Madaus.



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